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Hockey: Hans-Werner Sartory strickt an seiner Legende

Hockey : Hans-Werner Sartory strickt an seiner Legende

Seit dem 26. Februar 1978 hat der Neusser insgesamt 1603 Hockeyspiele als Schiedsrichter geleitet. Und dabei geht er keiner Konfrontation aus dem Weg.

Nein, Hans-Werner Sartory ist kein bequemer Mensch. Sein beißender Spott ist in der Hockeyszene geradezu gefürchtet. Wer sich mit dem 54-Jährigen anlegt, muss auf das Echo gefasst sein. Allzu unsachliche Kritik an seiner Leistung als Schiedsrichter ("Was pfeifst Du denn da für einen Mist zusammen!") hebelt er gerne mal mit einem, "was spielst Du denn da für einen Mist zusammen", komplett aus — und bleibt dabei äußerlich kalt wie eine Hundeschnauze.

Und doch: Der Neusser strickt seit nunmehr 35 Jahren an seiner eigenen Legende. Dieser Mann ist Kult. Erst im Dezember bat ihn Olympiasieger, Welt- und Europameister Timo Weß, sein Abschiedsspiel vor 1000 Zuschauern in Köln zu leiten. Längst gilt unter Aktiven das ungeschriebene Gesetz: "Wenn der Sartory das so gepfiffen hat, wird das schon stimmen." Dabei, verrät er, "habe ich selber noch nie einen Hockeyschläger in der Hand gehabt ..."

Sein erstes Spiel, das Duell der Knaben A des HTC SW Neuss mit BW Köln am 26. Februar 1978, bestritt er als Aushilfe. Ein Schiedsrichter fehlte, und da sein inzwischen verstorbener Vater Hans Sartory über mehr als drei Jahrzehnte als Hausmeister in der Stadionhalle tätig war, "habe ich mich da eben oft rumgetrieben", erinnert er sich schmunzelnd.

Der bescheidene Beginn einer Erfolgsgeschichte. Mittlerweile blickt Hans-Werner Sartory auf 1603 Spiele zurück — davon hundert in der Bundesliga (1990 bis 1993). 1995 leitete er das A-Länderspiel zwischen Deutschland und Belgien, dazu kommen noch 29 internationale Einsätze bei den Junioren.

Es gibt sicher Schiedsrichter mit glänzenderen Karrieren — aktuell ist der seit fünf Jahren für den Crefelder HTC aktive Unparteiische nur noch in der Regionalliga im Einsatz ("In zwei Jahren höre ich auf.") —, aber nur ganz wenige genießen ein höheres Ansehen. Und das hat mit seinem ehrenamtlichen Engagement für den Nachwuchs zu tun.

Bereits seit Ende der 1990er-Jahre macht sich der Neusser, der sich daheim gemeinsam mit seiner aus dem Iran stammenden Frau Behnaz um den Yorkshire-Terrier Oskar, die Chiwawa-Hündin Venus sowie die beiden Nymphensittiche Felix und Bonito kümmert, um die Aus- und Weiterbildung des Schiedsrichter-Nachwuchses verdient. Von seinem angesammelten Wissen profitiert deutschlandweit eine stattliche Anzahl junger Kollegen, denen er mit Rat und Tat zur Seite steht. Als Mitglied ist er sowohl in der Jugend-Schiedsrichterkommission des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) als auch im Schiedsrichterausschuss des Westdeutschen Hockey-Verbandes (WHV) vertreten. Geschätzt sind zudem seine knallharten Analysen als Beobachter der Bundesliga-Schiedsrichter.

Dabei stellt er sich natürlich auch selbst der Kritik. "Der Schiedsrichter ist ja keine heilige Kuh", sagt er. Nicht umsonst mag er Akteure wie den streitbaren Patric Lunau-Mierke vom HTC SW Neuss. "Wer was kann, darf ruhig auch mal was sagen." Ein Mann mit Prinzipien, stets geradeaus. Seinem fast schon verklärten Ruf begegnet er im Übrigen mit Humor. Im Internet ist er mit der Facebook-Seite "Hw. Sartory Hockey Schiedsrichter Legende" vertreten. Ein echter Sartory.

(NGZ/rl)