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Handball: Neusser HV feiert mitreißendes Comeback

Handball : Neusser HV feiert mitreißendes Comeback

Der Handball-Regionalligist krönt in der Stadionhalle strahlenden Saisonauftakt mit einem 23:22-Heimsieg über den favorisierten OSC Rheinhausen.

Der Neusser HV ist wieder da! Dass der Handball in Neuss nach zwei Bruchlandungen der unsäglichen Rhein Vikings, dem daraus resultierenden Absturz von der 2. Bundes- in die Regionalliga Nordrhein, der Corona-Krise und dem damit verbundenen Verlust der kurzerhand zum Impfzentrum umfunktionierten Hammfeldhalle tatsächlich noch mal die Kurve kriegen könnte, „daran hatte außer uns doch niemand mehr geglaubt“, stellte der offensichtlich mit einem besonders dicken Fell ausgestattete Vorsitzende Martin Eggert genüsslich fest. Umso breiter fiel sein Grinsen nach dem überraschenden 23:22-Heimsieg (Halbzeit 11:12) über den sogar als Aufstiegsaspiranten gehandelten OSC Rheinhausen aus.

Das Beste daran: Wie die junge Mannschaft, für die der ebenfalls gerade mal 31 Jahre alte Trainer Gilbert Lansen ein Durchschnittsalter von knapp 22 Jahren ermittelt hat, im erstaunlich gut gefüllten Übergangsquartier Stadionhalle auftrat, erinnerte schon ein bisschen an 2013, als der NHV noch mit vorwiegend „Nüsser Jungs“ in die 3. Liga aufstieg. „Bei uns gibt es keine Legionäre mehr“, bestätigte Eggert stolz. Wie es um den Zusammenhalt in der Truppe bestellt ist, zeigt sich an einem Akteur, der gar nicht mehr dem Kader angehört: David Jurisic trägt seit dieser Saison zwar das Trikot des Zweitligisten VfL Eintracht Hagen, schien während der Partie gegen Rheinhausen aber, direkt hinter der Bank postiert, ein vollwertiges Mitglied des Teams zu sein. Die von diesem Geist gespeiste Wucht blieb auch Olaf Mast, seit Juni 2020 Sportlicher Leiter des OSC, nicht verborgen. Der in der Bundesliga für Rheinhausen, den THW Kiel und Bayer Dormagen aktive und seit Jahren in Stürzelberg wohnende Referent für Kundenkommunikation bei der Stadtsparkasse Düsseldorf, bilanzierte trocken: „Verdienter Sieg der Neusser. Keine Schwächephase und hinten immer am Limit.“

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An der torarmen, aber bis zur letzten Sekunden von beiden Mannschaften mit höchster Intensität geführten Partie hatte Lansen nur wenig auszusetzen. Im Grunde nur, „dass es uns nicht gelungen ist, uns mal auf drei, vier Tore abzusetzen.“ Gestützt auf den bärenstarken Paul Dreyer im Tor, der seinem in der vergangenen Saison noch an den VfL Gummersbach gebundenen Gegenüber Matthias Puhle in nichts nachstand, lagen die Hausherren, die nach einem Foul an Max Molsner mit „Rot“ früh (21.) den in der Abwehr ungemein wertvollen Kreisläufer Eric Böhnke verloren, beim 2:0 (2.), 4:2 (12.), 14:12 (34.), 15:13 (35.), 20:18 (49.) und 21:19 (51.) mit zwei Treffern vorne – und mussten doch um den verdienten Lohn ihrer Arbeit fürchten, als Aaron Rothkopf 1:44 Minute vor Schluss eine umstrittene Zeitstrafe kassierte. Zu allem Überfluss scheiterte Sebastian Barentzen, der in der 55. Minute noch nervenstark einen Siebenmeter zum 23:22 verwandelt hatte, mit einem überhasteten Wurf an Puhle. Damit blieben den Gästen nach einer Auszeit noch 32 Sekunden für eine letzte Attacke. Doch die Neusser Abwehr hielt.

Obwohl der aus Korschenbroich gekommene Tim Dicks und der abgezockte Rechtsaußen Tim Schriddels (5/5 Würfe) mit je fünf Treffern die erfolgreichsten Torschützen in seiner Mannschaft waren, verzichtete Lansen auf Einzelkritik. Stattdessen resümierte er strahlend: „Wir haben ein Ausrufezeichen gesetzt.“

Neusser HV: Dreyer, Schroif: Kurth (1), Menze (1), Schriddels (5), Rosendahl, Klause (2), Barentzen (2/2), Jennes (3), Ingenpass (3), Dicks (5), Küpper, Böhnke (1), Rothkopf
OSC Rheinhausen: Puhle; Schwarz, Enders, Y. Kamp (4), Krumschmidt (2), Kryzun (2/2), Ranftler (6), F. Molsner, M. Molsner (3), Rennings (4), Brakelmann (1)