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Handball: TSV Bayer Dormagen verspielt in nur fünf Minuten Heimsieg

Handball : TSV verspielt in nur fünf Minuten den Heimsieg

Die Handballer des Zweitligisten TSV Bayer Dormagen bleiben in der Ostermann-Arena ungeschlagen. Freude kam nach dem 30:30 gegen das Kellerkind TV Emsdetten aber keine auf.

Schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff am Samstag im Ausweichquartier Leverkusen stand für Dusko Bilanovic das Abendprogramm fest. „Das Spiel muss ich mir zu Hause direkt noch mal angucken, vor allem die letzten fünf Minuten.“ Dass – und ganz besonders wie – seine Schützlinge gegen den Tabellenvorletzten TV Emsdetten das Kunststück fertigbrachten, in der Schlussphase einen komfortablen Fünf-Tore-Vorsprung noch zu verspielen, fand der Trainer des TSV Bayer Dormagen nämlich einfach „nur zum Kotzen!“

Dabei hatte die Partie in der Ostermann-Arena für die Gastgeber federleicht begonnen: Ballgewinne in der Abwehr münzten Ian Hüter, Aron Seesing (2) und Benni Richter Rucki Zucki in eine 4:0-Führung um. Bereits nach 1:55 Minute (!) sah sich Gästecoach Peter Portengen, der beim Liga-Dino Anfang Januar auf Aaron Ziercke gefolgt war, dazu genötigt, seine erste Auszeit zu nehmen. „Wir haben uns total verschlafen“, sagte der Niederländer und fügte hinzu: „Ich bin jetzt so lange dabei, aber so etwas habe ich noch nie mitgemacht.“ Was die Angelegenheit noch schwerer zu fassen machte: Auch in die zweite Hälfte starteten die Münsterländer mit einem 0:4-Lauf – diesmal erhöhten für Dormagen Treffer von Benni Richter (2), Aron Seesing und Ante Grbavac die 17:15-Führung zur Pause sogar auf 21:15 (36.). Ein Vorsprung, der bis zur 55. Minute stabil blieb, näher als drei Tore (21:24/49. und 22:25/50.) kam der TV Emsdetten nicht heran.

  • In überragender Form: Benni Richter.
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  • Benjamin Richter traf sechsmal für Dormagen.
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  • Doppelt gefordert: Kreisläufer Aron Seesing.
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Das lag daran, dass sich die wieder stark ersatzgeschwächt angetretenen Hausherren, bei denen der am Sprunggelenk verletzte Kapitän Patrick Hüter nur in der Abwehr aufzulaufen vermochte, bis dahin neben Ian Hüter (am Ende 5 Tore), Benni Richter (9 Tore, 3/3 Siebenmeter) und Ante Grbavac (4) auch auf junge Akteure wie Aron Seesing (4), Moritz Görgen (2) und Lucas Rehfus (1) verlassen konnten. „Aber wir mussten in der Abwehr auch sehr, sehr hart arbeiten“, stellte Bilanovic fest. Das machte sich dann im Finale negativ bemerkbar. Portengen, der mit den Kräften seiner Jungs durch viele Wechsel klug gehaushaltet hatte, stellte für die letzten fünf Minuten um: In der Abwehr ließ er Robin Jansen auf vorgezogenem Posten verteidigen, im Angriff setzte er auf Kosten des Torhüters konsequent auf den siebten Feldspieler. Dass seine Mannen damit überhaupt nicht klar kamen, ärgerte Bilanovic sehr. Er machte seine Kritik vor allem an den erfahrenen Akteuren fest. „Da fehlte es am nötigen Mut.“ Und wahrscheinlich auch an Kraft. Besonders der in Angriff und Abwehr in Dauerschleife geforderte Ian Hüter wirkte physisch und psychisch platt, versuchte aber, weil Richter nach längerem Aufenthalt auf der Bank seinen Touch verloren hatte, und es Grbavac zunehmend an Orientierung fehlte, die Partie mit Gewalt zu entscheiden. Das ging schief. Und Bilanovic, der in Minute 58:46 beim Spielstand von 30:28 seine letzte Auszeit nahm, fragte angefressen: „Was willst du machen, wenn klare Ansagen, was wir spielen wollen, nicht eingehalten werden?“

Während bei den nun ständig vom Zeitspiel bedrohten Dormagenern vorne gar nicht mehr ging, traf Emsdetten fast nach Belieben, bei ihren Treffern bis zum 29:30 stießen Sven Wesseling (2), Tomas Urban und Dirk Holzner auf erschreckend wenig Widerstand. Auch die Torleute – schon in der 19. Minute hatte Christian Ole Simonsen Routinier Sven Bartmann ersetzt – bekamen keinen Ball zu fassen. „Das war zu wenig“, monierte der Coach. Als Ian Hüter 17 Sekunden vor Schluss abermals in Konstantin Madert seinen Meister fand, holten sich die Gäste den verdienten Lohn ab. Mit noch fünf Sekunden auf der Spieluhr glich der dabei nur höchst unzureichend gestörte Holzner aus. Damit gehörte das letzte Wort dem siegreichen Trainer. Portengen: „Das ist das erste Mal, das wir ein bisschen glücklich einen Punkt geholt haben.“