Jüchen : Gierath feiert 150 Jahre Martinus

Heinz-Gerd Schroeder ist der heilige Mann in Gierath. Auch wenn der Martinszug vorbei ist, wird am Sonntag weiter rund um Martinus gefeiert: Die Martinus-Kirche wird 150 Jahre alt – und der Martins-Darsteller feiert mit.

Gierath/Gubberath Am heutigen Martinstag kann Heinz-Gerd "Haggy" Schroeder entspannen. Er hat als Martin in römischer Legionärskluft bereits am Mittwoch seinen großen Auftritt gehabt und Kinderaugen strahlen lassen. Zuvor mussten aber 485 Martinstüten für die Mädchen und Jungen in Gierath gepackt werden. Das Fest rund um Martinus kann in dem Ort aber dennoch weitergefeiert werden – und Haggy Schroeder (48) wird als Heiliger Martin und Kirchenvorstandsmitglied in seiner Kirche nicht fehlen. Am Sonntag beginnt ein besonderes Patronatsfest für die St. Martinus-Kirche – der heutige Bau wurde vor 150 Jahren geweiht.

Bis die Gierather Christen in einem neuen Gotteshaus beten konnten, vergingen einige Jahre. Immer wieder fehlte das Geld, um die marode, zu kleine Kirche neu errichten zu lassen. Am 16. Oktober 1859 beschloss der damalige Kirchenvorstand, den Entwurf des Kölner Dombaumeisters Vinzenz Statz umzusetzen – ursprünglich hatte er für eine Kirche in Düsseldorf-Volmerswerth geplant. Am 3. Juni 1860 wurde in der alten Pfarrkirche der letzte Gottesdienst gefeiert – und die Schule wurde zum Treffpunkt der Gläubigen, bis der Neubau fertig war. Am 3. Juli wurde der Grundstein gelegt, bereits am 27. August weihte der Kölner Weihbischof Johann Anton Baudri die Kirche. 1937 wurden zwei Seitenflügel ergänzt. 1951, 1977 und 1999 folgten Instandsetzungen.

Ein Mann, der eine besondere Beziehung zur Martinus-Kirche hat, ist Martins-Darsteller "Haggy" Schroeder. Der gebürtige Gierather schwingt sich seit 16 Jahren mit Uniform und Umhang aufs Pferd. Auch als Nikolaus, Weihnachtsmann oder Büttenredner tritt er auf. Schroeder ist ein Mann, der sich vielfach engagiert: Kirchenvorstand, Freiwillige Feuerwehr, Karneval: "Wenn man in dem Ort lebt, in dem man geboren ist, gehört das dazu", erzählt der verheiratete Vater eines Sohnes lächelnd. Heute besuche er nur noch wenige Versammlungen: "Sonst komme ich mit einer neuen Aufgabe nach Hause."

Ein Mann mit vielen Rollen

Für seinen Sohn Florian (heute 15) seien die Rollenwechsel des Vaters nicht immer einfach gewesen: "Nicht nur, weil ich am Nikolaustag selten zu Hause war", erzählt Heinz-Gerd Schroeder. Irgendwann habe der Sohn ihn natürlich trotz Verkleidung als Nikolaus erkannt: "Aber er hat trotzdem weiter sein Gedicht aufgesagt. So ganz geheuer war ihm das nicht."

(NGZ)