Lokalsport: Gerettet — doch Khan will mehr

Lokalsport: Gerettet — doch Khan will mehr

Mit dem mühsam erarbeiteten 34:29-Sieg über die TSG Groß-Bieberau und nun acht Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat Handball-Zweitligist TV Korschenbroich den Klassenerhalt so gut wie sicher. Doch Trainer Khalid Khan will sich damit keineswegs zufrieden geben.

Khalid Khan ist ein ehrgeiziger Mensch. Während sich alle, die sich dem Handball in Korschenbroich verbunden fühlen, nach dem mühsam erarbeiteten 34:29-Sieg (Halbzeit 14:11) über die TSG Groß-Bieberau gegenseitig auf die Schulter klopften und von einem weiteren Jahr in der Zweiten Liga redeten, blieb der Trainer des TV Korschenbroich gewohnt cool: "Kann sein, dass 25 Punkte zum Klassenerhalt reichen", belehrte er auf der obligatorischen Pressekonferenz nach dem Schlusspfiff Hallensprecher Jürgen Boss und die wenigen der ohnehin nur 580 Zuschauer, die noch in der Waldsporthalle geblieben waren, "mir reichen sie aber nicht."

Khan gefällt sich in der Rolle des Euphoriebremsers. Angesichts der Vorstellung, die seine Schützlinge zuvor gegen die biederen Gäste aus dem Odenwald geboten hatten, wirkte sie nicht einmal aufgesetzt. Ein weniger limitierter Gegner als die TSG Groß-Bieberau, die seit Monaten auf ihren besten Torschützen Dennis Rybakov verzichten muss, bei der Trainer Thomas Göttmann nur in Ausnahmefällen seinen kompletten Kader zum Training beisammen hat, hätte die Korschenbroicher nämlich in höchste Bedrängnis bringen können an diesem Abend.

Denn die Hausherren vergaßen über weite Strecken der Partie, "die Handbremse zu lösen", wie ihr ehemaliger Rechtsaußen und jetzige Marketing-Manager Kai Faltin treffend feststellte. Zwar attestierte Khan den Seinen eine "überragende Abwehrleistung", doch damit hatte der Handball-Lehrer ein bisschen dick aufgetragen. Wer "überragend" deckt, darf keine 29 Gegentreffer gegen einen Gegner kassieren, der lange — der Ex-Dormagener Szabolcs Laurencz hatte unter der Woche zwei Tage fieberkrank im Bett gelegen — mit einem Rechtshänder im rechten Rückraum agierte. Noch dazu mit einem so schwerfälligen wie Andreas Neumann, gegen dessen Gewaltwürfe die TVK-Abwehr freilich kein Mittel fand.

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"Überragend" war an diesem Abend, wenn überhaupt, Thomas Bauer, der mit 16 Paraden seine Wiedergeburt feierte, nachdem der Österreicher nach der EM-Euphorie und dem Wirbel um seinen Vereinswechsel zwischenzeitlich in ein tiefes Loch gefallen war. "Stark" Christian Rommelfanger, der mit sieben Treffern zeigte, dass er endlich langsam in der Zweiten Liga angekommen ist. Der Rest bot Durchschnittliches und brauchte entsprechend lange (31:26, 55.) um sich entscheidend abzusetzen. Und das, "obwohl unsere eigentliche Stärke, die Deckung, heute gar nicht funktioniert hat", wie Szabolcs Laurencz eingestand. Was die Nachwuchs-Schiedsrichter Grobe/Kinzel freilich nicht daran hinderte, den Gästen acht Zeitstrafen zu verpassen.

"Dabei glich das Ganze doch eher einem Freundschaftsspiel", ereiferte sich Gästetrainer Göttmann nicht zu Unrecht. Genau die möchte Khan in den verbleibenden acht Partien bis Saisonende nicht sehen. Doch ob der TVK ohne Druck noch einmal zur großartigen Form der Hinrunde findet, scheint fraglich.

(NGZ)