Lokalsport: Hockey-Klubs wollen Reform kippen

Lokalsport: Hockey-Klubs wollen Reform kippen

Nur drei Jahre nach der radikalen Reform, mit der die Bundesliga ihre Attraktivität erhöhen wollte, haben die Vereine die Nase voll. Auf einer außerordentlichen Sitzung in Frankfurt beschlossen sie, zum alten Modus mit Hin- und Rückspielen zurückzukehren. Nun muss der DHB entscheiden.

Die Klubs der Ersten und Zweiten Hockey-Bundesliga sind sich einig: die Reform muss weg. Auf einer außerordentlichen Sitzung beschlossen sie daher, zum alten Modus zurückzukehren. "Zwei Vereine waren dagegen, aber auch die Trainer dafür", verrät Carlos Navarrete, der den HTC SW Neuss in Frankfurt vertrat.

Falls Thomas Draguhn (l.) mit dem HTC SW Neuss in der kommenden Saison in der 1. Liga spielt, tut er das wohl nach dem alten Modus.

Um die Attraktivität der Eliteklasse zu erhöhen und gleichzeitig die Belastungen für die Spieler zu reduzieren, hatte sich die Liga vor drei Jahren auf folgendes geeinigt: Ab der Saison 2007/2008 tragen zwölf Klubs zunächst eine einfache Runde aus. Im Frühjahr treten die besten acht Mannschaften im "best-of-three"-Modus zu den Viertelfinalspielen an, die Teams auf den Plätzen neun bis zwölf bestreiten eine Abstiegsrunde. Das Unentschieden wurde direkt mit abgeschafft und ähnlich wie beim Eishockey der sogenannte Penalty-Shoot-out eingeführt. Der Sieger dieses Duells Feldspieler gegen Torwart erhält zwei Punkte, der Verlierer noch einen.

Aus für das Penaltyschießen

Damit soll nun Schluss sein. Geht es nach den Bundesliga-Klubs, soll schon ab der Saison 2010/2011 wieder nach dem herkömmlichen Modus gespielt werden. Das heißt: In Hin- und Rückspielen werden die vier Teams ermittelt, die im Final Four den Deutschen Meister küren. Die beiden Letztplatzierten steigen direkt in die Zweite Bundesliga ab. Zudem gibt es in der regulären Saison wieder ein Unentschieden, das Penaltyschießen soll den Entscheidungsspielen vorbehalten bleiben.

Diesen Beschluss wollen die Bundesligisten nun dem dafür zuständigen Sportausschuss des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) vorlegen. Stellvertretend für fast alle stellt Navarrete indes klar: "Sollte der beim DHB nicht durchgehen, werden wir versuchen, unsere Interessen sehr massiv durchzuboxen." Denn er und seine Kollegen halten die Reform für komplett gescheitert: "Die Nationalspieler zum Beispiel werden keineswegs entlastet, denn der Bundestrainer nutzt die freien Wochenenden für zusätzliche Maßnahmen. Attraktiv war der neue Modus, den kaum ein Zuschauer versteht, nur im ersten Jahr. Und auch die Hoffnungen, die Liga könnte auf diese Weise besser vermarktet werden, haben sich leider nicht erfüllt."

Dem HTC SW Neuss käme die Rückkehr zum alten System gerade recht. "Das wäre perfekt für uns, schließlich sind wir eine Mannschaft, die in der Rückrunde immer besser spielt als in der Hinrunde", sagt Navarrete. In der letzten Saison vor der Reform hatte es Schwarz-Weiß 2007 sogar bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft geschafft. Danach musste der HTC zwei Mal in die neueingeführte Abstiegsrunde und stieg 2009 in die Zweite Bundesliga Nord ab.

Dort belegt Neuss nach der Hinrunde Rang eins. Erstliga-Hockey bietet an der Jahnstraße im Moment nur der Düsseldorfer HC an. Da dessen Anlage am Seestern gerade üppigst aufgepeppt wird, trägt der DHC die ersten Meisterschaftsspiele wohl im Stadion aus.

(NGZ)