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Handballvereine am Niederrhein betreiben einen regen Personalaustausch

Handball : Trotz Krise dreht sich das Wechselkarussel

Die Handballvereine am Niederrhein betreiben einen regen Personalaustausch. Reservoir ist der Nachwuchs des TSV Bayer Dormagen.

Aktuell ruht der Spielbetrieb, keiner weiß, wie es weitergeht – weder mit den Punktspielen für diese Saison noch mit den wirtschaftlichen Eckdaten für die kommende Spielzeit. Was die höherklassigen Handball-Klubs am Niederrhein nicht davon abhält, einen – zum Teil schon vor dem Anschwellen der Corona-Pandemie begonnenen – überaus regen Personalaustausch vorzunehmen.

Zum Reservoir dafür wird mehr und mehr die Nachwuchs-Abteilung des TSV Bayer Dormagen. Während der Zweitligist selbst seinen Talenten Fynn Johannmeyer – erhält ein Zweitspielrecht für Regionalliga-Spitzenreiter TuS Opladen – und Tim Mast einen bis 2022 gültigen Profi-Vertrag gegeben hat, zieht es gleich fünf Spieler aus der aktuellen beziehungsweise letztjährigen A-Jugend zu Nachbarklubs: Carlos Marquis, Matija Mircic und Nick Braun wechseln zu Zweitliga-Schlusslicht HSG Krefeld, wo sie gemeinsam mit dem im Februar gekommenen Sven Eberlein und dem seit 2018 dort spielenden KC Brüren eine starke Fraktion der Ex-Dormagener bilden.

Ähnlich sieht es beim TV Korschenbroich aus: Nach Linksaußen Lukas Bark schließt sich jetzt auch Rechtsaußen Marcus Neven dem Regionalligisten an, der dann mit ihnen, Dustin Franz, Justin Kauwetter und Torhüter Max Jäger ebenfalls über ein Quintett mit Dormagener Vergangenheit verfügt. Neven ist der dritte Neue beim TVK, nachdem bereits im Herbst Linkshänder Hendrik Schiffmann (HSG Krefeld) seine Rückkehr in die Waldsporthalle öffentlich machte. Vorerst nicht mehr dort spielen wird Tim Dicks, den es studienbedingt nach Salzburg zieht. Neben Hendrik Schiffmann verlassen zwei weitere Ex-Korschenbroicher die HSG Krefeld: Simon Ciupinski schließt sich der SG Ratingen, Max Zimmermann dem Longericher SC an.

Beim TSV Bayer Dormagen sehen sie die Auflösungserscheinungen im eigenen Nachwuchsbereich mit gemischten Gefühlen: „Wir sind nun mal ein Ausbildungsverein, da ist es normal, dass Spieler gehen,“ sagt Walter Haase aus dem Team der Sportlichen Leitung. Gleichwohl verhehlt er nicht, dass der Verein den einen oder anderen gerne gehalten hätte. „Einigen haben wir auch Angebote gemacht,“ sagt Haase. Was ihn stört, ist die mangelnde Geduld der jungen Spieler: „Der Sprung in die Zweite Bundesliga ist groß. Da muss ich auch mal ein Jahr abwarten können, in dem ich vielleicht nur in der Reserve spiele, aber bei jedem Zweitliga-Training dabei bin.“

Doch damit geben sich nur wenige zufrieden. Der ehemalige Bundesliga-Torhüter Joachim Kurth, der ebenso wie Walter Haase und Tobias Plaz dem Sportlichen Leitungsteam des TSV Bayer angehört, vermutet hinter dieser Ungeduld noch eine weitere Ursache: „Fast alle, die heute in der A-Jugend-Bundesliga spielen, haben doch schon einen Spielerberater.“ Und die sind meistens eher an einem Vereinswechsel als an einer kontinuierlichen Weiterentwicklung ihrer Klienten interessiert.