Fechten : Hartung führt Team zu EM-Silber

Nur Titelverteidiger Italien war zu stark für die deutschen Säbelfechter gestern Abend bei der EM in Sheffield. Mit der Silbermedaille, die sie sich mit einem 45:35-Halbfinalsieg über Weltmeister Russland sicherten, taten Hartung, Limbach und Co. einen großen Schritt Richtung Olympische Spiele

Aldo Montano, der "große alte Mann" des italienischen Säbelfechtens, vor sieben Jahren in Athen Olympiasieger, freute sich diebisch: Nur eine Minute, nachdem er bei einer Abwehraktion gegen Nicolas Limbach umgeknickt war, setzte der 32-Jährige gegen den sieben Jahre jüngeren Vize-Weltmeister vom TSV Bayer Dormagen die letzten beiden entscheidenden Treffer zum 45:38-Sieg, mit dem die Italiener im Abschlusswettbewerb der fecht-Europameisterschgaften in Sheffield gestern Abend ihren Titel verteidigten.

Der Frust bei Limbach, Max Hartung (beide Dormagen), Björn Hübner (Tauberbischofsheim) und Ersatzmann Benedikt Wagner (Dormagen) hielt sich nach der Niederlage allerdings in Grenzen. Die Silbermedaille, die sie sich dank eines imponierenden 45:35-Halbfinalsieges über Russland gesichert hatten, bedeutete den größten Erfolg einer deutschen Säbelmannschaft überhaupt bei einer Europameisterschaft.

"Damit haben sie einen großen Schritt Richtung Olympische Spiele in London getan", jubelte zu Hause Dormagens Fecht-Koordinator Olaf Kawald, auch wenn er gleich einschränkt: "Die Entscheidung fällt erst bei den Weltmeisterschaften Anfang Oktober in Catania." Doch mit Rang zwei hinter Titelverteidiger Italien, das mit seinen Routiniers — Aldo Montano, Luigi Tarantino und Diego Ozziuchi haben allesamt schon die Dreißig überschritten — auch die Weltrangliste anführt, verteidigten die Schützlinge von Bundestrainer Vilmos Szabo (Dormagen) ihren dritten Platz in dieser Rangliste, ja, sie rückten sogar näher an die zweitplatzierten Russen heran, die im Halbfinale gegen entfesselt fechtende Deutsche chancenlos waren und zeitweise mit 15 Treffern im Hintertreffen lagen. Wesentlich spannender hatte sich da das Viertelfinale gegen den WM-Vierten Weißrussland gestaltet, in dem Hartung, Limbach und Co. einen 26:30-Rückstand in einen 45:41-Zittersieg drehten.

Im Finale lagen sie dann schnell 0:5 (Hartung gegen Montano) und 3:10 (Limbach gegen Ochiuzzi) zurück. "Und so einen Rückstand holst du gegen die Routiniers nicht mehr auf", meinte Kawald. Ab dann entwickelte sich ein Gefecht auf Augenhöhe, auch wenn letztlich nur der im Einzel mit Bronze dekorierte Max Hartung seine Gefechte (7:5 gegen Occhiuzzi, 8:5 gegen Tarantino) gewinnen konnte. So verkürzten die Deutschen zwischenzeitlich auf fünf Treffer (33:38, 38:43), doch weil Limbach gegen Tarantino verlor (3:5) und Montano nur ein 5:5 abtrotzte, konnten sie das Gefecht nicht mehr drehen.

Dennoch überwog zu Recht die Zufriedenheit im deutschen Lager. "Wir fahren nach London", schrie Max Hartung seine Freude heraus. "Das war ein furioser Tag. Die Entschlossenheit der Jungs war eindrucksvoll", lobte Sportdirektor Manfred Kaspar die Säbelfechter, die als einzige Disziplin zwei EM-Medaillen in Sheffield gewannen.

(NGZ)