Angst vor schädlicher Wirkung von Mobilfunksendern: Gespräch mit Betreibern, Informationen für Bürger

Angst vor schädlicher Wirkung von Mobilfunksendern : Gespräch mit Betreibern, Informationen für Bürger

Das Thema Mobilfunk wird aktuell viel diskutiert. Immer wieder Anlass ist besonders die Frage, ob von Mobilfunksendeanlage gesundheitliche Gefahren ausgehen. Doch bislang liegen noch keine gesicherten Informationen vor. Auch die Mitglieder des Umweltausschusses überlegten jetzt, wie die Bürger effektiv vor der Strahlung, die von den Sendemasten ausgeht, zu schützen seien.

Während die Grünen sich für einen verstärkten Schutz von Kindergärten, Krankenhäusern und reinen Wohngebieten aussprachen, forderte Dr. Luzie Fehrenbacher (BUND), möglichst viele Netzbetreiber auf einen Punkt zu konzentrieren, um dem "Wildwuchs" kleinerer Antennen in der Gemeinde vorzubeugen. Ausschussvorsitzender Norbert Dinraths zeigte sich skeptisch.

Auch die Verwaltung wollte ihren Beitrag zum Schutz der Bürger leisten. "Wir in der Verwaltung sind alle keine Experten. Wir können nur überlegen, dass eine Konzentration der Sendemasten für ähnliche, wenn nicht stärkere Strahlung sorgt, gab Fachbereichsleiter Heinrich Jennes zu bedenken. Zum Antrag der Grünen meinte er, dass es nicht möglich sei, bestimmte Standorte zu benennen oder auszuschließen. Zu den Gesundheitsgefahren, die von den Mobilfunksendemasten ausgehen, gibt es noch keine eindeutige wissenschaftliche Aussage. Langzeitwirkungen sind bisher nicht festzustellen, da erst seit etwa zehn Jahren größere Bevölkerungsgruppen den elektromagnetischen Feldern, die von den Sendemasten ausgehen, ausgesetzt sind.

Unbestritten ist nur, dass elektromagnetische Felder, mit deren Hilfe Daten oder Sprache als Funkwellen Übertragen werden, unterschiedliche Wirkungen auf den Menschen haben können. Das Gesundheitsamt nennt neben thermischen Wirkungen, wobei durch starke Erwärmung des Körpergewebes Organe beschädigt werden können, auch nicht-thermische (athermische) Wirkungen. Hier bestehe unter anderem eine Risiko für die Erhöhung der Krebsrate. Außerdem können die Felder Herzschrittmacher beeinflussen, wobei aber keine Lebensgefahr für die Betroffenen entsteht.

Zu diesen Wirkungen gibt es bisher nur widersprüchliche Ergebnisse aus Tierversuche. Schädigungen des Menschen konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Um solche gefahren zu minimieren haben andere Länder bereits drastische Maßnahmen ergriffen. So gelten in Schweden oder in den USA weitaus niedrigere Grenzwerte für die Strahlenbelastung. Der BUND regte jetzt an, auch in Jüchen nach diesen Werten zu verfahren. Auf Grund der gültigen Rechtslage ist dies aber keine zwingende Forderung.

Auf mehr Informationen für die Anwohner und eine Empfehlung für Standorte abseits von Schulen oder Krankenhäusern einigten sich jetzt die Mitglieder des Umweltausschusses. So sollen die Mobilfunkbetreiber aufgefordert werden, betroffene Anwohner frühzeitig und verständlich über die geplanten Maßnahmen zu informieren. Außerdem soll die Gemeinde eine Standortwahl fern von besonders zu schützenden Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Krankenhäuser anregen. Nach Möglichkeit sollen auch die im Ausland gültigen Grenzwerte eingehalten werden.

Aber: "Das können wir nicht verlangen, sondern nur darum bitten, betonte Heinrich Jennes. "Von Seiten der Verwaltung haben wir damit zu diesem Zeitpunkt ausreichende Maßnahmen ergriffen." Auf Anregung der Grünen wird der Fachbereich 60 als Koordinierungsstelle für Bürgerfragen eingerichtet, außerdem ist eine Internet-Information geplant. Lina Wöhl

(NGZ)
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