Gedrückte Stimmung bei den Bündnisgrünen: Grüne treffen sich zur Krisensitzung

Gedrückte Stimmung bei den Bündnisgrünen : Grüne treffen sich zur Krisensitzung

Von Julia Nakötter

Von Julia Nakötter

Gedrückte Stimmung bei den Bündnisgrünen im Gemeindegebiet: Seit mehreren Monaten liegt die Arbeit der Gesamtfraktion still. Der Grund: heftige Querelen zwischen den Ratsherren Wilfried Dietrich und Thomas Klotsche. "Es liegt einzig und allein an der Tatsache, dass die beiden seit ihrem Zerwürfnis nicht mehr miteinander klar kommen", erklärt Karl-Heinz Brodecky-Wenzel, Ortsverbandsvorsitzender der Jüchener Grünen. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende Wilfried Dietrich hat Zweifel an einer Lösung.

Bereits Anfang des Jahres eskalierte der Streit: die Ratsfraktion wurde aufgelöst, Wilfried Dietrich gab nach der Vertrauensfrage den Posten des Vorsitzenden ab. Auch Thomas Klotsche zog in der Zwischenzeit einen "Schluss-Strich" und verließ die Partei, behielt jedoch sein Ratsmandat.

Das bedeutete das vorläufige Ende einer Grünen-Fraktion im Gemeinderat. "Die Fronten sind mittlerweile so verhärtet, dass ein Miteinander nicht mehr möglich scheint. Thomas Klotsche erklärte mir jetzt, dass er auf keinen Fall mehr mit Wilfried Dietrich zusammenarbeiten werde", berichtet Brodecky-Wenzel.

Der Vorsitzende des Ortsverbandes hat nun eine Krisensitzung anberaumt. Am Freitag Abend sitzen die Jüchener Grünen (rund zehn Mitglieder, die Ausschussvertreter sowie die beiden Ratsherren) zum ersten Mal seit Monaten wieder gemeinsam an einem Tisch. "Dann werde ich versuchen, eine Entscheidung herbeizurufen, zu welchen Gunsten auch immer.

Es muss etwas passieren", meint Karl-Heinz Brodecky-Wenzel, der außerdem von einem guten persönlichen Verhältnis zu Klotsche spricht. "Aufgrund der Querelen wollten sogar schon einige unserer Mitglieder austreten, da sie sowohl mit Dietrich als auch mit Klotsche weiterhin zusammenarbeiten möchten", sagt der Ortsverbandsvorsitzende.

Eine "moralisch korrekte" Lösung würde sich dagegen Grünen-Ratsherr Wilfried Dietrich wünschen: "Wenn Herr Klotsche zum Wohl der Grünen-Partei auch noch sein Ratsmandat abgeben würde, könnte ein neues Mitglied - in diesem Fall Karl-Heinz Brodecky-Wenzel - nachrücken und wir wären wieder im Rat mit einer Fraktion vertreten."

Eine Chance für diesen "Gesinnungswandel" sieht Wilfried Dietrich jedoch zurzeit nicht. Auch Brodecky-Wenzel erklärt: "Wir waren uns schon einig darüber, dass ich für ihn nachrücken würde." Dann habe sich Thomas Klotsche im letzten Moment noch umentschieden. Mehrere Wochen versuchten sie, ihren früheren Politiker-Kollegen schließlich in Jüchen ausfindig zu machen. "Letzte Gespräche zwischen der Partei und Klotsche gab es im Frühjahr. Er kam nur zu zwei von vier Ratssitzungen, fehlte bei den Vorbereitungstreffen für die Bauausschuss-Sitzungen", so Dietrich.

Und weil sich der Ex-Grüne entzieht, wollen Dietrich und Brodecky-Wenzel nun wissen, ob Klotsche sich überhaupt noch in Jüchen politisch engagieren will. Von einem Stillstand in der Arbeit der Jüchener Grünen möchte Ratsherr Wilfried Dietrich derzeit jedoch nicht sprechen: "Die Last wird nun auf weniger Schultern verteilt. Die politischen Angelegenheiten wurden im Rat und in der Partei weiterverfolgt."

Derzeit gestaltet Wilfried Dietrich die Webseite der Jüchener Bündisgrünen neu. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende hofft nun auf eine schnelle Aussprache: "Mit Blick auf die Haushaltseinbringung und die anstehenden Beratungen sollten sich die Verantwortlichen jetzt umgehend entscheiden." Der Ortsverband ist nun allein von Klotsches und Dietrichs Entscheidung abhängig, er kann ihre beiden Ratsmandate nicht zurückfordern.

(NGZ)
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