Handball : Auch Niederlagen können Mut machen

Spielerisch war Dormagen nicht schwächer als Top-Favorit Lübbecke, doch beim 21:29 haperts an derTorausbeute.

Immer, wenn er gebraucht wurde, war Dener JaanImaa zur Stelle. Der Este, der schon beim THW Kiel und MT Melsungen gespielt hat und dem Vernehmen nach im Monat mehr verdient als der halbe Kader des TSV Bayer Dormagen zusammen, agierte bei seinem Zweitliga-Debüt im Dress des TuS N-Lübbecke eher unauffällig. Doch wenn es eng zu werden drohte, riss der 29-Jährige die Initiative an sich – und setzte mit seinen Treffern zum 18:14 (39.) und 21:17 (43.) die entscheidenden Nadelstiche, die dem Aufsteiger schließlich die nicht unerwartete, mit 21:29 (Halbzeit 10:15) aber um ein paar Tore zu hoch ausgefallene erste Niederlage in der neuen Umgebung bescherten.

Es werden weitere folgen in den 39 Partien bis zum 8. Juni. Doch in den wenigsten davon werden die Dormagener auf eine individuell so stark besetzte Truppe wie die des Erstliga-Absteigers und Favoriten auf den direkten Wiederaufstieg treffen. Und es war jene individuelle Klasse eines Jaanimaa, eines gleichfalls aus der Ersten Liga (TVB Stuttgart) nach Nettelstedt gewechselten Marian Orlowski, mit 8/4 Treffern erfolgreichster Werfer der Gäste, an der die Dormagener letztlich scheiterten.

Und an Joel Birlehm zwischen den Torpfosten. Der 21-Jährige, der fünf Jahre in der Jugend von GWD Minden mit Bayer-Rechtsaußen Tim Wieling zusammen gespielt hatte, stand am Ende mit 14 Paraden auf dem Spielbericht. Zwölf davon gegen mehr oder weniger frei vor ihm auftauchende Dormagener Angreifer. „Wenn du zwölf freie Würfe vergibst, kannst du nicht gewinnen,“ stellte Jörg Bohrmann unwidersprochen fest. Der Ex-Trainer, der den TSV Bayer vor vier Jahren in die Zweite Liga und dort in der ersten Saison zum Klassenerhalt geführt hatte, meinte das nicht böse. Im Gegenteil. „Das müssen die Jungs einfach noch lernen,“ sagt Bohrmann, „spielerisch waren die doch sogar besser als Nettelstedt. Die Mannschaft hat auf jeden Fall viel Potenzial.“

Das ließen die Hausherren vor allem im ersten Durchgang erkennen, als sie die Partie vor 1217 Zuschauern zwanzig Minuten lang vollkommen ausgeglichen gestalteten, als insbesondere der Portugiese Nuno Rebelo Akzente setzte (und Tore warf), wie man sie auf der Position im rechten Rückraum lange nicht mehr gesehen hat im Bayer-Sportcenter. Dass der Erstliga-Absteiger dann aus einem 10:9 binnen sechs Minuten einen 15:10-Pausenvorsprung machte, hatte er Joel Birlehm zu verdanken, der gleich vier Mal gegen Joshua Reuland rettete. „Wir haben zu viele Chancen vergeben, vor allem ich, aber auch vom Kreis,“ bekannte der aus Longerich gekommene neue Linksaußen freimütig.

In den Augen von Ulli Kriebel war „Joel Birlehm deshalb auch der Matchwinner.“ Ansonsten war der Dormagener Trainer gar nicht so unzufrieden mit dem ersten Zweitliga-Punktspiel unter seiner Regie. „Natürlich war der Sieg verdient, aber wenn wir unsere Chancen besser genutzt hätten, wäre er nicht so deutlich ausgefallen.“ Wobei er das Handikap, dass in den angeschlagenen Lukas Stutzke, Heider Thomas und Daniel Eggert eine komplette Rückraumbesatzung auf Bank oder Tribüne saß, nicht einmal erwähnte. Der Einsatz des ein oder anderen hätte durchaus hilfreich sein können, denn mit zunehmender Spieldauer machte sich beim verbliebenen Rückraum-Quartett (Nuno Rebelo, Ian Hüter, Benjamin Richer, Eloy Morante Maldonado) eine gewisse Müdigkeit bemerkbar.

(L-R) ,waehrend des 2. Liga Handballspiels zwischen TSV Bayer Dormagen und TuS N-Luebbecke (21:29) im TSV Bayer Sportcenter in Dormagen, am 24. August 2018. Heinz J. Zaunbrecher. Foto: Heinz J. Zaunbrecher

Was auch daran lag, dass Kriebel nach der Pause offensiver decken ließ und die Gäste damit phasenweise in Bedrängnis brachte. Doch immer, wenn der TSV auf drei Tore herangekommen war (14:17, 38.; 17:20, 42.), packten die ihre individuelle Klasse aus. „Am Ende hätten wir fast noch höher gewinnen können,“ bilanzierte Trainer Aaron Ziercke, befand aber auch: „Für die Dormagener kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Die haben teilweise den Ball sehr schön laufen lassen.“ Dumm nur, dass es dafür keine Punkte gibt. Doch auch wenn es abgedroschen klingt: Die Auftaktniederlage macht Mut, dass davon bald die ersten aufs Konto kommen.

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