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Jüchen: Hochneukirch leidet unter Tagebaulärm

Jüchen : Hochneukirch leidet unter Tagebaulärm

Messungen haben gezeigt, dass der Tagebaubetrieb in der Nacht nah an den Grenzwerten von 45 Dezibel liegt. Viele Hochneukircher ärgern sich über den Lärm. Helfen könnte erst Ende 2014 eine neue Lärmschutzwand für die A 46.

Quietschende Förderbänder, brummende Motoren und knirschende Schaufelräder stören viele Hochneukircher in ihrer Nachtruhe. Denn der unmittelbar angrenzende Tagebaubetrieb übertönt nachts sogar die vierspurige Autobahn 46 zwischen Kohlegrube und Wohngebiet, weil der Verkehr dann deutlich abnimmt. Zahlreiche Anwohner ärgern sich, doch RWE verweist auf die rechtlichen Rahmenbedingungen: "Für die maximale Lautstärke des Tagebaubetriebs gibt es keine gesetzlich vorgegebenen Richtwerte", sagte Heinz-Michael Erken von RWE Power im Planungsausschuss.

Doch der Lärmschutz wird verbessert — aber erst, wenn die Autobahn 46 sechsspurig ausgebaut wird. Ab Mai 2013 soll eine neue, knapp 550 Meter lange und sieben Meter hohe Lärmschutzwand aus hochabsorbierenden Betonkomponenten gebaut werden.

Zum Thema Lärmbelastung in Hochneukirch verweist Heinz Erken auf ungefähre Werte, die im Mittelfeld zwischen den gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwerten für normalen Straßenverkehr und Industriegebiete liegen: "So kommen wir auf einen Geräuschpegel von etwa 45 Dezibel, der zur Nachtzeit in Hochneukirch nicht überschritten werden sollte", sagte der Experte. Um eine Überschreitung dieses Wertes festzustellen, haben Gutachter an drei Stellen in Hochneukirch gemessen — so auch an der Birkenallee und an der Peter-Busch-Straße, wo sie einen durchschnittlichen Wert von 42 bis 44 Dezibel ermittelten. "Hierbei ist zu beachten, dass auch die Autobahn zu dieser Geräuschkulisse beiträgt", so Erken.

Die Tatsache, dass der Lärmpegel in Hochneukirch nachts so nah an den Höchstwerten liegt, sorgte im Planungsausschuss für Wirbel: "Der Lärm ist für die Bürger teilweise unerträglich", sagte Gerolf Hommel von der FWG-Fraktion. Er hatte einen Antrag für dauerhafte Lärmmessungen im Süden von Hochneukirch gestellt. Hommel merkte an, dass Werte ab 45 Dezibel auf Dauer bereits gesundheitsschädlich wären: "Gemessene Höchstwerte von 44 Dezibel, die den Anwohnern hier zugemutet werden, gleichen einem Skandal."

Doch die Hochneukircher müssen sich weiter gedulden: "Die neue Lärmschutzwand entlang der Autobahn am Tagebaurand, die den Geräuschpegel zumindest senken soll, kann erst nach gut einem Jahr Bauzeit auf ihrer ganzen Länge fertiggestellt werden", erläutert RWE-Sprecher Manfred Lang.

Das bedeutet: Bis Ende 2014 können die betroffenen Bürger nachts also nicht auf Ohrstöpsel verzichten. "Es wird höchste Zeit, dass RWE sensibilisiert wird, wenn es um das Wohl der Bürger geht, in deren unmittelbaren Nähe Kohle in einer offenen Grube gefördert wird", forderte der Hochneukircher Gerd Bandemer für die CDU-Fraktion. Er selbst wohne in Hochneukirch und kenne das Problem nur zu gut: "Viele Wohnraumsuchende schreckt die Geräuschkulisse mit Autobahn, Tagebau und der Bahnlinie ab — andere Bürger ziehen deshalb sogar einen Umzug in Betracht", schilderte Bandemer. Für Anwohner bedeute die Lärmbelastung einen "immensen Wertverlust" ihrer Immobilien.

Trotz Lärmschutzwand ließen sich solche "tonale Besonderheiten" wegen des fortlaufenden Kohleabbaus bei Hochneukirch nie komplett ausschließen: "Die Braunkohle kann eben nur hier gefördert werden, und wir können nicht vermeiden, dass unsere Großgeräte zeitweise sogar direkt vor den Ortschaften baggern", sagte Heinz Erken. Beschwerden der betroffenen Anwohner träfen aber überwiegend nur dann bei RWE ein, wenn es im Tagebau Defekte an Maschinen gebe, die laute Geräusche verursachen, erklärte er.

Um den Lärmbelastungen in Zukunft vorzubeugen, will das Bergbauunternehmen weiter an der Aufrüstung seiner Geräte arbeiten: "Wir bemühen uns sehr, unsere Maschinen dem aktuellen Stand der Technik anzupassen, veraltete Getriebe und Motoren gegen modernere und vor allem leisere auszutauschen", berichtete der RWE-Umweltschutzexperte, "denn am sinnvollsten ist es, die Geräuschverursacher direkt aus dem Verkehr zu ziehen."

(cka)