NGZ-Sportlerwahl : Familie und Fußball statt Vierbeiner

Gilbert Tillmann legt nach seinem zweiten Platz im Deutschen Springderby eine Turnierpause ein – und sucht ein neues Derbypferd.

Fußball und Familie – das ist das neue Sommermotto von Springreiter Gilbert Tillmann. Statt jedes Wochenende von morgens bis abends auf Turnieren zu reiten, hat der NGZ-Sportler des Monats Mai die schwarz-rot-goldenen Fanartikel ausgepackt. „Ich werde mir jedes Spiel der deutschen Mannschaft anschauen“, verrät der begeistert Fußballfan. „Und Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Töchtern verbringen.“

Denn sportlich lässt es der bekannteste Reiter aus dem Rhein-Kreis den Rest des Jahres ruhig angehen. Der erfolgreiche Derbypartner Claus Dieter steht jetzt im Stall von Jos Lansink. „Schon vor dem Derby waren Interessenten da, nach dem erfolgreichen Derbyauftritt war die Nachfrage natürlich noch größer“, erzählt der Hufschmied. Jetzt ist der große Schimmel, der unter Tillmann sensationell zwei Mal Zweiter beim Deutschen Springderby in Hamburg wurde, verkauft. „Das ist schade, aber nicht schlimm. So ist das im Reitsport nun mal“, sagt er gefasst. Das ist ein Schicksal, das er mit sehr vielen Reitern – auch den besten der Welt – teilt. Im Fall von Claus-Dieter sogar zwei Mal: Nach dem Derby 2017 verließ er den Stall, um verkauft zu werden; Anfang 2018 durfte Gilbert Tillmann fürs Derby doch wieder in den Sattel.
In Jos Lansink, Mannschaftsolympiasieger 1992 und Einzelweltmeister 2006, hat der Holsteiner Wallach übrigens einen sehr starken neuen Reiter. Der 57-jährige Niederländer mit belgischem Pass startet nach einer Krebserkrankung ein Comeback im internationalen Sport.

Für Gilbert Tillmann heißt das: „Ruhig bleiben und Geduld haben“. Denn zum einen muss er sein zweites Toppferd Hadjib wieder fit bekommen, zum anderen die Nachwuchspferde vom Gestüt Gut Neuhaus weiter ausbilden, schließlich könnte unter den Youngstern ja ein potenzieller Derbystarter sein. „Hadjib hatte aber eine Pechsträhne“, berichtet er. Nachdem der Wallach 2017 verletzt war, lief er Anfang des Jahres wieder ganz gut. „Dann hatte er sich eine Zerrung zugezogen und musste wieder wochenlang Schritt gehen.“ Erst ab dem Herbst will „Gilli“ den braunen Wallach gezielt trainieren. „Er hat ja bereits tolle Erfolge und Siege, auch in Hamburg. Aber er soll sich vollständig auskurieren.“ Bleiben die jungen Pferde, „aber das dauert eben Jahre, bis da eines vielleicht im Derbyparcours laufen kann. Ich suche und schaue, was sich so ergibt“, sagt Tillmann. Die Arbeit wird ihm neben seinem Job als Hufschmied und dem Reiten nicht ausgehen: „Mein Bruder Frederik und ich haben ja auch den Betrieb auf Gut Neuhaus übernommen, da ist immer viel zu tun.“

Damit liegt der sportliche Fokus des ehrgeizigen Reiters jetzt schon auf der Saison 2019. „Das Derby ist immer mein absolutes Highlight, und das ist dieses Jahr mit Platz zwei wieder super gelaufen“, zieht er Bilanz. „Deshalb ist es okay und ich kann mich auf das nächste Jahr konzentrieren.“ Dass er noch mal über Pulvermanns Grab fliegen wird, steht für Gilbert Tillmann fest: „Das Derby ist wie meine große Liebe.“ Gleich hinter der Familie und Borussia Mönchengladbach.

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