Reitsport: Gilbert Tillmann und der große Kämpfer aus Irland

Reitsport : Gilbert Tillmann und der große Kämpfer aus Irland

Der Springreiter aus Grevenbroich und sein Pferd Hello Max sind seit ihrem überraschenden Derby-Sieg in Hamburg plötzlich bundesweit in aller Munde.

Neukirchen Nach seinem sensationellen Derby-Sieg hatte Springreiter Gilbert Tillmann kaum eine Minute Zeit zum Verschnaufen: Tagelang klingelte sein Telefon wie verrückt: Gratulanten, Medienanfragen ... "Da half zeitweise sogar nur, das Telefon auszustellen", sagt der 31-Jährige. Inzwischen kehrt wieder ein bisschen Ruhe und Normalität in seinem Alltag ein. Fast. Denn heute dürfte das Telefon wieder oft klingeln: Gilbert Tillmann wurde von den NGZ-Lesern zum Sportler des Monats Mai gewählt. "Wahnsinn", freute sich der Grevenbroicher, der bereits 2011 NGZ-Sportler des Jahres war – nach Platz vier beim Deutschen Spring-Derby mit Hello Max.

Mit der Mai-Wahl könnte am Ende des Jahres auch der Sportler des Jahres 2013 wieder Gilbert Tillmann heißen. "Abwarten, die Konkurrenz ist schließlich sehr stark", weiß der Hufschmied. Er schaut derzeit jeden Tag auf einer Weide des familieneigenen Gestüts Gut Neuhaus in Neukirchen vorbei, auf der sein schon zu Lebzeiten legendärer Sportpartner – inzwischen 19 Jahre alt – seinen Ruhestand genießt. "Das Derby war Hello Max' letzter Parcours, definitiv", bestätigt er. "Ich will ihm das zurückgeben, was er mir gegeben hat. Das hat er sich mehr als verdient!" Pferdesportliebhaber der Region werden das Paar Tillmann/Hello Max im Parcours vermissen. Denn wenn die zwei in den Kurs galoppierten, wurde es ausnahmslos spannend und spektakulär. "Hello Max ist der größte Kämpfer, den ich kenne."

Tillmann kennt den irischen Wallach nach 13 gemeinsamen Jahren in- und auswendig. Und es war der Kampfgeist von Hello Max, der den Triumph am 12. Mai erst möglich machte. Da ist sich Tillmann sicher. "Er hat einfach alles gegeben – und mir den größten Erfolg meiner Karriere beschert." Dass aus dem eigenwilligen Wallach mal ein Derbysieger werden würde, hatten weder sein Reiter noch andere Fachleute jemals gedacht.

Denn eigentlich kam Hello Max vor 13 Jahren als Handelspferd in den Tillmann'schen Stall, das Gestüt Gut Neuhaus in Neukirchen. Er wurde in Zahlung genommen, war angeblich 16 Jahre alt und sollte deshalb als Schulpferd eingesetzt werden. Doch statt zum Lieblingspferd der Kinder zu werden, avancierte er zum Schreckgespenst aller Reiter. "Er schmiss sie gleich reihenweise in den Sand", erinnert sich Tillmann. Zwar ging er sogar in Karnevalsumzügen mit und war nervenstark, "aber als Schulpferd war er einfach zu unrittig, zu eigensinnig", so sein heutiger Reiter. Also wurde Hello Max ausgemustert. "Aber er konnte unglaublich hoch und weit springen", erzählt Gilbert Tillmann. So startete die zweite Karriere von Hello Max. Doch bei dem Versuch, den Wallach als Turnierpferd eintragen zu lassen und ein Abstammungspapier in Irland zu beantragen, wartete die nächste Überraschung. Das Pferd war nicht 16, sondern erst sechs Jahre alt. Also umdenken und ausbilden, lautete von da an die Devise. Mit Erfolg.

Trude Holthausen aus Neuss hat den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha Neuss gewonnen.

(NGZ)