Jüchen : Grieche wagt Neustart in Jüchen

Keine Rente in Griechenland: Für Gastarbeiter Georgis Gavriilidis (66) ein Grund, in Jüchen noch einmal neu anzufangen. Der Koch eröffnete jetzt ein Schnellrestaurant. Und träumt davon, zu seiner Familie zurückzukehren.

Georgis Gavriilidis hatte einen Traum, auf den er hingearbeitet hat: Seinen Ruhestand wollte der Gastarbeiter unter griechischer Sonne mit seiner Familie verbringen. Doch der drohende Staatsbankrott zerstörte diesen Lebenstraum: Der 66-Jährige erhielt keine Rente. Doch der Koch mit dem weißen Haar wollte seinen Kindern nicht auf der Tasche liegen, kehrte nach Deutschland zurück und eröffnete jetzt ein Ladenlokal an der Odenkirchener Straße. Mit blauer Kochschürze kümmert sich der Neu-Jüchener um seine Gäste.

Seit fünf Jahren kämpfen die Hellen gegen die Staatspleite. Doch selten war die Not der Menschen so groß wie heute: Renten und Löhne mussten drastisch gekürzt werden, um die von der Europäischen Union geforderten Reformen umzusetzen und Rettungsgelder zu erhalten. Noch ist ungewiss, ob der griechische Staat an einem Bankrott vorbeikommt.

Georgis Gavriilidis hat die große Krise jetzt selbst erfahren — und hat gehandelt. "Obwohl ich vor mehr als einem Jahr einen Antrag gestellt habe, habe ich keine Rente bekommen", erzählt er. Auf Kosten seiner Kinder zu leben? "Das kam für mich nie in Frage." Deshalb nahm er Abschied von seiner Frau Susanna und nutzte die Chance sofort, als er in Jüchen Geld verdienen konnte. Ein Bekannter hatte ihm von einem leerstehenden Schnellimbiss an der Odenkirchener Straße erzählt. Gavriilidis mietete das Ladenlokal an, renovierte es im Juni. Geholfen hat ihm dabei sein Schwiegersohn, ohne ihn hätte er das Startkapital nicht aufbringen können.

Vor der Rückkehr in die Heimat hat Georgis Gavriilidis in Maria Weiler bei Düren gearbeitet, war Koch in einem Imbiss. "2007 haben mich der Bürgermeister und zahlreiche Menschen verabschiedet." Vor 19 Jahren war es das erste Mal nach Deutschland gekommen, hat in unterschiedlichen Gaststätten gearbeitet.

Kein Bild erinnert an die Heimat

Dass er jetzt, im Rentenalter, noch mal seiner Heimat den Rücken kehren muss, das hätte Gavriilidis sich niemals träumen lassen. Kein Bild aus seiner Heimatstadt Serres, kein Foto seiner Familie hängt an den Wänden seines neuen Schnellrestaurants. "Ich habe nichts mitgenommen", erzählt der Neu-Jüchener. Er will jetzt das Beste aus seiner Situation machen: "Ich bete zu Gott, dass er mir Kraft geben möge. Und dass die Leute gerne zu mir essen kommen werden."

Denn seinen Lebenstraum trägt der Grieche immer noch im Herzen: Irgendwann wieder in seiner Heimat zu leben. Das könnte er schaffen — wenn auch mit etwas Verspätung.

(NGZ/rl)
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