Handball Spitzenspiel der A-Jugend-Bundesliga beim TSV Bayer Dormagen

Handball : Ein Spiel mit hohem Promi-Faktor

Im Spitzenspiel der A-Jugend-Bundesliga treffen Dormagener Nachwuchs-Handballer auf den spanischen Königsenkel Pablo Urdangarin.

Es geht um die Tabellenführung in der A-Jugend-Bundesliga Gruppe West. Und angesichts der Dominanz, mit der der  TSV Bayer Dormagen und TSV Hannover-Burgdorf den Rest der Liga beherrschen, geht es am Sonntagnachmittag – Anwurf ist um 15 Uhr – im Bayer-Sportcenter wohl schon um den Meistertitel.

Schließlich beträgt der Abstand der beiden verlustpunktgleichen Spitzenreiter zu den Nächstplatzierten bereits fünf Zähler. Beide haben erst eine Niederlage kassiert in dieser Saison: Dormagen etwas überraschend mit 28:33 gegen die HSG Lemgo, Hannover-Burgdorf mit 35:38 im Hinspiel gegen den TSV Bayer. „Ich weiß nicht, ob wir den Coup wiederholen können,“ sagt TSV-Trainer Jamal Naji, „aber wir sind voller Vorfreude und stolz darauf, dass wir nach dem Verlauf der Saison dieses Spitzenspiel bestreiten können.“

Dabei denkt er an die vielen Verletzungsprobleme, die ihn und seine Schützlinge in den vergangenen Monaten plagten. Von Bestbesetzung konnte bei den Dormagenern nicht einmal die Rede sein, am Sonntag fehlen weiterhin Tim Mast und Carlos Marquis, die sich im Aufbautraining befinden, das Mitwirken von Alexander Koch ist fraglich.

Nicht nur deshalb sieht Naji in den Niedersachsen „die individuell beste Mannschaft in unserer Staffel.“ Das gilt vor allem für die Abwehr, schließlich hat Burgdorf mit 324 Treffern in zwölf Spielen (im Schnitt 27 pro Partie) die mit Abstand wenigsten Gegentreffer kassiert. Zum Vergleich: Bei Dormagen sind es 354 in 13 Spielen (im Schnitt 27,2), nächstbester ist die JSG Nettelstedt mit einem Schnitt von 28,4. „Die Abwehr kann aus der 6:0-Variante abhängig von den Auftakthandlungen des Gegners in sämtliche Alternativen switchen,“ sagt Naji über die Stärken des Gegners, „die Deckung ist nicht einfach zu knacken, allerdings haben wir ein paar Lösungen gefunden, hoffe ich.“

Immerhin stellen die Dormagener mit 449 eigenen Treffern in ihren bisherigen 13 Spielen den torhungrigsten Angriff der Liga, allerdings kommen die Gäste bei einem Spiel weniger auf den gleichen Schnitt von 34,5. Und sie haben in Veit Mävers (bisher 124 Saisontreffer) den besten Werfer der Liga in ihren Reihen. Der 18-Jährige hat ebenso wie der noch ein Jahr jüngere Martin Hanne bereits Einsätze in Hannovers Erstliga-Team hinter sich – Hamme ließ dabei Mitte Dezember bei der 23:29-Niederlage der „Recken“ bei den Rhein-Neckar Löwen mit fünf Toren aufhorchen. Kein Wunder, dass die Niedersachsen als einer von sieben Erstligisten das Jugendzertifikat der Handball-Bundesliga (HBL) „mit Sternchen“ erhalten haben. Was die Dormagener Gäste neben ihrer sportlichen Stärke so besonders macht, ist der hohe „Promi-Faktor“, den sie am Sonntag mit an den Höhenberg bringen. Trainer Iker Romero (38) bestritt 200 Länderspiele für Spanien, wurde 2005 Weltmeister, ein Jahr später Vize-Europameister und gewann Bronze bei den Olympischen Spielen 2008 und der WM 2011. Im gleichen Jahr wechselte er vom FC Barcelona, mit dem er zwei Mal die Champions League gewann, in die Bundesliga zu den Füchsen Berlin.

In Berlin beendete Romero, der mit Ex-Nationalspielerin Laura Steinbach verheiratet ist, im Juni 2015 seine Karriere, heuerte zwei Jahre später in Hannover an, wo er nicht nur für die A-Jugend verantwortlich, sondern gleichzeitig auch Co-Trainer seines Landsmanns Carlos Ortega bei den „Recken“ (unter anderem mit den Ex-Dormagener Torge Johannsen und Fabian Böhm) ist.

Vielleicht vom Namen her noch prominenter ist sein Schützling Pablo Urdangarin. Der 18-Jährige ist der Neffe des spanischen Königs Felipe und somit Enkel des legendären Juan Carlos.

Doch bangemachen gilt nicht: „Es wird auf jeden Fall schwer, ist aber nicht unmöglich,“ sagt Jamal Naji über die Siegchancen seines Teams. Wobei die Dormagener den Vorteil haben, nach der WM-Pause schon wieder um Punkte gespielt – und mit 32:26 bei Eintracht Hagen gewonnen zu haben. Hannovers letzte Partie (32:26 bei Eintracht Hildesheim) liegt bereits siebeneinhalb Wochen zurück.

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