Lokalsport: Glücksmoment für die Ewigkeit

Lokalsport: Glücksmoment für die Ewigkeit

Darauf hatten die Basketballerinnen der TG Neuss lange gewartet. Der 74:71-Erfolg über Wolfen-büttel war der erste Sieg zum Auftakt einer Play-off-Serie seit dem Rückzug aus der Bundesliga 1995.

Was hatte Janina Pils vor Spiel 1 der Halbfinalserie gegen das Wolfpack Wolfenbüttel doch gleich noch mal gesagt? "Es wäre schön, mal mit einem Sieg in die Play-offs zu starten." Auftrag erledigt. Die von ihr seit 2012 trainierten Zweitliga-Basketballerinnen der TG Neuss rangen das Team aus der Lessingstadt, vor sechs Jahren als BV Wolfenbüttel Wildcats immerhin Deutscher Meister, mit 74:71 nieder und haben damit am Ostermontag im Rückspiel (17.30 Uhr, Lindenhalle) die (erste) Chance, sich mit einem Sieg für das Finale um den Aufstieg ins Oberhaus zu qualifizieren.

Ein (noch) verwegener Gedanke, galten die vor der Saison personell neu aufgestellten und noch mal verjüngten Tigers doch sogar als potenzieller Abstiegskandidat. Die Verpflichtungen der in Europa bis dahin ergreifend unbekannten US-Girls Briana Williams und Julia Duggan warfen ebenso Fragen auf wie die Zusammensetzung des Kaders: Zwei Profis, dazu die erfahrenen, aber voll im Beruf stehenden Jana Heinrich und Franzi Worthmann sowie U18-Nationalspielerin Karo Tzokov - gute erste Fünf, aber dann? Sera Asuamah-Kofoh, mit Barmen gerade sang- und klanglos aus der 2. Liga abgestiegen. Carlotta "Lottie" Ellenrieder, im Sommer zwar an der Seite Tzokovs und Asuamah-Kofohs U18-B-Europameisterin geworden, aber als 1,93 Meter große Centerin ein Langzeitprojekt. Ronja Spießbach, ursprünglich sogar vorgesehen für einen Platz in der Startformation, nach monatelanger Verletzungspause noch gefühlte Lichtjahre vom Comeback entfernt. Und schließlich das Trio Lisa Spießbach, Inga Krings und Yanina Todorova, mit viel Herz und noch mehr Leidenschaft integraler Bestandteil der Mannschaft, aber als Rollenspielerinnen eben nicht für die Hauptjobs vorgesehen.

Was sollte da schon gehen in einer Liga, in der sich selbst das notorische Kellerkind SG Bergische Löwen anschickte, mit personell kräftig aufgehübschtem Team die Play-off-Plätze ein bis vier anzugreifen? Eine ganze Menge: Die zunächst böse unterschätzten Tigers pirschten mit beeindruckender Konstanz durch die Saison, unterlagen in der Hinrunde zweimal hauchdünn (70:71 am vierten Spieltag bei den Osnabrück Titans, 63:65 zum Hinrundenabschluss in Berlin) und enttäuschten nur beim 61:71 am dritten Spieltag daheim gegen Grünberg. Noch besser lief es in der Rückrunde, in der sich auswärts nur die Topklubs Panthers Osnabrück und Wolfenbüttel als zu stark erwiesen. Keinem Kontrahenten gelang es, die Tigers zweimal zu bezwingen, was für eine erstaunliche Lernwilligkeit spricht.

  • Lokalsport : Opladens Basketballerinnen schwach gegen Wolfenbüttel

Die Fähigkeit, sich - mitunter sogar innerhalb eines Spiels - komplett neu zu erfinden, zeichnet die Mannschaft der am Saisonende auf eigenen Wunsch ausscheidenden Trainerin aus. So stellte Wolfpack-Coach Frank Lagerpusch, dessen Schützlinge die Tigers drei Wochen zuvor noch mit 87:59 verprügelt hatten, nach der Niederlage am Samstag in Neuss sichtlich irritiert fest: "Bis zur Halbzeit waren wir eigentlich gut dabei. Wenn wir aber unsere offenen Würfe nicht treffen und wir einfache Möglichkeiten liegenlassen, wird es schwer, ein Play-off-Spiel gegen einen solchen Gegner zu gewinnen. Unsere schlechte Trefferquote war heute ausschlaggebend für die Niederlage."

Der Druck wechselt damit die Seiten, lastet nun ganz auf Wolfenbüttel. Janina Pils findet sogar: "Das ist jetzt ein Freispiel für uns." Schließlich erwartet von den Tigers niemand wirklich die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Bis in die Haarspitzen motiviert sind sie trotzdem - und das liegt nicht an den Anhängern des Wolfpacks, die am Samstag vor der Partie in Neuss schmunzelnd angekündigt haben sollen, das Personal der Tigers für ihr zukünftiges Erstligateam zu casten. Frech!

(NGZ)