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Hans-Joachim Muscat führt die Neusser Kegler schon seit 40 Jahren an.

Kegeln : Der ewige Vorsitzende bleibt in Bewegung

Hans-Joachim Muscat führt die Neusser Kegler jetzt schon seit 40 Jahren an. Dabei war er bei seiner Wahl 1980 eigentlich nur für zwölf Monate eingesprungen. Doch genug hat der bald 85-Jährige noch nicht.

Als Hans-Joachim Muscat an jenem schicksalhaften Abend 1980 die Gaststätte Bonk an der Venloer Straße auf der Neusser Furth betrat, ahnte er nicht, dass sich sein schon bis dahin alles andere als langweiliges Leben nur Minuten später noch mal grundlegend ändern sollte. Er kam direkt von seinem Arbeitsplatz bei der in Bonn ansässigen Deutschen Steinzeug AG, für die er bis zur Rente als Leiter für Personal- und Sozialwesen tätig war. „Ich war zu spät, dachte, vielleicht sind die mit der Jahreshauptversammlung schon durch.“

Doch es schien fast so, als hätten die Mitglieder nur auf ihn gewartet. Muscat erinnert sich noch gut an die Lage: „Wie so oft in einem großen Verein, haben sie Querulanten.“ Die Folge: Vorsitzender Gerd Baltes, der 1972 die Nachfolge des unvergessenen Johann Hegger (folgte 1953 auf Mitgründer Jean Geissler) angetreten hatte, lehnt die Wiederwahl ab, mit ihm trat fast die komplette Führungsriege zurück. Als er Muscat gewahr wurde, rief der international hochdekorierte Kegel-Bruder Toni Lambertz darum geradezu erleichtert: „Ach, da kommt der Hans, der kann das erstmal machen!“ Der damals 44-Jährige ließ sich trotz der zeitraubenden Pendelei zwischen Bonn und Neuss nicht lange bitten, krempelte die Ärmel hoch – allerdings mit einer Einschränkung: „Ich mache das wirklich nur für ein Jahr ...“ Inzwischen weiß er: „Das Jahr ist auch 2020 immer noch nicht vorbei. Wenn ich was mache, mache ich das eben ordentlich.“

Dass Muscat auch nach vier Jahrzehnten an der Spitze der Neusser Kegler mit fast 85 Jahren noch nicht ans Aufhören denkt, hat eine Menge mit seiner Geschichte und der seiner Familie zu tun. Eine Heimat zu finden, Wurzeln zu schlagen, das fiel den Muscats in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg unendlich schwer. Schlesien, Berlin, Helmstedt in Niedersachsen, Düsseldorf-Heerdt, Widdeshoven in Rommerskirchen – Stationen einer rastlosen Suche. „Bis ich in Neuss Fuß fassen konnte, gab es viele Ortswechsel“, sagt der „ewige“ Vorsitzende. Eine eher nüchterne Zustandsbeschreibung, die kaum zu verarbeitende Details ganz bewusst auslässt.

Aber die Erinnerung bleibt: An die Russen, die 1945 als Eroberer nach Berlin kamen: „schlimm, grausam.“ An die Wohnungsnot nach der Flucht ins Rheinland, wo der Vater Arbeit gefunden hatte. An das Gefühl, nicht willkommen zu sein. „Es ist nicht schön, immer wieder aufs Neue fremd zu sein.“

Darum hat er in Neuss früh damit angefangen, Kontakte aufzubauen, ein großes Netzwerk zu errichten. „Das hilft mir bis heute, sowohl beruflich und privat als auch in meinem Amt als Vorsitzender der Kegler.“ Sein innerer Motor steht niemals still. Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Gebrüder Hüttenes KG in Düsseldorf, parallel zum Job Abendstudium der Betriebswirtschaftslehre (BWL), dann der berufliche Wechsel nach Bonn: morgens 80 Kilometer hin, abends 80 Kilometer zurück. Ein Umzug mit Frau und Sohn und damit die so hart erkämpfte Heimat zu verlassen, kam nie infrage. Und trotzdem ist er stets beweglich geblieben, vor allem im Umgang mit anderen Menschen. Sein Credo: „Man muss auch mal die, die kritisieren, versuchen einzubinden. Ich habe immer ein gutes Händchen gehabt, Menschen zu integrieren.“

Genauso wichtig ist ihm freilich, auch körperlich agil zu sein. „Wer seine Motorik vernachlässigt, verliert an Lebenskraft.“ Darum nimmt er mit seinen Teamkollegen weiterhin am Ligaspielbetrieb teil, bringt pro Match bis zu 120 Kugeln auf die Bahn. „Ich fühle mich gesund und munter“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe noch nicht vor aufzuhören.“