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Korschenbroich: Hauptschule: Morgen beginnt das Zählen

Korschenbroich : Hauptschule: Morgen beginnt das Zählen

18 Anmeldungen braucht die Hauptschule, um zu überleben. Morgen informieren die Lehrer über ihre Arbeit. Sie geben sich kämpferisch.

Für morgen lädt die Hauptschule Korschenbroich zum Tag der offenen Tür. Es wird kein leichter Tag sein, nicht für die Lehrer, nicht für die Schulleitung. Wie wirbt man für eine Schule, die es eigentlich in naher Zukunft nicht mehr geben sollte? Doch offenbar gilt auch für die Mitarbeiter der Hauptschule: Wer mit dem Rücken zur Wand steht, entdeckt ungeahnte Kräfte. "Die Stimmung ist gut in der Lehrerschaft, wir arbeiten alle wie verrückt, um den Tag der offenen Tür für Samstag zu organisieren", berichtet die stellvertretende Schulleiterin Irmgard Roubert-Henkelmann. Erst nächste Woche soll der erkrankte Rektor Dieter Roland wieder zum Team stoßen. Bis dahin ist es an Roubert-Henkelmann, Optimismus zu verbreiten, das Kollegium zu motivieren.

"Natürlich waren wir alle überrascht, als wir vom Scheitern der Sekundarschule hörten", räumt die Lehrerin ein. "Wir haben fest daran geglaubt, dass sie zustande kommt. Insbesondere, da genug Eltern im Vorfeld ihr Interesse bekundet hatten." Allerdings: unverbindlich. Lediglich 50 statt der erforderlichen 75 Anmeldungen gingen schließlich bei der Stadt ein, so dass Haupt- und Realschule fortgeführt werden. Bei letzterer gilt es als sicher, dass die Neuanmeldungen ausreichen werden. Gebangt wird indes um die Hauptschule. Bereits im vergangenen Jahr hätte sie fast keine Eingangsklasse bilden können. Finden sich nicht 18 neue Schüler in den kommenden Tagen, bedeutet das das Aus: Die Hauptschule würde auslaufen, interessierte Kinder auf umliegende Kommunen verteilt.

Darüber nachdenken will Irmgard Roubert-Henkelmann zurzeit nicht. Sie glaubt nach wie vor fest an das Modell der Hauptschule. "Wir haben Stärken, die andere Schulen nicht bieten können", betont sie. Drei Sonderschulpädagogen kümmerten sich um förderbedürftige Schüler, Unterricht mit doppelter Lehrerbesetzung sei üblich, Stärken und Schwächen könnten schneller analysiert werden. "Wir haben einen Riesenvorteil: Wir haben noch die Zeit, auf die Kinder einzugehen." Die Konrektorin erinnert beispielhaft an zwei Biografien, bei denen das System Hauptschule seine Effizienz bewies: 2011 absolvierte die ehemalige Hauptschülerin Laura Campisi die Mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt von 1,1 als Jahrgangsbeste, obwohl sie zuvor an Dyskalkulie (Mathematikschwäche) litt. Hauptschulabsolvent Patrick Theißen absolvierte eine Lehre als Baumschulgärtner und leitet inzwischen einen Gartenbetrieb mit zehn Angestellten.

Von morgen an können Eltern ihre Kinder bis zum 2. März an der Hauptschule anmelden. Irmgard Roubert-Henkelmann gibt sich kämpferisch: "Ich bin sicher, dass wir es schaffen werden."

(NGZ/ac)