Jüchen : Giesen trifft alle CDU-Kanzler

Das kann nicht jeder von sich behaupten: Alt-Bürgermeister Peter Giesen hat allen CDU-Bundeskanzlern persönlich die Hand gedrückt. Die Reihe machte er jetzt in Düsseldorf voll: Der 91-Jährige traf Angela Merkel.

Schon vor zwei Jahren stand Peter Giesen bereit. Angela Merkel sollte nach Neuss kommen — und der Jüchener Alt-Bürgermeister hatte sich fest vorgenommen, ihr persönlich die Hand zu schütteln.

Peter Giesen (r.) trifft Konrad Adenauer in Wevelinghoven. Der Rhöndorfer, damals nicht mehr im Kanzleramt, unterstützte den Garzweiler im Wahlkampf. Foto: Woitschützke, Andreas

"Damit hätte ich meine Reihe voll bekommen und wäre allen CDU-Kanzlern in der Geschichte der Bundesrepublik persönlich begegnet", sagt der 91-Jährige. Doch der Termin in der Quirinusstadt platzte. Wegen der Eruption des Vulkans Eyjafjallajökull in Island wurde der gesamte Flugverkehr eingestellt, Merkel kam nicht. In Düsseldorf hat das Treffen am Montagabend aber funktioniert. "Endlich", wie Giesen sagt.

Helmut Kohl, damals noch Ministerpräsident, hilft Peter Giesen 1976 im Wahlkampf. Ein weiteres Treffen kam 1989 zustande, da war Kohl Bundeskanzler. Foto: Michael, Reuter

Dem ersten Bundeskanzler begegnete der Vollblut-Politiker aus Garzweiler im Sommer 1966. Damals stand er mitten im Landtagswahlkampf und bekam prominente Unterstützung. Konrad Adenauer, der seit 1963 nicht mehr im Amt war, fuhr am Wevelinghovener Rathaus vor, eine Kapelle spielte "Tochter Zion", das Lieblingslied des "Alten". Die Zuschauer drängten sich am Straßenrand, Peter Giesen schritt zur Limousine — doch Adenauer wollte nicht aussteigen.

Peter Giesen und Bundeskanzlerin Angela Merkel trafen sich am Montag bei der CDU-Regionalkonferenz in Düsseldorf – und gaben sich die Hand. Foto: CDU

"Verständlich, er war ja damals schon 90 Jahre alt", sagt Giesen. Er griff damals zu einem Trick und befahl der Kapelle, das Lied sofort abzubrechen. Dieser Schneid hat Adenauer offensichtlich imponiert. Er verließ seinen Wagen, wandte sich dem Publikum zu und sagte: "Den Mann müsst ihr wählen, der bringt jedes Musikkorps zum Schweigen". Anschließend gaben sich beide Politiker die Hand.

Seinen zweiten CDU-Kanzler erlebte Peter Giesen wenige Jahre später: Ludwig Erhard kam zum Wahlkampf nach Grevenbroich. Und der Politiker aus Garzweiler empfing ihn vor dem Alten Rathaus auf dem Markt. "Das war an einem Sonntag, anschließend fuhren zum Adenauerplatz nach Hochneukirch und zum Blumen-Corso in Rheydt", erinnert sich Giesen. Natürlich wurden auch die Hände geschüttelt. Kanzler Nummer zwei.

Nummer drei folgte ebenso in Grevenbroich: Im Kreisgymnasium begrüßte er Kurt Georg Kiesinger. Und Helmut Kohl war im November 1989 der vierte im Bunde. Auf Einladung von Willy Wimmer (MdB) kam ein Gespräch in Bonn zustande, in dem Peter Giesen dem Kanzler hocherfreut von der Kommunalwahl in Jüchen berichtete — bei der die CDU erneut die absolute Mehrheit errungen hatte. Kohl unterstützte Giesen schon 1976 im Wahlkampf, damals noch als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

Und jetzt hat Peter Giesen auch Angela Merkel die Hand geschüttelt, das Treffen hatte CDU-General Hermann Gröhe am Rande der Regionalkonferenz in Düsseldorf organisiert. "Bei dieser Gelegenheit konnte ich mich auch für das Buch bedanken, das mir Frau Merkel zu meiner 60-jährigen CDU-Mitgliedschaft geschenkt hat", sagt Giesen.

Einem SPD-Bundeskanzler hat er übrigens noch nie die Hand geschüttelt. Das liegt aber nicht daran, dass Peter Giesen ein überzeugter Christdemokrat ist: "Es hat sich einfach nicht ergeben", sagt er.

(NGZ/rl)