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Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen über die Lage beim TSV Bayer Dormagen

Handball-Zweitligist TSV Bayer Dormagen : Björn Barthel: „Wir kommen mit einem kleinen Schaden davon“

Der Handball-Geschäftsführer des TSV Bayer Dormagen über die Lage bei dem Zweitligisten nach dem ersten Geisterspiel. Das ging gegen den TuS N-Lübbecke 25:25 aus.

Bayers Handball-Geschäftsführer Björn Barthel wüsste nicht, dass es schon mal ein Pflichtspiel am Höhenberg ohne Zuschauer gegeben hat. Die Corona-bedingte Geisterspiel-Premiere am Samstagabend haben die Dormagener allerdings gut bewältigt, gegen den favorisierten TuS N-Lübbecke erkämpften sie sich ein verdientes 25:25. Die neuen Voraussetzungen auch für den Spielbetrieb in der 2. Bundesliga nahm unsere Redaktion zum Anlass, um mit Barthel über die wirtschaftlichen und sportlichen Konsequenzen für den Dormagener Profi-Handball zu sprechen. Er hatte sich schon vor Saisonbeginn als Begründer der Initiative Team-Sport-NRW und als Vertreter der Erst- und Zweitliga-Handballklubs aus NRW stark für die Rückkehr von Zuschauern in die Hallen eingesetzt.

Herr Barthel, wie haben Sie das erste Geisterspiel im TSV-Bayer-Sportcenter erlebt?

Barthel Auf dem Weg zur Halle keine Menschen zu sehen, war schon bedrückend, so dass man fast schon hätte heulen können. In der Halle dann die leeren Ränge zu erleben, während auf dem Feld gespielt wurde, war beklemmend und traurig.

Die Rückkehr von Zuschauern war schon vor der Saison ein großes Anliegen von Ihnen. Wie sehr schmerzt Sie die aktuelle Situation?

Barthel Ich sehe das zweigeteilt. In erster Linie müssen wir die Situation akzeptieren. Es ist ein Privileg für uns, dass wir den Sport als unseren Job weiter betreiben dürfen und nicht wie in anderen Bereichen alles komplett runtergefahren wird. Ohne Spielbetrieb wäre es viel schlimmer. Jedes Spiel, das stattfinden kann, hilft uns. Auf der anderen Seite tut es mir für unsere Fans, Partner und Sponsoren leid. Schließlich kommen die gerne zu uns. Wir wissen aber, dass viele im Geiste bei uns sind und uns die Daumen drücken. Auch das hilft uns.

Die Zuschauereinnahmen machen einen wichtigen Teil des Budgets aus. Wie lange stehen die TSV-Handballer aus wirtschaftlicher Sicht denn ganz ohne Publikum durch?

Barthel Wir gehören zu den Vereinen, die in den letzten Jahren vernünftig gewirtschaftet haben. Für uns ist ganz wichtig, dass uns viele Sponsoren und Dauerkarteninhaber die Treue gehalten haben. Und ich hoffe natürlich, dass das so bleibt, denn diese Hoffnung versetzt uns in die Lage, einigermaßen planen zu können. Würden Dauerkarteninhaber in größerem Umfang Regressforderungen stellen und sich Sponsoren zurückziehen, würden wir ein Problem bekommen. Verändert sich die Lage nicht, ist die Budgetplanung so, dass wir bis zum 30. Juni 2021 verhältnismäßig gut überstehen. Dann wird es nicht existenzbedrohend und wir kommen mit einem kleinen Schaden davon.

Gibt es denn Ideen, wie Dauerkartenbesitzer und Sponsoren weiter bei der Stange gehalten werden können?

Barthel Wir machen uns gerade Gedanken, wie ein Treuegeschenk für Käufer von Dauerkarten aussehen könnte. Schließlich werden auf jeden Fall die drei Heimspiele im November ohne Zuschauer stattfinden. Zudem wollen wir Sponsoren, die bislang nur eine Plattform in der Halle haben und deswegen aktuell nicht wahrgenommen werden, andere Möglichkeiten bieten, sich zu präsentieren. Etwa im Live-Stream, über Bandenwerbung oder Social Media.

Müssen auch die Spieler mit Einbußen rechnen?

Barthel Bis September hat uns geholfen, dass die Spieler in Kurzarbeit waren. Aber wir sind permanent im Gespräch, auch sie werden ihren Teil dazu beitragen, dass wir gut durch die Krise kommen.

Der Bund hat ein Hilfspaket für den Profisport aufgelegt. Wie kann der TSV davon profitieren?

Barthel Wir haben festgestellt, dass wir antragsberechtigt sind und haben vergangene Woche auch einen Antrag gestellt. Wenn das Geld kommt, können wir damit fehlende Einnahmen ausgleichen. Allerdings muss man berücksichtigen, dass unsere Ausgaben durch die Umsetzung des Hygienekonzepts und der wöchentlich zweimal stattfindenden Corona-Tests auch deutlich gestiegen sind. Ob wir die volle Summe zur Verfügung haben, hängt auch davon ab, ob das Szenario, so wie wir es im Antrag zugrunde gelegt haben, eintritt. Das wird am Ende des Jahres überprüft.

Wegen der schweren Verletzung von Julian Köster haben Sie über die Verpflichtung eines weiteren Spielers nachgedacht. Wie sieht es da aus?

Barthel Vor vier Wochen war noch alles anders, das ist kein Thema mehr. Da hat uns die Aktualität überholt. Die Mannschaft hat aber auch gezeigt, dass wir Vertrauen in den Kader haben können. Zudem haben wir dank unserer hervorragenden Nachwuchsarbeit einige talentierte Spieler, auf die wir noch zurückgreifen könnten. Solange es keine weiteren schweren und langwierigen Verletzungen gibt, werden wir keinen neuen Spieler verpflichten.

Wie fällt ihre sportliche Bilanz für den TSV bislang aus?

Barthel So ein Auftritt wie zum Saisonstart bei der Niederlage gegen Aufsteiger Dessau kann nach einer so langen Zeit ohne Pflichtspiel passieren. Zumal Dessau als aktueller Tabellenführer auch seine Stärke in weiteren Spielen unter Beweis gestellt hat. Wichtig war unsere Reaktion beim Sieg in Bietigheim. Die war stark. Nettelstedt war dann unser bislang stärkster Gegner, gegen den haben wir ein Remis erkämpft. Mit 3:3-Punkten ist uns ein passabler Saisonstart gelungen. Wichtig ist jetzt, dass wir in Rhythmus bleiben. Deswegen haben wir das Nachholspiel gegen Ferndorf auch auf den nächsten Samstag gelegt.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Saisonverlauf der 2. Liga?

Barthel Auffällig ist, dass es mehr Auswärtssiege gibt als gewöhnlich. Wenn es eng wird, fehlt einfach das Publikum. Genauso wie in den Situationen, in denen es nicht so gut läuft und das Publikum die eigene Mannschaft pushen kann. Es gab schon einige Überraschungen und davon wird es ganz sicher noch weitere geben.

Dem TSV war gegen Nettelstedt aber nichts davon anzumerken, dass ihm das Publikum fehlte.

Barthel Es wird darauf ankommen, dass Drumherum möglichst auszublenden. Das Spiel hat wieder gezeigt, dass wir eine intakte und charakterlich starke Mannschaft haben. Sie hat sich weiterentwickelt und ist gereift. Wie sie mit der Situation umgeht, macht mich ein Stück weit stolz.