Rheinischen Freilicht- und Landesmuseum: Geschichte live - auf dem Heyerhof

Rheinischen Freilicht- und Landesmuseum : Geschichte live - auf dem Heyerhof

Was würden die meisten Menschen ohne Fernseher, Auto oder Handy machen? Das mag kaum vorstellbar sein, doch ein Besuch des Rheinischen Freilicht- und Landesmuseums Kommern, eines der größten in Europas, gibt dazu einen eindrucksvollen Einblick. Im Herdraum des 357 Jahre alten Heyerhofes wurde mit Hilfe eines Buttergöpels hauseigene Butter hergestellt. Das Rad wurde meist von einem Hund angetrieben. NGZ-FOTO: M. Reuter

Was würden die meisten Menschen ohne Fernseher, Auto oder Handy machen? Das mag kaum vorstellbar sein, doch ein Besuch des Rheinischen Freilicht- und Landesmuseums Kommern, eines der größten in Europas, gibt dazu einen eindrucksvollen Einblick. Im Herdraum des 357 Jahre alten Heyerhofes wurde mit Hilfe eines Buttergöpels hauseigene Butter hergestellt. Das Rad wurde meist von einem Hund angetrieben. NGZ-FOTO: M. Reuter

Dort steht auch ein Hof aus Korschenbroich aus dem Jahre 1647 - der Heyerhof. Bis 1794 gehörte er zur reichsunmittelbaren Herrschaft Myllendonk. Nach 325 Jahre wurde der alte Vierkanthof, der im heutigen Herzbroich lag, im Jahre 1971 Stein für Stein abgebaut, und an seinem jetzigen Standort im Freilichtmuseum Kommern originalgetreu errichtet. Dort ist er in der Baugruppe "Niederrhein" angesiedelt.

Der "Kotten Heyerhof" bestand 1834 aus drei Wirtschaftshäusern - einer Scheune, einem Stall für Kleintiere sowie einem Backhaus - und einem Hauptgebäude. Dabei handelt es sich um ein dreischiffiges Hallenhaus - wo das Wohnhaus, der Stallteil mit der Futterdeele im Mittelschiff und die Pferde- und Rinderställe in den Kübbungen untergebracht sind. Diese vier Gebäude sind heute im Ersterbauungszustand zu besichtigen.

Der Herdraum des Wohngebäudes wird durch eine Scherwand mit Durchgangstür von den Stallungen getrennt. Diese Abtrennung deutete auf den Wohlstand und den gehobenen Lebensstandard der Besitzer hin. Zudem zeigt das Innere einen Feuerplatz. Dort konnte das Feuer reguliert werden, indem der Abstand des Topfes zur Flamme verändert wurde. In diesem Raum befindet sich auch der Buttergöpel, der durch ein Rad mit Holzflügeln, die die Milch schlagen, betrieben wurde.

Der Heyerhof steht seit den 70er Jahren im Freilichtmuseum, wo er im Erstzustand zu besichtigen ist. Neben dem Hallenhaus (l.) befindet sich das Backhaus (r.). NGZ-FOTO: M. REUTER

Da die Butterherstellung ein äußerst langwieriger Prozess war, wurde das Rad meistens durch einen Hund angetrieben. Der Hof wurde im 17. Jahrhundert von fünf Personen bewohnt. Allerdings war die Schlafkammer damals der einzige private Raum, der nur den Hofeltern mit ihren Kindern vorbehalten war. Die Angestellten hatten - wie heute Besucher noch sehen können - ihre Schlafplätze in den öffentlichen Teilen des Hauses.

Die Stube des Hofes war luxuriöser als die der anderern Höfe, schon allein wegen des eigenständigen Kamins. Genutzt wurde dieser Raum allerdings nur an Sonn- und Festtagen. Das kleine Backhaus, das wegen möglicher Brandgefahr nicht direkt am Hallenhaus lag, ermöglichte den früheren Bewohnern, ihr eigenes Brot zu backen. Dies war für die Hofbewohner überlebenswichtig, da Brot zur damaligen Zeit sehr teuer war.

Rund 65 weitere historische Gebäude, wie zum Beispiel Bauernhöfe, Windmühlen, Werkstätten sowie dörfliche Gemeinschaftsbauten aus verschiedenen Regionen des Rheinlandes aus der Zeit des späten 15. Jahrhunderts sind in dem Freilichtmuseum wieder original getreu aufgebaut worden, die sich großer Besucherströme erfreuen.

Die Besucher - darunter viele Schüler - haben in Kommern die Möglichkeit, das frühe Leben auf dem Land hautnah nach zu empfinden. Dazu treten Akteure im Rahmen der "Gespielten Geschichte" unter anderem als Bauer oder Schmied auf, die traditionelle Arbeiten in der historischen Kulissen vorführen und dazu natürlich den geschichtlichen Hintergrund erklären. So erleben die Besucher Geschichte live, und tauchen durch diese Erlebnisreise in eine fremde, vergangene Welt ein.

Vier verschiedenen Baugruppen aus der ehemaligen preußischen Rheinprovinz repräsentieren auf 80 Hektar die Regionen Westerwald, Eifel, Niederrhein sowie Bergisches Land und spiegeln ebenfalls die Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse der frühen Siedlungsform wieder.

Das Museum ist ganzjährig geöffnet - vom 1. April bis 31. Oktober von 9 bis 18 Uhr und vom 1. November bis 31. März von 10 bis 16 Uhr. Erwachsene bezahlen einen Eintrittspreis von 5,50 Euro, Kinderkarten kosten zwei Euro. Besucher-Informationen können unter 0 18 05 / 7 43 46 52 63 erfragt werden. Weitere Infos gibt's im Internet unter www.lvr.de .

(NGZ)
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