Jüchen : Heimatverein gibt Buch heraus

Zwei Jahre lang war der Heimatverein Kelzenberg-Mürmeln aktiv: Eine Arbeitsgruppe sprach mit den Anwohnern, sammelte Fotos, die oft vergessen auf Dachböden verstaut waren. Jetzt sind die "Dorfgeschichten" fertig.

Kelzenberg/Mürmeln Mit Mikro und Schreibblock gingen Stefan Decker, Heinz Bausch und Franz Josef Wimmers durch das Dorf, um sich an Küchentischen Geschichten aus Kelzenberg und Mürmeln erzählen zu lassen. Heraus kam nach zwei Jahren Recherche ein 158 Seiten starkes Buch, das nun der Heimatverein Kelzenberg/Mürmeln herausgegeben hat.

"Wenn die Mitglieder des Heimatvereins Kelzenberg/Mürmeln zusammenkommen, dann werden häufig herrliche Geschichten aus dem Dorf erzählt", weiß der erste Vorsitzende Jürgen Lemke (43). Geschichten, die es wert sind, für die Zukunft erhalten zu werden. Vor zwei Jahren fassten Stefan Decker (51), Heinz Bausch-Weis (70) und Franz-Josef Wimmers (80), Ehrenvorsitzender des Heimatvereins, den Entschluss, ein Buch mit den Dorfgeschichten herauszugeben.

Neben den zahlreichen Gesprächen mit den Anwohnern mussten auch Bilder gefunden werden: Hierfür suchte mancher Dorfbewohner alte Fotos auf dem Speicher, die dann zunächst von Stefan Decker per Scanner erfasst und anschließend gemeinsam chronologisch sortiert wurden. Das Titelbild des neuen Buches zeigt die Hufschmiede Schiffers, in der früher die Pferde beschlagen wurden und die heute noch steht.

"Dabei haben wir die Geschichten so geschrieben, wie sie uns erzählt wurden", betont Wimmers. Die beiden älteren Herren fungierten dabei als "Türöffner" und schrieben jeder je ein Kapitel zum Leben in Kelzenberg. Andere kamen hinzu: Lebendig erzählt Irmgard Matzigkeit von ihrer Kindheit in Kelzenberg: vom geschwollen Knie, auf das Lehm gepackt wurde, vom Schrubben der "Kall" (Gasse), für das man Wasser mit dem "Jötschklomp" aus der Zisterne holen musste und von ihrer ersten Begegnung mit Helmut Matzigkeit, ihrem späteren Mann, der aus Ostpreußen kam und beim Bleichen der Wäsche im Baumgarten im Armeemantel vor ihr stand. Die evangelische Kirche sei immer der Mittelpunkt des Ortes gewesen, erinnert sich Wimmers. Der Ort sei ein konservatives evangelisches Dorf und habe Neubürger "nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen".

Viele fanden dort ihre Heimat: Friedhelm Bischof kam aus Niederschlesien, Walter Kilian aus Schlesien. Hiltrud Finken, geboren in Rheydt, "heiratete nach Mürmeln ein" und wurde heimisch. Karl-Ernst Steinfarz, Friedrich-Wilhelm Junker und Hans Schiffers wuchsen in Kelzenberg auf und erzählen vom Einbringen der Ernte, von der bekannten Bäckerei, die mal Gaststätte war, und von der Hufschmiede Schiffers.

(NGZ)