Jüchen : "Gemeinde muss am Ball bleiben"

Jüchen Harald Zillikens (CDU) und Hans-Josef Schneider treffen bei der Kommunalwahl am 30. August als Spitzenkandidaten aufeinander. Auf Einladung der NGZ diskutierten sie über ihre Standpunkte.

Haushalt

Die SPD lehnt den Haushalt ab, weil sie ein Entschuldungskonzept vermisst. Die CDU hält dem entgegen, dass abstrakte Konzeptionen in der Tagespolitik nicht weiterhelfen. Wie sehen Sie das?

Hans-Josef Schneider Wir haben den Haushalt nicht mitgetragen, weil über eine Entschuldungsstrategie nicht nachgedacht wurde. Die Gemeinde muss ihre Möglichkeiten nutzen. Gewerbegebiete müssen zügig erschlossen werden. So wie die Flächen hinter Polo — übrigens ein Zufallsprodukt. Alte Ortskerne wie Hochneukirch müssen entwickelt werden, damit Kaufkraft gebunden wird — stattdessen wird nur Verschönerung betrieben. Also: Mehr Einwohner, mehr Schlüsselzuweisungen, so kommt man strategisch zu Rande.

Harald Zillikens Sie reden von Verschuldung, verschweigen aber, dass hier entsprechende Werte gegenüberstehen. Die Gemeinde hat viel geschaffen: das Gymnasium, die Realschule oder die Dreifachhalle. Der Kunstrasenplatz in Bedburdyck-Gierath wurde erstellt, in Jüchen wird einer gebaut. Das sind Dinge, die dem Bürger zugute kommen und Jüchen attraktiv machen. Und Polo war kein Zufall. Die Gemeinde hat zügig auf die Anfragen dieses Unternehmens reagiert. Das können wir uns positiv anrechnen.

In einem stimmt Zillikens seinem Herausforderer zu. Die Ertragsseite des Haushalts müsse verbessert werden — über weitere Ansiedlungen von Handel, Handwerk und Gewerbe. Die Gemeinde sei hier am Ball, etwa bei der Erweiterung des Industriegebiets-Ost.

Zillikens Die Planungen für Ost laufen konkret, auch wenn man dafür das Gewerbegebiet Hochneukirch als Kompensationsfläche aufgeben muss. Dieses liegt von der Verkehrsanbindung her ungünstig. Und Gewerbetreibende hatten 30 Jahre Zeit, sich dort anzusiedeln, es ist aber nur wenig passiert.

Schneider Das will ich nicht so stehen lassen. Wenn Sie sagen, da ist nur wenig passiert, halte ich dagegen: Wo ist die aktive Wirtschaftsförderung? Die Stelle ist unterbesetzt — so wird niemals ein Gewerbegebiet voll laufen. Ich bleibe dabei: Da ist keine Kontinuität drin, die Verwaltungsspitze hat keinen Masterplan.

Zillikens Ich sehe hier einen Widerspruch. Die SPD prangert die Verschuldung an, will aber für Planspiele externe Kräfte einstellen. Das alles kostet doch zusätzliches Geld.

Schneider Die sich aber in der Zukunft wieder auszahlen.

Zillikens Einspruch! Wenn ich eine Schule baue, ist das eine Investition in die Zukunft.

Wirtschaft

Muss die Wirtschaftsförderung in Jüchen verstärkt werden?

Zillikens Wir sind hier schon gut aufgestellt. Die Wirtschaftsförderung untersteht als Stabsaufgabe der Bürgermeisterin. Wenn ich ihre Nachfolge antreten sollte, wird das so bleiben. An der ihr untergeordneten Stelle lässt sich natürlich etwas verbessern. Aber: Die Erfolge können sich sehen lassen. Alleine auf der Expo in München hat es über 30 Firmenkontakte gegeben.

Schneider Die Bilanz kenne ich. Gespräche sind immer gut. Wichtiger ist aber, dass etwas daraus entsteht. Ich nenne hier mal den Adenauerplatz in Hochneukirch. Hier haben wir den Antrag für eine Marktanalyse gestellt, wir wollen wissen, was damit geschieht. Das aber lehnt die CDU ab, sie will nur drei Bäume pflanzen und eine Bank aufstellen.

Zillikens Also, Herr Schneider. Bei der SPD-Veranstaltung zum Adenauerplatz war schlicht und ergreifend niemand da, weder Anwohner noch Geschäftsleute. Das zeigt, dass die Betroffenen mit der jetzigen Situation nicht unzufrieden sind.

Schneider Dass die nicht gekommen sind, hat mich auch geärgert. Wer aber da war, waren Auswärtige. Also Leute, die sich wünschen würden, in Hochneukirch einkaufen gehen zu können. Die fahren heute lieber nach Odenkirchen.

Zillikens und Schneider weisen in diesem Zusammenhang auf die Lebensmittelmärkte hin, die sich im Bereich Neu-Otzenrath/Spenrath, Holz und Hochneukirch konzentriert hätten. Dabei müsse auch der Blick auf die Entwicklung von alten Standorten geachtet werden.

Schneider Ich vermisse hier ein Konzept der Wirtschaftsförderung. Ich habe in dieser Hinsicht noch nichts gehört. Auch nicht von den ortsansässigen Ratsvertretern. Alle jammern nur: Packt mir ja nicht den Kirmesplatz in Hochneukirch an.

