Jüchen : Hauptschule hofft auf 18 Kinder

Warum Werner Fritsche, Konrektor der GTHS Hochneukirch, trotz der Änderung der Schulempfehlung optimistisch ist und an die Zukunft der Hauptschule glaubt, sagt er im NGZ-Interview.

Ab heute können sich künftige Fünftklässler an der Ganztagshauptschule anmelden. Für eine neue Eingangsklasse brauchen der kommissarischer Schulleiter Werner Fritsche und sein Team mindestens 18 neue Schüler, sonst werden die Kinder auf Anordnung der Bezirksregierung auf Hauptschulen in andere Kommunen verwiesen. Für die Hauptschule ein Problem: Die verbindliche Schulform-Empfehlung ist weggefallen.

Herr Fritsche, an der GTHS beginnen heute die Anmeldungen für die Fünftklässler. Rechnen Sie mit weniger Kindern, da die verbindliche Empfehlung für die weiterführende Schulform weggefallen ist?

Werner Fritsche Wir rechnen nicht damit, aber wir müssen es befürchten. Aber wir haben durch eine ganze Reihe von Aktionen – auch mit einer neuen Ausstellung über Berufe im Rathaus – versucht, uns in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Beim Unterrichtsbesuchtstag der Grundschulen war das Interesse genauso groß wie in den vergangenen Jahren. Deshalb sind wir immer noch guter Hoffnung.

Um die Hauptschule wird zurzeit viel diskutiert. Sehen Sie sie in ihrem Bestand bedroht, auch durch den demografischen Wandel?

Fritsche Die größte Bedrohung sehe ich zurzeit im politischen Willen. Den Eltern wird suggeriert, ihre Kinder doch lieber an anderen Schulen anzumelden, da die Hauptschulen sowieso auslaufen würden. Auch die Jüchener Gemeindespitze hat sich bereits bei der Bezirksregierung informiert. Dort soll sie das eindeutige Signal erhalten haben, dass Gemeinschaftsschulen favorisiert werden. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch Gemeinschaftsschulen sich nicht einfach so aus dem Boden stampfen lassen: Ein Antrag muss gestellt und genehmigt werden, ein pädagogisches Konzept muss erarbeitet werden.

Was kann speziell die Hauptschule für die Kinder und Jugendlichen leisten – im Gegensatz zu einer Verbund- oder Gemeinschaftsschule?

Fritsche Hauptschulen sind meist kleine Schulen. Sie können oft viel persönlicher auf die Kinder eingehen. Wir unterrichten hier Kinder, die bereits durch den Wettbewerb an den Grundschulen frustriert worden sind. Sie müssen wir auf besondere Weise auffangen. Die Hauptschule sehe ich als einzige Schule, bei der sie aus diesem Wettbewerb herauskommen. In einer großen Schule besteht die Gefahr, dass sie in der dortigen Konkurrenzsituation wieder untergehen. Wenn Hauptschulen als eigene Schulformen bestehen bleiben, können wir die Schüler zwischen Förder- und Realschule besser fördern. Unser Motto: Fördern statt überfordern.

Berufsvorbereitung ist bei Ihnen ein zentrales Thema: Welche Aktivitäten bieten Sie?

Fritsche Die spezielle individuelle Förderung und die Vorbereitung auf den Beruf sind bei uns ganz wichtige Punkte. Viel Unterstützung erfahren die Kinder auch durch unsere Schulsozialarbeiterin, die auch bei Familien- oder Freundschafts-Problemen hilft. Denn damit kommen die Kinder ja auch in die Schule. Hier können wir sie wieder ins Lot bringen. An Hauptschulen sind Sozialpädagogen einfach unverzichtbar.

(NGZ)