Geschichten zum 37. Neusser Sommernachtslauf

Leichtathletik : Der Sommernachtslauf schreibt Geschichten ...

Auch abseits der Wettkämpfe um Zeiten und Platzierungen tat sich am Samstag zwischen Drusushof und Rathaus eine ganze Menge.

Wohl selten zuvor ist beim Sommernachtslauf der TG Neuss ein letzter Platz so stürmisch gefeiert worden wie bei der 37. Auflage am Samstag. Als die Hönesse des Neusser Jägerkorps nach einer halben Stunde ihren Staffel-Einsatz über 4x1110 Meter beendet hatten, mischte sich auch eine gehörige Portion Hochachtung in den Applaus der bestens aufgelegten Zuschauer. Schließlich hatten Major René Matzner, Dennis Fink, Dennis Lech und Andreas Fellen nacheinander ein gut 20 Kilogramm schweres Blumenhorn über die Strecke gewuchtet. Ein echter Kraftakt.

Genau diese (oft kleinen, aber feinen) Geschichten füllen den sportlichen Abend, den Thomas Kempen, Leiter Konzernkommunikation bei der RheinLand Versicherungsgruppe, und André Scheidt, Stadionsprecher des Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf, mit ihrer locker-leichten Moderation erst richtig rund machten, mit Leben. Sie gehören, so Lauf-Organisator Marc Hillen (Agentur h1), „zu dieser ehrlichen und sportlich anspruchsvolle Sportveranstaltung – auch für schnelle und ehrgeizige Breitensportläufer, die den echten  Wettkampf suchen.“

Nicolas Vellen, junger Spitzenschwimmer des Neusser SV, nutzte diese Bühne, um eine wichtige Botschaft zu transportieren. Sein entblößter Oberkörper trug vorne den Schriftzug: „Liebe statt Hass!“ Und auf seinem Rücken war zu lesen: „Laut gegen Rechts!“ Gerade in diesen Zeiten, erklärt er, sei es ihm wichtig, „Kante zu zeigen und sich zu positionieren.“ Schnell unterwegs war er trotzdem – auch an Land: In 21:32 Minuten belegte er Platz zehn im Jedermannlauf über fünf Kilometer. So gar nicht an Ranglisten interessiert waren im Hand-in-Hand-Lauf über fünf Kilometer Natalie Gindra, Tochter von Thomas Gindra (Vizepräsident Sport Special Olympics Deutschland), und Thomas Peschkes, Tischtennisspieler der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN) sowie Teilnehmer an den Olympischen Spielen für Sportler mit Handikap 2011 in Athen. Für ihre Teamarbeit erhielten sie von Marc Hillen in Vertretung des NGZ-Chefreporters Ludger Baten den Friedhelm-Hamacher-Gedächtnispreis für Inklusion. „Ich genieße das“, sagte Natalie Gindra, die ab Mittwoch als Unfied-Partnerin von Beate Heydorn (holte vor drei Monaten Silber bei den Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung in Abu Dhabi) an den Special Olympics NRW in Hamm teilnimmt.

Lauf-Organisator Marc Hillen ehrt Thomas Peschkes und Natalie Gindra (v.l.) mit dem Friedhelm-Hamacher-Gedächtnispreis für Inklusion. Foto: Andreas Woitschützke
37. Neusser Sommernachtslauf. Foto: Andreas Woitschützke
Ein Mann mit Botschaft: Nicolas Vellen vom Neusser Schwimmverein. Foto: Andreas Woitschützke

Mit 988 Kindern im Ziel verpassten die Grundschulläufe über einen Kilometer nur knapp die Marke von 1000 Finishern. Die Wettkämpfe der stets hochmotivierten Knirpse zu Beginn des Klassikers waren wiederum ein Hingucker – genau wie die Team-Staffeln am Schluss. In Abwesenheit des in der Liga gefragten HTC SW Neuss, dessen Hockey-Abteilung in den vergangenen Jahren eine sichere Siegesbank war, lief bei den Männern diesmal die favorisierte TG Neuss mit Habtom Tedros (Platz eins über zehn Kilometer), Richard Wilke (2.), Matthias Rück (3.)  und Nils Reichardt in 13:34 Minuten auf Rang eins. Auch die „TG-Ladies“ Flora Feuring, Franziska Neck, Sabrina Stauten und Belinda Wilke standen am Ende mit ihrer Gesamtzeit von 18 Minuten ganz oben auf dem Treppchen. Die „Sieger der Herzen“ waren freilich die Hönesse des Jägerkorps.

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