Zillikens Da wird nicht gejammert. Wirtschaftsförderung ist nicht die Gestaltung des Adenauerplatzes. Die Situation vor Ort ist recht schwierig. Wir haben dort ein Bistro, das ab 22 Uhr Probleme mit der Außengastronomie hat. Da gibt es Klagen von Anwohnern, die Ihnen bestens bekannt sind, Herr Schneider. Die sind schließlich auf einigen Wahlplakaten zu sehen.

Verkehrsentwicklung

Die Jüchener Vorstellungen für einen Verkehrsentwicklungsplan werden vom Landesbetrieb Straßen abgelehnt, insbesondere was die Einbeziehung der Grubenrandstraße in eine Umgehungslösung angeht. Hat es hier Versäumnisse gegeben?

Schneider Das wird mir nicht offensiv genug angepackt. Das Thema ist alt, aber passiert ist nichts. Anders in Rommerskirchen, da ist die Ortsumgehung realisiert worden — weil man da am Ball geblieben ist. Wer uns in Jüchen hätte helfen können, wäre Willy Wimmer gewesen.

Zillikens Willy Wimmer steht nicht zur Wahl. Im CDU-Programm ist die Umgehungsstraße für Jüchen ein Thema. Es gibt bekanntlich die Varianten der West- und Ostumgehung, das wird geprüft. Mit Sicherheit ist es wichtig, die Abgeordneten einzubinden. Was die Kritik an der B59 und Polo angeht: Die Verkehrsbelastung ist ja gar nicht so hoch, 10 000 bis 12 000 Fahrzeuge.

Schneider Doppelt so hoch wie vor Polo . . .

Zillikens Biker fahren mit ihrem Motorrad zu Polo, das ist doch wohl klar. Die B 59 ist eine Bundesstraße.

Jugend

Gibt es genügend Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche?

Zillikens Wir haben viele und gute Sportstätten, und wir denken darüber nach, dieses Angebot noch auszubauen. Es gibt eine aktive Jugendarbeit, es wird einiges geboten. Was fehlt, sind Veranstaltungsmöglichkeiten am Abend. Wir denken darüber nach, die Situation in Bedburdyck-Gierath zu verbessern.

Schneider Was mir am Herzen liegt: Die Jugend braucht eine aktive Beteiligung. Sie muss ihre Ideen in einem Jugendrat selbst einbringen und im Dialog mit der Verwaltung entwickeln.

Zillikens Ein Jugendbeirat wird die Freizeitsituation nicht entscheidend verbessern. Ein solcher Beirat muss moderiert werden, er darf nicht alleine gelassen werden, sonst geht die Kontinuität verloren.

Ortsgestaltung

Ist der Marktplatz für Sie ein Wahlkampfthema?

Schneider Der steht auf meiner Agenda. Überhaupt habe ich vor, mich um die Ortskernsanierung zu kümmern. Es gibt so viele unbewohnte Häuser und Freiflächen. Der Kern könnte attraktiver gestaltet werden. Mal ein Stichwort: Rheinischer Hof.

Zillikens Klasse Stichwort. Die Gemeinde kann die Situation nur verbessern, wenn sie den Rheinischen Hof aufkauft oder einen Investor findet. Das aber ist angesichts des maroden Gebäudes unmöglich.

Schneider Nichts ist unmöglich.

Zillikens Aber es wäre unrealistisch.

Schneider Das sehe ich nicht so.

Zillikens Sie tun ja so, als würde man das nicht hinterfragen. Es gibt an vielen Orten Bemühungen, an diesem Schandfleck etwas zu tun.

Schneider Dann müssten auch mal Ergebnisse auf dem Tisch liegen.

Supermarkt

Ein Supermarkt für Bedburdyck: Wie sehen Sie die Lage?

Zillikens Es werden alle Möglichkeiten ergriffen, einen Supermarkt hinter der Turnhalle oder in der Nähe zu platzieren. Das wird von der Verwaltung überprüft. Ob das realisiert werden kann, hängt von vielen Faktoren ab — da spielen etwa Landschaftsschutz und Verkehr eine Rolle.

Schneider Und diese Dinge müssen verwoben werden. Wenn Sie sagen, dass die Verwaltung prüft, dann ist das für mich zu kurz gegriffen. Dabei muss auch die Frage berücksichtigt werden, ob die Halle in Stessen erhalten bleiben muss.

Zillikens Ein interessanter Ansatz.

Schneider Nicht wahr?

Zillikens Ich meine das ironisch. Dann sollten Sie dem Wähler sagen: Wir schließen die Halle in Stessen, die ist nicht erforderlich. Ich bin anderer Ansicht: Sie ist gut belegt und beide Interessen sind in einer neuen Halle in Gierath nicht unterzubringen. In unserem Programm steht, dass die Stessener Halle modernisiert wird.

Schneider Ich will das Angebot optimieren. Dazu gehört eine neue Halle, eine Dreifachhalle, wenn die Belegung es erfordert. Die alten Schätzchen müssen nicht sein. Ich halte also fest: Die CDU schließt die Halle in Gierath.

Zillikens Die wird neugebaut, darum geht es ja.

(RP)
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