Jüchen : Hochzeit mit Hindernissen

Zwei gleichgeschlechtliche Paare wollten am Samstag im Nikolauskloster vor den Standesbeamten treten. Nach massiven Beschwerden im Kloster von Bürgern hat die Gemeinde jetzt die Trau-Orte verlegt – auf Schloss Dyck.

Zwei gleichgeschlechtliche Paare wollten am Samstag im Nikolauskloster vor den Standesbeamten treten. Nach massiven Beschwerden im Kloster von Bürgern hat die Gemeinde jetzt die Trau-Orte verlegt — auf Schloss Dyck.

Carolin Voigt und Yvonne Königs haben in der NGZ eine Anzeige zu ihrer Hochzeit geschaltet: Am morgigen Samstag wollten sie vor dem Standesbeamten eine Lebenspartnerschaft eintragen lassen. Ort: das Nikolauskloster. Eine Ankündigung, die für Aufregung sorgte — viele Menschen beschwerten sich im Kloster.. Erst am Mittwoch, drei Tage vor dem Gang zum Standesbeamten, erfuhren die beiden Frauen von der Gemeinde ihren neuen Ort der Trauung: Schloss Dyck. Sie waren nicht die einzigen. Auch eine weitere Hochzeit von zwei Frauen wurde kurzfristig auf Schloss Dyck verlegt.

In der Gemeinde Jüchen können Paare an unterschiedlichen Orten standesamtlich heiraten. Beliebteste Adresse für den Ringwechsel ist das Haus Katz. Doch das Gebäude wird zurzeit behindertengerecht umgebaut. Noch bis Dezember wird es nicht für Eheschließungen genutzt werden können. Alternativen gibt es — etwa in Schloss Dyck oder in der Bibliothek und im Petrus-Saal von Nikolauskloster.

"Durch den Umbau von Haus Katz gibt es bei uns zahlreiche zusätzliche Trauungen", bestätigt Pater Andreas Petith, Hausherr im Nikolauskloster. Zu den beiden aktuellen Fällen will sich der Pater nicht äußern. Er bestätigt aber, "zahlreiche Anrufe von Menschen, die sich in ihrem moralischen Empfinden gestört fühlten" bekommen zu haben. In den vergangenen Tagen habe er dieses Thema mehrfach in Messen oder in Gespräch mit Gläubigen aufgegriffen.

Dass Homosexuelle vor den Standesbeamten treten, ist auch in Jüchen keine Seltenheit mehr: "Nach meinem Kenntnisstand haben aber bisher nur Hochzeiten zwischen Männern und Frauen im Nikolauskloster stattgefunden", so Gemeindesprecher Jürgen Wolf auf Anfrage der NGZ. In Zukunft würde die Gemeinde gleichgeschlechtlichen Paaren auch nicht mehr das Nikolauskloster, sondern direkt Alternativen vorschlagen.

Carolin Voigt hätte sich gewünscht, dass sie nicht erst drei Tage vor der Hochzeit ihren Trau-Ort erfahren hätte: "Zumal ich den Standesbeamten auf mögliche Probleme mit dem Nikolauskloster hingewiesen habe", sagt sie gegenüber der NGZ. Sie habe niemanden provozieren wollte, sie wolle "einfach nur heiraten". Jetzt freut sie sich auf Schloss Dyck: "Das passt zu unserer großen Party und der Fahrt in der Limousine."

(NGZ)