Jüchen : Hoch auf dem Narren-Wagen

Rund 300 Jecken in 20 Gruppen zogen gestern beim größten Zug durch Gierath und Gubberath. Die Punks der Karnevalsgesellschaft Lummerland & Co. haben vom Wagen aus ihren eigenen Blick auf den Zug. Ein Selbstversuch.

Rund 300 Jecken in 20 Gruppen zogen gestern beim größten Zug durch Gierath und Gubberath. Die Punks der Karnevalsgesellschaft Lummerland & Co. haben vom Wagen aus ihren eigenen Blick auf den Zug. Ein Selbstversuch.

Gierath/Gubberath Gute Laune und noch besseres Wetter machen den Rosenmontagsumzug zu einem Glanzlicht in der Geschichte der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Gierath/Gubberath (KG).

Die Punks der "Karnevalsgesellschaft Lummerland und Co.", die traditionell mit eigenem Wagen mitziehen, erfreuen sich an dem Blick von oben: "Es gibt nichts Besseres, als auf dem Wagen zu sein und die anderen Jecken aus der Höhe zu betrachten", sagt Birgit Schlangen-Heikamp (43). Und das stimmt auch: Der Sonne nah, rund drei Meter über der Straße und gezogen von einem schweren Traktor entgeht dem Narren nichts. "Wir haben den bunten Lindwurm im Blick", sagt Zugleiter Joachim Heikamp (44). "Außerdem müssen wir unser Wurfmaterial nicht schleppen." Mit Nasen- und Lippenringen, bunten Irokesen, zerschlissenen Jeans und Lederjacken feiern sie auf ihrem Gefährt. "Wir sind für jeden Spaß zu haben – wähle 110" steht für die Zuschauer gut sichtbar am Wagen. "Als Punks und gerade vom Wagen aus können wir uns auch einmal ein paar Frechheiten erlauben" – wer weiß schon, ob es Absicht war, wenn die Kamelle den einen oder anderen Kopf treffen?

Wurfmaterial für rund 4000 Euro haben die "Asozialen" an Bord: Kisten- und säckeweise stapelt sich Popcorn, Bonbons, Lollis, Chips und Brötchen in ihrem Wagen – sogar große Poster von Stars wie Hanna Montana oder Justin Bieber können sie verschenken. Mit vollen Händen bringen sie die Leckereien unters närrische Volk, das entlang der fünf Kilometer langen Strecke ungeduldig wartet. Mit großem "Helau" wird jede Gruppe begrüßt.

Zu Fuß ist auch die Kostümgruppe um Schriftführer Thomas Müller dabei. Mit ihren selbst genähten Indianer-Kostümen sicherten sie sich den ersten Platz beim Kostümball der KG. Mit einem Bagagewagen passend zum Thema "Indianerleben" und bewaffnet mit mehreren hundert Kilo Wurfmaterial wie Kappes, Seifen und Kamelle wandern sie vorbei an zahlreichen Zuschauern. "Wir gehen lieber zu Fuß, weil wir dann näher am Volk sind."

Doch auch die Punks sind nicht menschenscheu: "Wenn wir jemanden sehen, den wir kennen, dann steigen wir auch ab – unseren Wagen holen wir immer wieder ein." So sehen sie auch die anderen Wagen in Aktion: Neben vier Musikzügen waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Hasen jagen das Dschungelbuch, ihnen folgt die Karnevalsgesellschaft Narrenschiff. Der wilde Westen war ebenso dabei wie verschiedene Zoobewohner und Superhelden – sie alle trafen sich nach dem Umzug zur großen Rosenmontagsparty im Festzelt.

(NGZ)