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Korschenbroich: Herz Jesu seit 100 Jahren Zentrum des Dorfes

Korschenbroich : Herz Jesu seit 100 Jahren Zentrum des Dorfes

Zwei Jahrzehnte mussten die Herrenshoffer kämpfen, bis sie ihre eigene Kirche bauen durften. Im Dezember 1913 war die Kapelle fertig.

In dem kleinen Gotteshaus an der Schaffenbergstraße hat Ansgar Barbers 1994 seine Frau Irene geheiratet. Er war in der Gemeinde Herz Jesu Messdiener, hat schon unzählige Pfarrfeste miterlebt, Prozessionen, Schützenparaden. "Jeder von uns hier im Ort verbindet mit der Kirche eine ganze Menge", sagt der 47-Jährige. "Sie ist für die Herrenshoffer Mittelpunkt", ergänzt der Vorsitzende des Kirchenvorstands. Und das ist mittlerweile schon seit 100 Jahren so.

"Die Kirche ist ein Sinnbild für den Zusammenhalt bei uns im Ort", sagt Ansgar Barbers. Baumaterial anschaffen, Wände streichen, den Innenraum sanieren – immer, wenn irgendetwas getan oder besorgt werden muss, werden die Dörfler aktiv. Bei der bisher letzten Renovierung etwa hätten Handwerker aus den Reihen der St.-Hubertus-Bruderschaft mit angepackt, gibt Barbers ein Beispiel.

Es war überhaupt erst der Initiative einiger Bürger zu verdanken, dass Herrenshoff ein eigenes Gotteshaus bekam. Bereits zwischen 1888 und 1890 sollen sich Herrenshoffer, Raderbroicher und Herzbroicher zusammen getan haben, die sich für den Bau einer eigenen Kapelle einsetzten. Um den älteren Bürgern den weiten Weg zur Korschenbroicher Kirche zu ersparen, erläutert Jakob Bremer in seinem Buch über Myllendonk.

Das Bauland war schnell gefunden: Der Rentner Johann Matthias Stumpen überließ den Herrenshoffern sein Grundstück. Bis der Finanzierungsplan ausgefeilt war, sollte es aber noch rund 20 Jahre dauern. Am 13. August 1912 erhielten die Bürger dann endlich die Baugenehmigung, als Architekten verpflichteten sie Wilhelm und Paul Sültenfuß aus Düsseldorf. Am 27. April 1913 legten sie den Grundstein für ihre neugotische Kapelle Herz Jesu. "Möge diese Kirche sein ein Ort andächtigen Gebetes, ein Ort des Trostes für alle, die auf das geliebteste Herz Jesu ihr Vertrauen setzen", heißt es in der Urkunde, die in den Grundstein gelegt wurde. 1925 ließ die Gemeinde dann das Pfarrhaus anbauen, das mittlerweile vermietet wird. 1956 wurde quer zur Kapelle ein Kirchenschiff mit vielen Holz- und Betonelementen hinzugefügt – so erhielt Herz Jesu seine heutige Form. "Das passt eigentlich ganz gut zusammen", findet Ansgar Barbers. 1999 kam noch das Jugendheim dazu.

Als "hell und offen", charakterisiert der 47-Jährige den Innenraum der kleinen Kirche. Zwar sei die Ausstattung nicht spektakulär, doch Hingucker gibt es trotzdem: Die Buntglasfenster des Mönchengladbacher Künstlers Johannes Beek seien, zum Beispiel.

Sie symbolisieren unter anderem die Dornenkrone. Die Herz-Jesu-Statue aus Holz und das Hubertusfenster, das die Schützen 1991 einbauen ließen, lohnten ebenfalls einen Blick, findet Barbers. In den Gottesdiensten bietet sich dazu regelmäßig die Gelegenheit, tagsüber, wenn geöffnet ist – oder zu besonderen Terminen wie der Nacht der offenen Kirchen.

(NGZ)