Jüchen : Hahnenkirmes vor dem Aus?

Die Dorfgemeinschaft Priesterath-Stolzenberg fürchtet das Ende ihrer 53-Jährigen Kirmes: "Keiner wird zu uns kommen", so Präsident Schlösser. Zeitgleich hat der Werbering Jüchen sein Sommerfest auf den 3. Juli terminiert.

Eigentlich sollte der 3. Juli für Heinz Josef Schlösser, Präsident der Dorfgemeinschaft Priesterath-Stolzenberg, und die rund 150 Mitglieder der Höhepunkt ihrer Hahnenkirmes sein. Doch der 53-jährigen Tradition droht das "Aus" und Schlösser fürchtet menschenleere Straßen beim Umzug: Denn zeitgleich plant der Werbering Jüchen sein erstes Sommerfest im Jüchener Zentrum. Schlösser ist überzeugt: "Das bedeutet den Tod für unsere Kirmes. Damit können wir den Fest-Sonntag vergessen. Niemand wird zu uns kommen."

Der Werbering Jüchen plant in diesem Jahr zum ersten Mal ein Sommerfest mit verkaufsoffenem Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Diese Veranstaltung soll die beiden Feste im Frühling und Herbst ersetzen. Wie aus Kreisen der Jüchener Händler zu erfahren war, soll das Herbstfest 2010 deutlich hinter den Erwartungen gelegen haben — deshalb jetzt die Entscheidung für einen neuen Termin. Um die Veranstaltung attraktiver zu gestalten, soll sie auf breitere Basis gestellt werden, hatte Werbering-Chef Michael Ermer bei der Versammlung im April betont: Fest zugesagt hat bereits die Jüchener Bürgerstiftung, die für ihr Spendenprojekt werben will. Auch der Jüchener Bürgerschützen- und Heimatverein und der SV Jüchen-Garzweiler wollen sich beteiligen.

Ein Problem für Michael Ermer und die Händler: der Termin. Entscheidend für den 3. Juli sei gewesen, dass zeitgleich der Niederrheinische Radwandertag stattfindet. "Damit kommen viele Radfahrer nach Jüchen", hofft Ermer. Kritik gabs dafür bereits von den Jüchener Schützen, die eine Konkurrenz zu ihrem "Familientreff" 14 Tage später sahen (die NGZ berichtete).

Der 3. Juli ist jetzt ein Problem für die Dorfgemeinschaft Priesterath-Stolzenberg: "Wir kämpfen jedes Jahr um unsere Zukunft. Viele Neubürger interessieren sich nicht für unser Fest", sagt Präsident Schlösser. Deshalb werde zum ersten Mal statt im Zelt in der Bürgerhalle gefeiert. Am Freitag, 1. Juli, soll beim Klompenball getanzt werden, am Samstag werden Gäste von befreundeten Vereinen erwartet. Der Sonntag sei der Höhepunkt der Kirmes: "Nach dem Gottesdienst wird beim Hahnenköppen der neue König ermittelt. Doch wie sollen wir jemanden finden, wenn womöglich niemand zu unserer Kirmes kommt", fürchtet Schlösser. Michael Ermer und Sprecher Werner Hüsselmann verweisen auf Synergie-Effekte: "Warum sollen Besucher des Sommerfestes anschließend nicht in Priesterath feiern?" Heinz Josef Schlösser bezweifelt das: "Nach dem Einkaufen nochmal den Anzug aus dem Schrank holen? Das tut doch niemand."

(NGZ)