Hockey: Konstantin Hayner spielt jetzt mit Neuss gegen Düsseldorf.

Hockey: Der verlorene Sohn ist zurück in Neuss

Konstantin Hayner trifft in der Hallenhockey-Bundesliga mit Schwarz-Weiß auf seinen Ex-Klub Düsseldorfer HC.

Was ist von einem Spieler zu erwarten, über den selbst sein Bruder sagt: „Er ist der schlechteste Hockey-Torhüter der Welt!“ Eine ganze Menge. Denn das eh im Scherz gefällte Urteil von Julius Hayner, im Juli mit der Deutschen U18-Nationalmannschaft Bronzemedaillengewinner bei der Europameisterschaft im spanischen Santander, erschüttert das Selbstvertrauen von Konstantin „Tatti“ Hayner null. Gleich in seinem ersten Spiel nach der Rückkehr des 19-Jährigen vom Düsseldorfer HC zum HTC SW Neuss avancierte er beim 3:3 in Krefeld zum großen Rückhalt seiner Mannschaft. Und das bei seiner Premiere in der Hallen-Bundesliga.

Ziemlich cool, Alter! Doch der lange Schlaks ist ehrlich. „Vor dem Spiel habe ich mir schon gesagt, hoffentlich wird das kein kompletter Griff ins Klo.“ Wurde es nicht. Dabei lag die Hockey-Karriere des Deutschen Jugend-Vizemeisters auf dem Feld noch vor wenigen Wochen auf Eis. Weil er beim DHC, zu dem er mangels adäquater Förderung in Neuss als 15-Jähriger gewechselt war, nicht an Stammkeeper Lennard Leist vorbeikam, legte er nach seinem Abitur am Neusser Humboldt-Gymnasium den Fokus aufs Studium. „Und da ich mit Hockey niemals meinen Lebensunterhalt bestreiten werde, war mir die Qualität der Universität erstmal wichtiger als der Sport.“ Dass ihn die Entscheidung für die renommierte Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen direkt ins Bundesliga-Oberhaus führen würde, ist eine dieser Geschichten, die nur das echte Leben zu bieten hat. Denn im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen/Maschinenbau ist auch der beim HTC SW Neuss seit dieser Saison als Mannschaftskapitän fungierende Jan Mausberg eingeschrieben. Die daraus resultierende Fahrgemeinschaft erleichterte dem jetzt ehemaligen Klasse-Torwart a.D. den Entschluss, dem Werben von HTC-Spielertrainer Matthias Gräber nachzugeben.

Vorher suchte er allerdings noch das Gespräch mit Mirko Stenzel, seinem Coach beim DHC. „Natürlich hat er es nicht gerne gesehen, dass ich zu einem Ligakonkurrenten wechseln wollte, sagte dann aber ehrlich, dass das für meine persönlich Entwicklung sicher besser wäre. Das fand ich sehr nett von ihm.“

  • Hockey : Hayner hält verdienten Punkt fest

Und das hat er jetzt davon: Am Samstag (18 Uhr, Stadionhalle an der Jahnstraße) trifft Hayner mit Neuss im Derby auf Düsseldorf und seine alten Teamkollegen. Kein Wunder, dass da im Vorfeld der Flachs blüht. „Es gab schon höhnische Kommentare nach meinem Wechsel ausgerechnet nach Neuss, allerdings waren die eher ironischer Art. Die Jungs verstehen, warum ich das gemacht habe, raten mir aber für Samstag, ich solle die Beine offen halten ...“ Keine Frage: Das Auftaktspiel beim Crefelder HTC war eine hochemotionale Angelegenheit, doch nichts im Vergleich zum Duell mit dem Erzrivalen aus der Landeshauptstadt. „Das fühlt sich für mich eher so an wie ein Halbfinale um die Deutsche Jugendmeisterschaft.“ Deshalb habe er sich das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kameraden ursprünglich für einen späteren Zeitpunkt in der Saison gewünscht, räumt der junge Schlussmann ein. „Doch nach dem guten Spiel in Krefeld spricht das Momentum vielleicht für uns.“ Wie stark aber auch der DHC ist, zeigte ihm das Video von dessen 6:6 zum Auftakt in Mülheim. Er weiß genau, tauchen am Samstag vor seinem Gehäuse Könner wie U21-Nationalspieler Raphael Hartkopf, dreifacher Torschütze gegen Uhlenhorst, oder der 33-jährige Dominic Giskes, „der alte Hase kann dir immer noch Probleme bereiten“, auf, herrscht Alarmstufe rot. „Dann muss du deine beste Leistung bringen, zeigen, dass du da bist.“

Zu toppen wäre der Hockey-Schlager nur, wenn es in der Stadionhalle zum Bruderduell kommen würde. Doch das fällt aus, denn der nach wie vor in Düsseldorf spielende Julius Hayner ist verletzt und kann darum nur auf der sicher proppenvollen Tribüne sitzen. Und da Blut bekanntlich dicker als Wasser  ist, ringt sich der jüngere Bruder dann doch noch etwas ab, was irgendwie als Lob durchgehen könnte: „Schlauer als ich ist Tatti nicht, aber besser in der Schule war er schon.“  Fortsetzung folgt ...