Fußball : Gegen die Fußballkrise

Die Lage in der Fußballszene der Stadt Neuss ist seit langem nicht gerade rosig. Der Stadtsportverband will zusammen mit den Neusser Fußballklubs ein Jugendförderkonzept auf den Weg bringen, das Abhilfe schaffen soll.

Wenn in zwei Wochen auf der Wolker-Anlage zum elften Mal der Novesia Cup steigt, dann ist das nach Angaben des Veranstalters eines der am besten besetzten D-Jugendturniere in Deutschland. Als Veranstalter tritt zum fünften Mal der Stadtsportverband Neuss (SSV) auf, den es mächtig wurmt, dass der eigene Nachwuchs zwar in Form des Neusser DFB-Stützpunktteams dabei sein wird, aber im Kanon der zahlreichen Klassemannschaften eher die Rolle des Sparringspartners einnimmt.

Im vergangenen Jahr zeigten die Teams von Borussia Mönchengladbach und MSV Duisburg im Finale des Novesia Cups tollen D-Jugend-Fußball — gute Vorbilder für heimische Spieler und Trainer. Foto: A. Woitschützke

Das hängt wiederum damit zusammen, dass sich der Fußball im Allgemeinen und der Jugendfußball im Speziellen in der Quirinusstadt in einem schlechten Zustand befindet. Das soll so nicht länger hingenommen werden: Der SSV mit seinem Vorsitzenden Wilhelm Fuchs an der Spitze will zusammen mit den Neusser Fußballvereinen ein Jugendförderkonzept umsetzen, das den Weg in eine bessere Zukunft ebnen soll.

Wie sich das die Beteiligten vorstellen, wurde gestern bei einer Pressekonferenz in der Alten Schmiede präsentiert, bei der aus gutem Grund auch der Novesia Cup eine Hauptrolle spielte. Denn das ohnehin schon mit einem guten Ruf versehene Turnier soll künftig noch weiter aufgewertet werden, um es als Teil des Jugendförderkonzeptes zum Aushängeschild für den Neusser Jugendfußball zu machen. "Der Fußball lebt von Wettbewerben auf hohem Niveau. Ein solches Turnier sollte für Trainer und Spieler motivierend sein", meinte Dr. Klaus Vossen, Erfinder des Novesia Cups. Erstaunlich findet er, dass sich in der Vergangenheit aber kaum ein Neusser Trainer dort hat blicken lassen. "Dabei lässt sich dort doch wunderbar beobachten, was in Sachen Jugendfußball möglich ist", ist Vossen überzeugt.

Dass in Sachen Jugendfußball in Neuss aktuell nicht so viel möglich ist, skizzierte Klaus Becker in seiner Funktion als 2. SSV-Vorsitzender, bevor er sich daran machte, die weiteren Elemente des Förderkonzeptes vorzustellen. "Obwohl es rund 3500 Nachwuchskicker gibt und jeder Verein kostenlos eine Anlage nutzen kann, ist derzeit nur der TSV Norf in der Niederrheinliga vertreten", meinte Becker enttäuscht. Darüber hinaus hätten acht Vereine keine A-, fünf keine B- und drei keine C-Jugend. "Klar, dass das nicht ohne Einfluss auf den Seniorenfußball bleibt", erklärte Becker und fand einen Fürsprecher in Sportamtsleiter Friedhelm Thissen: "Das eine Stadt wie Neuss mit 150 000 Einwohnern nur mit Mannschaften in der siebten Liga vertreten ist, ist ein Armutszeugnis."

Als Ursache des Übels haben Becker und seine Mitstreiter aus einer Arbeitsgruppe, in der 14 der 18 Vereine aus dem Stadtgebiet mitmachen, gerade in den unteren Jahrgängen die Qualität des Trainings ausgemacht. Deswegen soll künftig ein erstklassig ausgebildeter Fußballlehrer in die Vereine gehen, um die Vereinstrainer fortzubilden. Außerdem soll es künftig pro Altersklasse ein Auswahlteam geben.

"Eine kleine Nationalmannschaft, für die zu spielen etwas Besonderes sein muss", erklärte Becker, der den Jugendfußball auch über Partnerschaften zu Seniorenspielern stärken will, um die Betreuung zu verbessern und für Begeisterung zu sorgen. So hat er den aus Neuss stammenden Ex-Profi und Bundesligatrainer Friedhelm Funkel als Gesicht für das Konzept gewinnen können. Des Weiteren wird der SSV die Vereine dabei unterstützen, sich in der Nachmittagsbetreuung an Ganztagsschulen zu engagieren. "Denn die Klubs haben noch gar nicht erkannt, welche Gefahr dort liegt. Wenn sie es nicht schaffen, die Kinder dort abzuholen, werden sie große Probleme bekommen, überhaupt noch Nachwuchsspieler zu finden", sagte Becker.

Die Stadtwerke Neuss haben sich von dem Förderkonzept jedenfalls schon überzeugen lassen, denn sie sind als Sponsor beim Novesia Cup eingestiegen. "Das ist eine sehr gute Sache, es ist sogar denkbar, dass wir uns in Zukunft noch stärker engagieren", meinte Jürgen Scheer, Leiter Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Neuss.

(RP)
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