Bundesstützpunkt in Dormagen : Generationswechsel bei TSV-Fechtern

Nach Olympia in Tokio haben drei Dormagener Weltklasse-Säbelfechter ihre Karrieren beendet. Jetzt muss der TSV den Umbruch gestalten. Erschwerend kommt hinzu, dass noch unklar ist, welche Fördermittel zur Verfügung stehen.

Das waren wahrliche keine guten Nachrichten, die den Deutschen Fechterbund (DFB) am Montag aus Berlin erreichten. Bei der Präsentation der im Rahmen der Leistungssportreform 2017 auf den Weg gebrachten Potenzialanalyse (Potas) der einzelnen Fachverbände landete der DFB auf dem vorletzten Platz, nur der Deutsche Basketball-Bund war noch schlechter. Und weil die Potas die Grundlage für die Verteilung von Fördermitteln des Bundesinnenministeriums für den nächsten Olympischen Zyklus bis 2024 ist, steht zu befürchten, dass der DFB insgesamt und damit auch der Bundesstützpunkt der Säbelfechter in Dormagen weniger Geld bekommen. Schon am Dienstag sollte eine Förderkommission die Summen festlegen, die an die Verbände fließen.

„Das habe ich auch mit großer Verwunderung gelesen. Wie das funktionieren soll, ohne vorher mit den Verbänden zu sprechen, weiß ich nicht“, sagt Olaf Kawald, Cheftrainer und Sportlicher Leiter beim TSV Bayer Dormagen. Vor diesem Hintergrund wird es für ihn und Herrensäbel-Bundestrainer Vilmos Szabo ganz sicher nicht einfacher, den Generationswechsel hinzubekommen, der nach dem Abschied dreier langjähriger Leistungsträger ansteht. In Gestalt von Max Hartung, Benedikt Wagner und Richard Hübers hatten schon vor den Olympischen Spielen drei Athleten, die eine gefühlte Ewigkeit in der Weltklasse vertreten waren, ihr Karrierende nach Tokio angekündigt. Übriggeblieben ist aus dieser Generation nur noch Matyas Szabo, der noch bis Paris weitermachen möchte.

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Was die Fördermittel anbelangt, bleibt Olaf Kawald relativ gelassen. „Ich gehe davon aus, dass es noch eine ganze Weile dauert, bis die Auswirkungen der Potas uns erreichen. Wir werden unsere Planungen erst einmal unabhängig davon fortführen.“ Der TSV-Cheftrainer glaubt nicht, dass die Finanzierung der Gehälter der drei Bundestrainer Vilmos Szabo (Herren), Dan Costache (Damen) und Gergely Bokor (Nachwuchs) betroffen sein wird. Am ehesten könnte es aus seiner Sicht sein, dass an der Finanzierung von Wettkampfreisen gespart wird. Dann würden beispielsweise nur noch die Kosten zweier Athleten übernommen statt aller. „Das ließe sich eventuell auf anderen Wegen kompensieren, aber auch nur bis zu einem gewissen Grad“, betont Kawald. Jetzt geht es zunächst mal darum, eine neue Mannschaft um Matyas Szabo aufzubauen, die die Chance hat, sich für die nächste Olympischen Spiele zu qualifizieren.

 Die talentierte Larissa Eifler rückt mehr in den Fokus.
Die talentierte Larissa Eifler rückt mehr in den Fokus. Foto: Augusto Bizzi

Dabei profitieren die Dormagener davon, dass sie in den vergangenen Jahren im Schatten ihrer Aushängeschilder Talente weiterentwickelt haben. So stehen zum Beispiel Raoul Bonah (22), Lorenz Kempf (24), Benno Schneider (27), Luis Bonah (24) und Leon Schlaffer (20) auch schon im Perspektivkader des DFB und rücken jetzt noch mehr in der Fokus von Vilmos Szabo. Sie haben zwar im Einzel alle schon Erfahrungen auf internationalem Parkett gesammelt, doch mit Blick auf die Olympia-Qualifikation gibt es das Problem, dass sie bei den Herren wegen der großen Konkurrenz im eigenen Lager noch nie im Teamwettbewerb dabei waren. Qualifiziert sich aber das Team, wären in Paris alle automatisch auch im Einzel dabei. „Es ist schwer, aber nicht unmöglich, dass die Mannschaft es schafft. Schließlich haben auch andere Nationen nach Olympia einen Umbruch zu bewältigen“, erklärt Olaf Kawald.

Wobei nach den Rücktritten im Herrensäbel im neuen Olympiazyklus auch die Frauen mehr Aufmerksamkeit bekommen sollen. Denn nicht nur die routinierte Anna Limbach will einen neuerlichen Versuch unternehmen, eine Olympiaticket zu lösen. Im DFB-Perspektivkader stehen auch noch die beiden Dormagenerinnen Larissa Eiffler (22) und Lea Krüger (25) sowie Julika Funke (20) und Elisabeth Gette (20), die zwar Mitglied des FC Würth Künzelsau sind, aber am Höhenberg trainieren. In diesem Pool an Fechterinnen sieht Olaf Kawald auf jeden Fall das Potenzial für eine Mannschaft, die das Ticket für Paris lösen kann: „Vor Corona waren sie top motiviert und auf einem richtig guten Weg. Schade, dass sie ausgebremst wurden.“ Aktuell sind einige von ihnen in einem Trainingslager in Polen, um sich mit Hilfe von internationalen Trainingspartnerinnen, auch aus der Ukraine und der Türkei, wieder in Form zu bringen. Bis zum ersten Wettkampf ist jedenfalls noch etwas Zeit. Der Auftakt der Weltcup-Saison ist erst im November in Orléans/Frankreich (Frauen) und Algier/Algerien (Männer) geplant.