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Handball: TSV Bayer Dormagen trotzt dem VfL Gummersbach 24:24-Remis ab

Handball : Kämpferherz trotzt individueller Klasse

Das Topspiel der 2. Handball-Bundesliga zum Jahresabschluss gerät zum Festakt. Im Mittelrhein-Derby gegen Gummersbach erkämpft sich Bayer Dormagen mit dem 24:24 einen nie und nimmer erwarteten Punkt.

Die Handballer des TSV Bayer Dormagen legen wegen der Weltmeisterschaft in Ägypten eine Pause ein. Weiter geht es für die Schützlinge von Trainer Dusko Bilanovic in der 2. Bundesliga erst am 7. Februar mit der Partie bei den Rimpar Wölfen. Und weil das angesichts der herausragenden Form von Kapitän Patrick Hüter & Co. ausgesprochen schade ist, an dieser Stelle ein Tipp. Wer sich die Wartezeit versüßen will, dem sei im Livestream auf Sportdeutschland.TV eine Szene aus dem aufregenden Spiel am Tag vor Silvester gegen den VfL Gummersbach ans Herz gelegt: In der 47. Minute zwirbelte der von seinem Keeper Martin Juzbasic mit einem (zu) weiten Pass bediente Linksaußen Joshua Reuland den Ball aus (zu) spitzem Winkel irgendwie zum 18:20 ins Tor. Handball als Kunstform. Da hob selbst Gummersbachs überragender Torhüter Matthias Puhle anerkennend den Daumen.

Diese Partie, in der die Gastgeber dem personell prächtig besetzten und mit einer Serie von 18:0 Punkten angetretenen Aufstiegskandidaten vollkommen verdient ein 24:24-Unentschieden (Halbzeit 12:13) abtrotzten, hätte das in Vor-Corona-Zeiten sicher ausverkaufte TSV Bayer Sportcenter in einen brodelnden Hexenkessel verwandelt. „Die Jungs haben in der Abwehr gekämpft wie die Tiere“, stellte Bilanovic emotional angepackt fest. Sein Kollege Gudjon Valur Sigurdsson, ganz nordischer Kühlschrank, kam zwar wesentlich nüchterner rüber, zollte dem Auftritt des Außenseiters jedoch den verdienten Respekt: „Wir haben gegen eine sehr gute Mannschaft gespielt. Dormagen hat uns vor schwierige Aufgaben gestellt, darum bin ich mit diesem Punkt zufrieden.“

Geradezu bewundernswert, wie dem nun seit vier Partien ungeschlagenen TSV die Parole des Trainers, „schnelle Beine, kühler Kopf“, in Herz und Blut übergegangen ist. Denn Rückschläge gab es wieder mal genug: So scheiterten Joshua Reuland (2) und Benni Richter schon vor dem Seitenwechsel mit Siebenmetern an Puhle. Ab der 25. Minute (10:10) – kurz zuvor hatte der nur bei Siebenmetern eingesetzte Raul Santos die Gäste erstmals in Führung gebracht (9:8/19.) – liefen die Dormagener fast ständig einem Rückstand hinterher, ließen beim 15:16 (38.), 19:20 (50.) und 21:22 (54.) gute Chancen zum Ausgleich verstreichen. So etwas rächt sich meist, zumal auch das Glück aufseiten der Oberbergischen schien. Als beim Spielstand von 21:22 (53.) nach einer Parade von Martin Juzbasic (53.) der ins Feld zurückspringende Ball wieder mal in den Händen des Gegners landete, machte Bilanovic seiner Verzweiflung lautstark Luft. „Ihr habt so ein Glück“, schrie er in Richtung Gummersbacher Bank.

Doch obwohl der Coach über 60 Minuten hinweg neben Juzbasic im Kasten fast ausschließlich auf Ian Hüter, André Meuser und den gesundheitlich angeschlagenen Alexander Senden im Rückraum, Patrick Hüter am Kreis sowie Reuland und Jakub Sterba auf den Außenpositionen baute („In einem Spiel, in dem es am Ende um einen Ball geht, darfst du keine Experimente machen.“), drehten die Dormagener, die schon mit 16:19 (44.) ins Hintertreffen geraten waren, das Duell in der Schlussphase. „Dass wir die letzten fünf Minuten mit 3:1 gewonnen haben, zeigt, dass die Mannschaft fit ist“, bilanzierte Bilanovic zufrieden.

Hätte Sterba in Überzahl zum 24:23 (58.) getroffen, wäre sogar der Sieg drin gewesen. Stattdessen brachte Alexander Hermann Gummersbach wieder in Front, womit Dormagen nach einer Auszeit noch 29 Sekunden für einen letzten Angriff blieben. Den Ballbesitz krönt der überragende Patrick Hüter, dem Bilanovic im siebten Feldspieler Toni Juric einen zweiten Kreisläufer an die Seite gestellt hatte, mit dem Treffer zum 24:24. Der Captain verriet kurz darauf das Erfolgsrezept: „Kämpfen! Kämpfen! Kämpfen! Und in der Abwehr gut stehen – mit einem guten Torhüter.“ 

Mit Blick auf seinen als als Co-Trainer beim HSV Hamburg beschäftigten Freund Blazenko Lackovic stellte Bilanovic schmunzelnd fest: „Wir haben die Meisterschaft wieder spannend gemacht.“

Dormagen: Juzbasic (11 Paraden), Baranasic (n.e.); Reuland (2), Seesing, Senden (5), Meuser (6), Juric (1), Richter (2/1), Rehfus (n.e.), I. Hüter (1), Reimer (n.e.), Noll, P. Hüter (6), Johannmeyer (n.e.), Sterba (1)

Gummersbach: Puhle (14 Paraden), Valerio (n.e.); Schröter (3), Fanger, Vidarsson (6), Blohme (2), Kontrec (2), Häseler (n.e.), Hermann (3), Schneider (3), Meinhardt (2), Santos (3/3), Kiesler, Haller (n.e.), Stüber (n.e.), Bozovic (n.e.)

Schiedsrichter: Bona/Frank

Zeitstrafen: 8:14 Minuten

Siebenmeter: 1/4:3/5 (Puhle hält zweimal gegen Reuland und gegen Richter - Blohme und Santos scheitern an Juzbasic)