Kanu : Wo die grauen Eminenzen paddeln

Die Erft bei Gut Gnadental sieht am Samstag die German Masters im Kanu-Slalom mit jeder Menge Prominenz im Starterfeld.

Es wird hoch hergehen am Samstag auf beiden Seiten der Erft in Höhe von Gut Gnadental. Und das nicht nur, weil nach Ende der Wettkämpfe eine Party mit Live-Musik angesagt ist. Sondern weil die German Masters im Kanu-Slalom, die die Kanu-Gemeinschaft Erft am Freitag (freies Training) und Samstag (Einzel- und Mannschaftsrennen) ausrichtet, so eine Art Familienfest der ohnehin sehr familiär geprägten Sportart sind.

Der Unterschied zu normalen Wettkämpfen: Bei den Masters sind die Teilnehmer alle schon ein bisschen in Ehren ergraut. Denn hinter dem Titel verbergen sich die inoffiziellen Deutschen Meisterschaften der Altersklassen, die im Kanu-Slalom mit dem 32. Lebensjahr beginnen. Die ältesten der 120 Starter aus 32 Vereinen, die für Samstag gemeldet haben, haben die Siebzig bereits überschritten.

 Rüdiger Hübbers und Udo Raumann (v.l.)., Europameister 1996.
Rüdiger Hübbers und Udo Raumann (v.l.)., Europameister 1996. Foto: red

Oder sind gerade siebzig geworden. So wie Jakob Hitz, der 1972, als Kanu-Slalom erstmals olympisch war, im Augsburger Eiskanal zusammen mit Theo Nüsing (beide WSC Bayer Dormagen) auf Rang neun im Zweier-Canadier paddelte. Am Samstag geht er bei den Senioren E sowohl im Einer-Canadier als auch im Einer-Kajak an den Start.

 Schirmherr Dieter Welsink war 1979 zusammen mit Peter Czupryna (r.) Weltmeister.
Schirmherr Dieter Welsink war 1979 zusammen mit Peter Czupryna (r.) Weltmeister. Foto: red
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Hitz ist einer von neun Olympiateilnehmern, deren Name in den Meldelisten steht. Mit dabei sind auch die etwas Jüngeren aus dem Rhein-Kreis, die es zu Olympia schafften: Rüdiger Hübbers (54) sitzt in einem Boot mit dem vier Jahre jüngeren Udo Raumann, mit dem er 1996 Mannschafts-Europameister, ein Jahr vorher WM-Dritter und 1992 in Barcelona Olympiavierzehnter war. Thomas Becker (52) war sogar zwei Mal bei Olympia dabei: In Barcelona (26.) und vier Jahre später in Atlanta, wo er im Einer-Kajak Bronze gewann. In seiner Paradedisziplin hat der vierfache Weltmeister (zuletzt 2002) auch für Samstag gemeldet.

Selbst der Schirmherr ist ein (Ex-)-Weltmeister: Dieter Welsink, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion und Präsident der Sparkassenstiftung Sport, gewann 1979 den Titel zusammen mit Peter Czupryna – olympische Ehren blieben ihm aufgrund des Boykotts der Spiele in Moskau 1980 verwehrt. „Bereits als Zehnjähriger habe ich für den WSC Bayer Dormagen nicht nur auf dem Rhein trainiert, sondern viele Stunden auch in den Strömungen an der Gnadentaler Brücke verbracht,“ erinnert sich der 61-Jährige, der sich deshalb „besonders freut, dass die Deutschen Senioren-Meisterschaften hier ausgetragen werden.“

Bei aller Freude über „das Wiedersehen mit alten Freunden“, sagt Britta Sawukaytis, schwingt aber auch viel Wehmut mit: „Werden es vielleicht die ersten und zugleich letzten German Master im Neusser Gnadental sein?“ fragt die Vorsitzende der ausrichtenden Kanu-Gemeinschaft Erft, einem Zusammenschluss von 18 Vereinen mit rund 4000 Mitgliedern, mit Blick auf die anstehende Renaturierung der Erft, die danach mit einem Durchfluss von rund drei Kubikmetern pro Sekunde „nur noch als Rinnsal wahrzunehmen sein wird“. Die Hildenerin, die selbst für den Einer-Kajak gemeldet hat, hofft freilich, „dass die bürokratischen Mühlen so langsam arbeiten, dass wir unsere Slalomstrecke am Gut Gnadental noch möglichst lange für Training und Wettkämpfe nutzen können.“ Vor neun Jahren hatte die Kanu-Gemeinschaft hier bereits die Deutschen Schülermeisterschaften ausgerichtet.

Welsinks Hoffnungen zielen in eine andere Richtung: den in der Vor-Planung befindlichen Wildwasserpark am Straberg-Nievenheimer See. 4000 Mitglieder in der Kanu-Gemeinschaft seien ein wichtiges Argument für die In-Angriffnahme des Projektes, sagt der Politiker, denn sie zeigten, „dass der Kanu-Slalom weiterhin Anziehungskraft ausübt.“ Am Samstag sogar bei denen, die vor 47 Jahren bei der olympischen Premiere dabei waren – und inzwischen in Ehren ergraut sind.