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Jüchen: Gymnasium: Risse kosten 250 000 Euro

Jüchen : Gymnasium: Risse kosten 250 000 Euro

Für die Beseitigung von Baumängeln am Gymnasium Jüchen muss die Verwaltung tief in die Haushaltskasse greifen.

Auch gut zwölf Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten nimmt der Prozess um Baumängel am Gymnasium Jüchen kein Ende: bis heute wurden diejenigen, die für die rund 100 Risse in den Wänden des Schulgebäudes verantwortlich sind, nicht zur Rechenschaft gezogen. Jetzt muss die Gemeinde für die Behebung der Mängel vorerst selbst aufkommen — und das nicht zu knapp. "Für die Sanierung im Sommer muss die Gemeinde Jüchen 250 000 Euro einkalkulieren", sagt Oswald Duda, Technischer Dezernent der Gemeinde Jüchen.

Eine stolze Summe, die sich die Kommune zurückholen will. "Wir sind schon im Jahr 2003 vor das Landgericht Mönchengladbach gezogen, um ein selbstständiges Beweisverfahren zu beantragen", erklärt Duda. Sinn dieses Verfahrens sei es, eine drohende Verjährung der Ansprüche zu verhindern. Bis heute sei dabei aber nicht eindeutig geklärt worden, was genau die zum Teil zentimeterdicken Risse verursacht hat.

Ob es tatsächlich Pfusch am Bau, ein architektonischer Planungsfehler oder die Verwendung von falschen Baumaterialien war, der die Risse verursacht hat, kann nicht mehr eindeutig festgestellt werden. "Die Gemeinde hat Ursachenforschung betrieben, zahlreiche Gutachter haben die Mängel genau unter die Lupe genommen", sagt Duda. Und doch sei kein Riss wie der andere: Je nach Verlauf und Stärke kann man unterschiedlich über das Zustandekommen der Mängel urteilen, wie Duda erklärt. Dabei würden die Verteilung von Gewichten und die Zusammensetzung der jeweiligen Baustoffe entscheidende Rollen spielen.

Fest steht, dass die Mängel behoben werden müssen, um zu vermeiden, dass sich die Schäden weiter ausbilden. Im Schul- und Jugendausschuss erklärte Bürgermeister Harald Zillikens deshalb, dass das Gymnasium zwei Wochen vor und während der Sommerferien saniert wird. "Die Bauarbeiten werden in der Schülerbibliothek beginnen, die dafür gesperrt werden muss", berichtete Zillikens.

Zu größeren Beeinträchtigungen des Schulbetriebs soll es allerdings nicht kommen. "Außerdem hat eine Vielzahl von Gutachtern festgestellt, dass zu keiner Zeit Gefährdungen in den betroffenen Räumlichkeiten für die Schüler gegeben sind", betonte der technische Dezernent. Die Bauarbeiten sollen sich über den Zeitraum der gesamten Sommerferien erstrecken, damit alle Risse beseitigt und die ebenfalls betroffene Fensterfront auf dem hinteren Schulhof des Gebäudes verstärkt werden kann. "Wir müssen die Fenster stabilisieren, damit wir auch künftig Gefahren vollkommen ausschließen können", erzählt Duda.

Denn Fakt sei, dass sich die Risse in den Wänden teilweise noch heute weiterentwickeln und sich ihren Weg durch das Mauerwerk und den Putz bahnen.

Die Fassade bröckelt: "Wir hätten nicht damit gerechnet, dass das Gymnasium uns noch so lange wegen Baumängeln beschäftigt", sagt der Dezernent. Gründe dafür sieht er auch in den vielen Gutachten, die jeden einzelnen Riss in Form eines umfassenden Kataloges genau dokumentieren mussten — und das schon vor Jahren. So wollen auch die Kosten für die Gemeinde Jüchen kein Ende nehmen.

Auch Oswald Duda ahnt, dass sich der Prozess wohlmöglich noch über Jahre hinziehen wird. "250 000 Euro sind eine hohe Summe, auf der die Gemeinde wohl vorerst sitzen bleiben wird", sagt er. Doch höchste Priorität habe die Beseitigung und das Stoppen der Ausdehnung der Risse, um noch teureren Schäden vorzubeugen.

(NGZ/rl)