Gilbert Tillmann ist NGZ-Sportler des Monats Juni

NGZ-Sportlerwahl des Monats : Der Derby-Dauerbrenner hat Lust auf mehr

Nein, eine Überraschung war es sicher nicht, dass sich die NGZ-Leser bei der Wahl zum „Sportler des Monats Juni“ mit großer Mehrheit für Gilbert Tillmann ausgesprochen haben. Der Springreiter vom Gut Neuhaus hat seine Fans –im Rhein-Kreis, aber auch in Hamburg-Kleinflottbek.

Denn dort wird seit 1920 das Deutsche Spring- und Dressurderby ausgetragen. Und auf dem Parcours mit dem legendären Wall und dem noch legendäreren Pulvermanns Grab (so benannt nach Eduard Franz Pulvermann, den Erbauer des ersten Derby-Parcours) fühlt sich Gilbert Tillmann wie zu Hause. Seit er 2007 bei seinem Debüt mit Hello Max den elften Platz belegte, gab es kaum ein Jahr, in dem der mittlerweile 37 Jahre alte Hufschmied nicht in Hamburg dabei war.

Und wenn ihm nicht gerade wie vor neun Jahren mitten im Parcours der Zügel reißt, hat sich Gilbert Tillmann im Derby fast immer platziert. Sieger 2013, Zweiter 2017 und 2018, Vierter 2011, Fünfter 2009, Sechster 2016 und Siebter 2019 – diese Bilanz muss ihm erst mal einer nachmachen. Wobei ihn Anfang Juni bloß ein Flüchtigkeitsfehler am sechsten Hindernis – eher eines der „leichteren“ im Parcours – einen Platz noch weiter vorn, vielleicht sogar erneut auf dem Podium, kostete.

Für sein „Erfolgsgeheimnis“ hat der Grevenbroicher eine einleuchtende Erklärung: „Das Derby ist für mich das wichtigste Turnier im ganzen Jahr, deshalb bereite ich mich ganz genau darauf war, deshalb ist meine ganze Turnierplanung darauf ausgerichtet.“ Die, wie er sagt, „Weltklassereiter“, die, die bis Sonntag noch in der Aachener Soers beim CHIO unterwegs sind, versuchten „oft, das Derby einfach mal so mitzunehmen. Aber das geht nicht, das geht ganz und gar nicht.“

Tillmanns Liebe zu Kleinflottbek geht so weit, dass sie zu Hause  auf dem Gelände der elterlichen Reitanlage Gut Neuhaus vor den Toren von Neukirchen einen Teil der Derby-Hindernisse zu Trainingszwecken nachgebildet haben. Und bei den Gut Neuhaus Indoors, dem großen Hallenturnier im März, stehen im Rheinischen Hallenderby auch ein paar dieser Hindernisse Reitern und Pferden im Weg. Das hat sich mittlerweile in der Szene herumgesprochen – Benjamin Wulschner kam eigens aus dem mecklenburgischen Bütow angereist und platzierte sich in Hamburg zwei Ränge vor Gilbert Tillmann.

Der hat vom Deutschen Derby noch lange nicht genug. „So lange ich fit bin und solange ich dazu die Möglichkeit habe, möchte ich in Hamburg starten,“ sagt der 37-Jährige. Der aber ganz genau weiß, dass es dabei nicht allein auf den Reiter ankommt: „Das hängt stark davon ab, was für ein Pferd du zur Verfügung hast.“ Der gute Hello Max ist längst in Rente, der (ihm nicht gehörende) Claus-Dieter, mit dem er zwei Mal Platz zwei belegte, wurde verkauft. Sein aktuelles Pferd, der 13 Jahre alte braune Wallach Hadjib, war zwei Jahre verletzt, „weshalb der siebte Platz noch höher zu bewerten ist,“ sagt Tillmann.

Und der Grund, weshalb er ihm nach dem Derby erst einmal Ruhe gönnte, in dieser Zeit „verstärkt mit den jungen Pferden“ gearbeitet hat. Jetzt ist Hadjib wieder bereit fürs Turniergeschehen. „Wenn’s passt“, sagt Gilbert Tillmann, will er am kommenden Wochenende beim Turnier auf dem Hilgershof in Neuss-Allerheiligen den ersten Versuch wagen, auf jeden Fall beim Kreisturnier vom 2. bis 4. August in Uedesheim-Stüttgen starten.

13.05.2018, Hamburg: Pferdesport/ Springen: 89. Deutsches Spring-Derby, Gilbert Tillmann aus Deutschland reitet auf Claus Dieter. Foto: Daniel Bockwoldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

„Das gehört dazu,“ sagt der Derbysieger von 2013, dem jedwede Allüren fremd sind, der sich auch als 2. Vorsitzender im Kreis-Pferdesportverband einbringt: „Man muss doch auch ’was zurückgeben,“ sagt Gilbert Tillmann. Auch ein Grund – neben dem sportlichen Erfolg – warum er zum wiederholten Male „NGZ-Sportler des Monats“ wurde. Die Leute schätzen ihn  – in der Heimat wie in Kleinflottbek.

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