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Gute Noten für Sabine Witte als Schiedsrichterin des Pokallfinales

Volleyball : Viel Lob für Sabine Witte nach dem Frauen-Finale im DVV-Pokal

Die Schiedsrichterin aus Stürzelberg war in der Mannheimer SAP Arena Teil eines Volleyball-Spektakels vor mehr als 10.000 begeisterten Zuschauern.

Schon am Montag hatte Sabine Witte der Alltag wieder, saß die Schulleiterin der St.-Peter-Schule in Rosellen wie jeden Morgen an ihrem Schreibtisch. Kaum zwölf Stunden zuvor hatte die Volleyball-Schiedsrichterin in der brodelnden SAP Arena in Mannheim das dramatische Finale im DVV-Pokal der Frauen zwischen dem Dresdner SC und Allianz MTV Stuttgart (3:2) geleitet. „Ein Highlight“, sagt sie, „es war so spannend, dass ich aufpassen musste, nicht selber mitzufiebern.“

 Bleiben werden ihr von diesem Sportkrimi neben einer Medaille vor allem Erinnerungen, denn Geld ist im Volleyball selbst als anerkannte Spitzenkraft nicht zu machen. 200 Euro habe es für die beiden Tage in Mannheim gegeben, verrät die 48-Jährige mit einem betretenen Lächeln. „Das ist kein Scherz.“

Zum Vergleich: Wenn Deniz Aytekin, im Hauptberuf Betriebswirt, in der Bundesliga seine Pfeife zum Mund führt, erhält er dafür in dieser Saison vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) ein Grundgehalt von 80.000 Euro, dazu pro Einsatz 5000 Euro in der Ersten und noch 2500 Euro in der Zweiten Liga. Die besten Unparteiischen im Volleyball bekommen eine Aufwandsentschädigung von 200 Euro für jedes Erstliga-Match (100 Euro in der 2. Liga), das entspricht genau der Tagespauschale ihrer Kollegen bei einer Fußball-Europameisterschaft – obendrauf gibt es noch die Kleinigkeit von um die 10.000 Euro pro Spiel.

Eine Realität, die Sabine Witte natürlich nicht in Ordnung findet, mit der sie sich aber arrangiert hat. Anerkennung und Selbstbestätigung sucht sie eh nicht im schnöden Mammon. Wertvoll ist für sie, „wenn sich nach dem Finale selbst die unterlegene Mannschaft bei dir bedankt.“ Das ausschließlich weibliche Schiedsrichter-Team strich in Mannheim viel Lob ein. Stefan Falter, Trainer der im Herren-Endspiel von den Berlin Volleys mit 3:0 geschlagenen Powervolleys Düren, stellte im Gespräch mit der Stürzelbergerin bewundert fest: „Von Deiner Ruhe könnte ich mir mal eine Scheibe abschneiden.“ Das deckte sich zwar durchaus mit ihrer eigenen Wahrnehmung, „das war eine echt coole Leistung von mir, muss ich einfach mal sagen.“ Perfekt, weiß sie, ist jedoch nichts im Leben. So wurden einige Entscheidungen der Unparteiischen per Videobeweis (Challenge) von den Mannschaften erfolgreich angefochten. Keine große Sache, aber trotzdem ärgerlich für die gerade für ihre Präzision bekannte Teamchefin. „Das wird Thema der Nachbetrachtung sein“, kündigt sie daher an.

Genauso präsent sind ihr freilich die vielen Höhepunkte des Endspiels: Die unvergleichliche Atmosphäre in der Halle mit mehr als 10.000 Zuschauern zum Beispiel – bei normalen Bundesliga-Spielen liegt der Schnitt bei 1500 bis 2000, an guten Tagen sind es auch schon mal 5000. „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie laut das ist.“ Zwar habe sie über die Jahre gelernt, äußere Einflüsse wie das Publikum oder die Ansagen des Hallensprechers fast komplett auszublenden, „aber du bekommst das natürlich schon mit.“ Umso wichtiger, besonders bei Partien wie dieser, „mit vier vergebenen Matchbällen, vielen langen Ballwechseln und kaum Zeit zum Verschnaufen“, seien darum die Momente der inneren Einkehr vor- und nachher. „Dann fahre ich komplett runter. Komme zur Ruhe.“

Als am Sonntagabend die adrenalingestärkte Anspannung einer zufriedenen Müdigkeit gewichen war, saß Sabine Witte mit ihrer Familie längst wieder im Auto. „Um kurz nach elf lag ich zu Hause im Bett.“