1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis
  4. Sport im Rhein-Kreis

Reitsport: "Hier wird professionell gearbeitet"

Reitsport : "Hier wird professionell gearbeitet"

Der RSV Grimlinghausen bringt immer wieder neue Voltigiertalente hervor. Warum das so ist, und wann das "Turnen auf dem galoppierenden Pferd" Aufnahme in den Kanon der olympischen Sportarten findet, verrät Bundestrainerin Ursula Ramge im Gespräch mit der NGZ

Kommt ein Bundestrainer zu Besuch, wird in manchen Sportarten großes Aufheben darum gemacht — mit Sicherheitskräften, Vip-Logen und reservierten Parkplätzen. Beim Voltigieren ist das anders: Da saß Ursula Ramge am Sonntagmittag mitten zwischen Eltern, Freunden und Zuschauern, die zur öffentlichen Generalprobe des "Team Neuss" für die Voltigier-Europameisterschaften auf den Nixhof gekommen waren. Zwischendurch hatte die Warendorferin noch Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung.

Frau Ramge, wie sind Sie mit der Generalprobe Ihrer Voltigierer anderthalb Wochen vor Beginn der Europameisterschaften zufrieden?

Ursula Ramge Was die Gruppe angeht, bin ich mehr als zufrieden. Dafür, dass es "nur" eine Generalprobe war, war das nahezu perfekt, was das Team Neuss hier gezeigt hat.

Die Gruppe selbst meinte, es gäbe noch zwei, drei Kleinigkeiten zu verbessern.

Ramge Das ist richtig. Aber das waren wirklich nur Kleinigkeiten.

Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Le Mans?

Ramge Wenn die Gruppe dieses Niveau hält, dürfte ihr der Titel kaum zu nehmen sein. Und dieser Titel ist auch das Ziel, mit dem wir zur EM fahren.

Wen sehen Sie als Konkurrenten?

Ramge Wie eigentlich immer in den letzten Jahren Österreich und die Schweiz. Die Franzosen als Gastgeber haben in diesem Jahr erhebliche Pferdeprobleme, ich glaube nicht, dass die mithalten können.

Und die Chancen der Einzelvoltigierer?

Ramge Die sind schwer einzuschätzen. Wir schicken ja sehr junge Athleten an den Start, für die es in erster Linie darum geht, zu lernen. Beim CHIO in Aachen haben sie sich gut geschlagen, ich hoffe, sie können bei der EM daran anknüpfen.

Wie sehen Sie vor diesem Hintergrund die Entscheidung von Antje Hill und Simone Wiegele, als WM-Zweite und -Dritte auf einen Einzelstart zugunsten der Gruppe zu verzichten?

Ramge Ich habe mich sehr über diese Entscheidung gefreut, denn das Gruppenvoltigieren ist nun einmal die Krone unseres Sports. Hier zu gewinnen ist der wichtigste Titel, und Simone und Antje sind für diese Gruppe nun einmal von entscheidender Bedeutung.

Wie geht es in dieser Hinsicht weiter?

Ramge Das ist vollkommen offen, Das hängt davon ab, wie die beiden sich entscheiden. Das hängt sicher auch davon ab, wer im nächsten Jahr Deutschland als Gruppe international vertritt. Der VV Ingelsberg als "ewiger Konkurrent" der Neusser hat sicher einen kleinen Vorteil, weil er jetzt Pause hat und diese nutzen kann, intensiv an seiner Kür zu arbeiten.

Wie kommt es, dass der RSV Grimlinghausen immer wieder herausragende Voltigierer hervorbringt?

Ramge Weil hier absolut professionell gearbeitet wird. Und damit meine ich nicht nur das Training, sondern die ganzen Abläufe hier im Verein. Die sind dank solchen Leuten wie Marlies Klüter auf ganz hohem Niveau. Und Jessica Schmitz ist nicht nur eine hervorragende Trainerin, sondern auch ein echtes Organisationstalent.

Machen Sie sich Sorgen, dass diese Talentquelle einmal versiegen könnte?

Ramge Solange die derzeit handelnden Personen da sind, nicht.

Voltigieren hat in puncto öffentliche Aufmerksamkeit und enorm zugelegt in den letzten Jahren. Freut Sie das?

Ramge Wir sind sicher nicht mehr die Randsportart wie früher. Das haben wir ein paar Regeländerungen und vor allem den Weltreiterspielen 2006 in Aachen zu verdanken. Natürlich freut mich das, auch wenn die Krönung noch aussteht.

Sie meinen die Aufnahme des Voltigierens in den Kanon der olympischen Sportarten.

Ramge Richtig. Dafür brauchen wir Geduld, aber ich bin sicher, dass es eines Tages so weit sein wird. Ich weiß nur nicht, wann, denn dafür muss sicherlich eine andere Disziplin gestrichen werden. Die Voraussetzungen von unserer Seite sind jedenfalls da, auch, was die öffentliche Wahrnehmung anbetrifft. Auf der anderen Seite bin ich aber auch ganz froh, dass wir eine "Randsportart" sind: Wäre ich zum Beispiel Bundestrainerin im Fußball, könnte ich jeden Tag in den Zeitungen lesen, was ich zu tun habe. So kann ich meine Entscheidungen alleine treffen.

Volker Koch führte das Gespräch

(NGZ/rl)