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Hockey: HTC SW Neuss trägt die Entscheidung auf erweiterte Saison mit

Feldhockey : HTC Neuss trägt Entscheidung auf erweiterte Saison mit

Die Auf- und Absteiger in der 2. Feldhockey-Bundesliga Nord stehen sehr wahrscheinlich erst im Frühjahr 2021 fest. In Neuss wäre man schon froh, überhaupt mal wieder um Punkte zu spielen.

Eines muss der Neid der aus Vertretern des Deutschen Hockey-Bundes (DHB), der Versammlung der Bundesligavereine (BLVV) und der Hockeyliga bestehenden „Task-Force Bundesliga“ ja lassen. Auf die Idee, der Corona-Krise mit einer Doppelsaison 2019/2021 zu begegnen, wären selbst die kreativsten Köpfe sicher nie und nimmer gekommen.

Nach der zweiten Abstimmungsrunde mit den per Video zugeschalteten Delegierten der Erst- und Zweitligisten geht die findige Expertenrunde nun mit diesem Vorschlag in die mit der weiteren Abwicklung der wegen Covid-19 unterbrochenen Spielzeit 2019/2020 befassten Gremien des DHB: Die Ergebnisse der in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres absolvierten Hinrunde der unter anderem mit dem HTC SW Neuss bestückten 2. Bundesliga Nord haben Bestand.

Allerdings gelten zum geplanten Restart am 12./13. September die noch ausstehenden neun Spieltage der Rückrunde offiziell als Hinrunde der Saison 2020/2021. Die soll im Frühjahr (März/April) des nächsten Jahres mit einer aus Hin- und Rückserie bestehenden Aufstiegsrunde für die Teams auf den Plätzen eins bis fünf und einer Abstiegsrunde für die Mannschaften auf den Rängen sechs bis zehn fortgesetzt werden. Die Neusser Routiniers um Trainer Matthias Gräber kennen das: In der Erstliga-Spielzeit 2007/2008 schafften Sebastian Draguhn & Co. in den erstmals eingeführten Play-downs der vier Letztplatzierten den Klassenverbleib, ein Jahr darauf ging die Sache schief. Nach der Saison 2010/2011 verschwand das bei den Vereinen nicht sonderlich beliebte Format wieder in der Mottenkiste.

Sein großer Nachteil: Da die in der regulären Runde aufs Konto gebrachten Punkte verfallen  – alle Teams fangen wieder bei null an –, ist Glücksrittern und Hasardeuren Tür und Tor geöffnet. Gräber: „Damit öffnen sich jetzt und im Frühjahr gleich zwei Wechselfenster. Du könntest dir zum Beispiel nur für die acht Spiele der Auf- oder Abstiegsrunde potente Sponsoren suchen, die dir vier Top-Ausländer bezahlen.“ Und was, bitteschön, passiert, wenn es im September nicht wieder losgehen kann? „Dann spielst du die Rückrunde 2021 – mehr als anderthalb Jahre nach der Hinrunde“, stellt Gräber ziemlich irritiert fest.

Wäre es nach dem HTC gegangen, „hätten wir diese Saison annulliert und im nächsten Jahr einfach neu angefangen“, fügt der Coach hinzu. Letztlich habe sich die Mannschaftsführung mit Stephan Busse und Carlos Navarette für dieses von ursprünglich mal fünf Szenarien ausgesprochen, „weil es das einzige war, was irgendwie Charme hatte.“ Wenigstens besteht, sollte das Votum der Klubs auch vor den Entscheidungsträgern beim DHB Bestand haben, jetzt endlich Klarheit. Weil zu lange galt, „nichts Genaues weiß man nicht“, fanden sich die Spieler in einer Endlosschleife permanenter Bereitschaft gefangen. „Die Jungs sind seit dem Einstieg in die Vorbereitung auf die Feldsaison am 8. Februar durchgängig im Training“, sagt Gräber, „es gab zu Beginn Phasen, da haben wir bis zu sechs Mal in der Woche trainiert.“

Damit ist nach dieser Woche erstmal Schluss, weiter geht es an der Jahnstraße voraussichtlich am 26. Juli. Dann reduziert das Trainerteam den im Moment noch 30-köpfigen Kader auf 20 Akteure (plus zwei Torhüter). Im Moment geht Gräber davon aus, dass zum Wiedereinstieg auch die Routiniers Ivo Otto, Mario Stümpel, Abbas Haider und Sebastian Draguhn, der mit den Gedanken gespielt hatte, seine großartige Karriere auf dem Feld in diesem Sommer zu beenden, noch dabei sind. Gräber: „Aber was im März 2021 ist, steht in den Sternen.“

Seine Zielsetzung ist klar: „Wir wollen noch unter die ersten Fünf, sagen aber nicht: ‘Wir wollen aufsteigen.’ Das wäre mit unserer jungen Truppe schon sehr vermessen.“ Für den Moment zählt für ihn und seine Schützlinge aber nur das: „Egal wie, alle wären froh, wenn ab September wieder der Ball rollt, wenn wir endlich wieder um Punkte spielen könnten.“

Unser Autor kommentiert das Thema hier: Professionell ist dieser Plan nicht.