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Handball: Daniel Pankofer kehrt mit Lübeck in seine Wahlheimat zurück

Handball : Ein Hauch von Ostseeluft am Rhein

Das Spiel des VfL Lübeck-Schwartau am Mittwoch in Dormagen ist für Daniel Pankofer und Carl Löfström eine Rückkehr in die eigene Vergangenheit.

Das Buddenbrookhaus, die malerischen Gassen der Altstadt, der Museumshafen, das extraordinaire Rathaus von 1308, das Burgkloster, das Café Niederegger mit seinem kleinen Marzipanmuseum, natürlich das Holstentor und nicht zu vergessen das Seebad Travemünde – Lübeck, die Hansestadt im Norden Deutschlands, ist, wenn die Corona-Krise irgendwann überwunden ist, definitiv eine Reise wert. Für Daniel Pankofer ist sie vor allem Arbeitsplatz, denn seit fast genau einem Jahr führt er dort hauptamtlich die Geschäfte des Handball-Zweitligisten VfL Lübeck-Schwartau.

Und das sogar ziemlich erfolgreich: Das Zwischenzeugnis weist die von ihm und Trainer Piotr Przybecki zusammengestellte Mannschaft nach elf Spielen mit 14:8 Punkten als Tabellenvierte aus. Der seit Samstag 40-Jährige darf deshalb mit berechtigtem Stolz feststellen: „Alle Neuzugänge sind eingeschlagen. Wir haben wieder eine sehr homogene Truppe.“

Der gebürtige Nürnberger fühlt sich wohl an der Ostsee, wo er von 2014 bis 2016 noch als Spieler am Ball war. Das habe, versichert der mit einem Master-Abschluss ausgestattete Wirtschaftswissenschaftler, auch für seine durchaus turbulente Zeit am Rhein gegolten: Nach der Saison 2015/2016 war er zum damaligen Drittligisten Neusser HV gewechselt, stieg unter Coach Ceven Klatt 2017 in die 2. Bundesliga auf. Nach dem Ende seiner Karriere im Frühsommer 2018 stieg er bei den Rhein Vikings (Spielgemeinschaft des Neusser HV mit der HSG ART Düsseldorf) als Geschäftsführer ein, führte die Spielbetriebs GmbH durch die erste Insolvenz und packte im November 2019 seine Koffer, um den Job in Lübeck anzunehmen.

 Daniel Pankofer war Spieler und Geschäftsführer der Vikings.
Daniel Pankofer war Spieler und Geschäftsführer der Vikings. Foto: Falk Janning

„Mit einem weinenden Auge“, sagt er. Denn obwohl die Vikings auch in der 3. Liga schon wieder in argen finanziellen Nöten steckten (nach dem zweiten Insolvenzantrag im Januar 2020 war dann endgültig Schluss), sei die Mannschaft („Und nur um die ging es mir immer.“) auf einem guten Weg gewesen, lag nach elf Spieltagen auf Tabellenplatz sechs mit nur zwei Punkten Rückstand auf Mit-Absteiger Eintracht Hagen auf Rang drei. „Wir hatten ein Team mit tollen Charakteren und in Jörg Bohrmann einen erstklassigen Trainer.“ Darum blickt er auf die Jahre in Neuss mit dem Abstand von zwölf Monaten nicht zornig, sondern eher wehmütig zurück. „Die Chance, hier gemeinsam mit Düsseldorf richtig was zu bewegen, war da.“ Und mehr möchte er zu diesem Thema gar nicht sagen. „Schuldzuweisungen sind mein Ding nicht, das sollen andere machen.“ Der Kontakt in die Quirinusstadt sei indes nie abgerissen, fügt er hinzu. Darum freut er sich auf den Trip am Mittwoch ins Rheinland, wenngleich es ins knapp 20 Kilometer von seiner alten Wahlheimat entfernte Dormagen geht. „Klar, Neuss wäre schon was anderes gewesen, gegen Dormagen habe ich ja schon oft gespielt“, aber er richtet sich mit den dem VfL auf eine attraktive Partie ein. „Dormagen hat eine super Mannschaft, die gefällt mir echt gut. Sie mag ihre Aufs und Abs haben, aber das wird ein ganz schweres Spiel für uns.“

Wie unangenehm die Auftritte im TSV Bayer Sportcenter selbst für gut vorbereitete Gäste sein können, weiß auch Carl Löfström, schließlich trug der Schwede für zwei Jahre das Trikot der Dormagener. Der 1,90 Meter große Kreisläufer hat in Lübeck auf Anhieb eingeschlagen, erinnert sich aber noch gerne an seinen Aufenthalt in der Chemiestadt. „Ich habe dort noch einige Freunde und hatte dort eine schöne Zeit. Vielleicht werde ich vor dem Spiel darum etwas nervöser sein als sonst.“ Auch wenn für ihn einige Gesichter neu sind, kennt er die Spielweise seiner ehemaligen Teamkollegen recht genau: „Die spielen mit viel Tempo, haben eine stabile 6:0-Abwehr mit einem guten Torhüter dahinter.“ Größter Fan des Schweden ist im Übrigen sein Trainer. Przybecki schätzt an ihm, „dass er „trainiert wie ein Tier und unser Offensivspiel enorm belebt.“ Zudem wachse er im Mittelblock immer mehr in die Rolle neben Abwehrchef Martin Waschul hinein.

Muße, die Ostsee mit ihren herrlichen Stränden zu genießen, bleibt da wenig. „Aber ab und zu schafft man das schon“, beruhigt Pankofer lächelnd. Aber jetzt geht es erstmal zurück an den schönen Rhein ...