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Korschenbroich: Hacker knacken Schul-Postfach

Korschenbroich : Hacker knacken Schul-Postfach

Zweimal haben Unbekannte das E-Mail-Postfach einer Korschenbroicher Schule geknackt und im Namen der Leiterin Nachrichten verschickt. Darin wurden die Empfänger um Geld gebeten. Die Polizei warnt vor dem Internet-Betrug.

Es ist ein als E-Mail verschickter Hilferuf an rund 50 Empfänger: "Ich bin nach Edinburgh, Schottland verreist und habe meine Tasche verloren samt Reisepass und Kreditkarte. Ich wollte dich fragen, ob du mir ein bisschen Geld so schnell wie möglich leihen kannst." Dann ein Hinweis: "Du kannst mich per E-Mail erreichen oder an der Rezeption des Blue Island Hotels." Es folgen zwei Telefonnummern im Ausland.

Der Absender der Mail ist "ggsherrenshoff@yahoo.de", unterzeichnet ist sie mit "Marie-Luise Grüe". Doch die Leiterin der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Herrenshoff hat ihn nicht geschrieben, sie hat ihn auch nicht an all die hinterlegten Kontakte aus ihrem Adressbuch verschickt – Eltern, Kollegen, Kooperationspartner. Unbekannte haben sich Zugang zu dem Postfach verschafft, und das gleich zweimal in einer Woche. Erst am Samstag, dann gestern.

"Am Samstagmorgen wies mein Mann mich darauf hin, dass er die Mail bekommen habe", erzählt Marie-Luise Grüe. In den folgenden Stunden meldeten sich immer mehr Empfänger auf ihrem Handy. "Zum Glück hat niemand geglaubt, dass ich die Mail geschrieben habe."

Sie rief bei der Hotline ihres E-Mail-Anbieters Yahoo an und meldete den Schaden, machte auf dem Rechner einen Viren-Suchlauf, legte neue Passwörter an, erstattete bei der Polizei des Rhein-Kreises Neuss Anzeige wegen des "Ausspähens von Daten". "Die Masche gibt es schon relativ lange. Sie wird immer weiter verfeinert", sagt Diane Drawe, Sprecherin der Kreispolizei. Im Rhein-Kreis Neuss seien zwei weitere Fälle dieser Art bekannt. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. In Grevenbroich hatte es bereits Ende des vergangenen Jahres einen Fall gegeben.

Nicht immer handelten die Mails von Schottland, alle würden an das Mitleid der Empfänger appellieren. Die Polizei warnt davor, sie zu beantworten oder angegebenen Telefonnummern wie die des vermeintlichen Blue Island Hotels zu wählen: "Den Anrufern entstehen dadurch immense Kosten." Diane Drawe rät: Wer eine Mail mit fragwürdigem Inhalt von bekannter Adresse bekomme, solle den Absender über dessen Telefonnummer kontaktieren.

Marie-Luise Grüe hatte den Fall für sich abgeschlossen, bis gestern wieder in ihrem Namen Mails verschickt wurden – diesmal angeblich aus Aberdeen. "Wir werden unser E-Mail-Konto sofort löschen", sagt die Schulleiterin, die davon ausgeht, dass die Probleme beim Server ihres Anbieters liegen. "Das Sicherheitsrisiko ist zu groß."

(NGZ)