Galopp: Simon de Vlieger kehrt zurück

Einst stand der Hengst bei Axel Kleinkorres im Stall, jetzt läuft er wieder in Neuss.

Wenn am kommenden Dienstag ab 17 Uhr auf der Galopprennbahn in Neuss acht Rennen gestartet werden, dann bekommen die Besucher und die Zuschauer an den Bildschirmen der Wettannahmestellen in Deutschland und über den französischen Sender Equidia sowie die längst unzählbaren Internet-Zugänge erneut volle Felder präsentiert. Insgesamt sind 99 Pferde in den acht Rennen bis 20.43 Uhr gemeldet.

Die Anzahl der Rennen ist hierzulande immer weniger und bei den Versuchen der deutschen Trainer und Besitzer in Belgien und Frankreich sind Enttäuschungen längst zum Alltag geworden. Also bleiben nur Dortmund und Neuss als Alternativen.

Für den Neusser Trainer Axel Kleinkorres wird es am Dienstag ein Wiedersehen mit einem Pferd geben, das er sich so nicht vorgestellt hatte. Es ist der vierjährige Hengst Simon de Vlieger, den Maxim Pecheur im siebten Rennen reitet. Das nach einem niederländischen Marinemaler getaufte, imposante Pferd stand bis zur BBAG-Herbst-Auktion am 20.Oktober in Baden-Baden/Iffezheim bei ihm im Stall. In Iffezheim wurde der Hengst für 34.000 Euro an einen Besitzer am Stall von Championtrainer Markus Klug zugeschlagen. Dort stand Simon de Vlieger schon als junges Pferd, doch nach Problemen mit Koliken kam er in die Obhut von Axel Kleinkorres nach Neuss. Er führte das geschonte Pferd zu drei Siegen, die Szene horchte auf und die anspruchsvolle Besitzerfamilie Bischoff-Lafrentz vom Gestüt Görlsdorf in der fernen Uckermark (eine Stunde hinter Berlin) war schon mit der Planung von Starts in Europa-Gruppe-Rennen beschäftigt.

Davon hat Axel Kleinkorres sie zwar herunter argumentiert, aber seine Hoffnungen auf weitere Siege in noch angemesseneren Rennen erfüllten sich nicht. Es gab kaum zu fassende, unsäglich schlechte Ritte des Niederländers Adrie de Vries (in München) und auch vom sonst so verlässlichen Champion Andrasch Starke in Dortmund. Beide haben ihre taktischen Fehler zwar schnell eingestanden, doch für die Besitzer zählte nur der alte Satz: „Für den Sieg gibt es keinen Ersatz.“

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Weil das auch beim einzigen Auslandsstart im französischen Craon (auf unpassendem Boden) nicht klappte, wurde Simon de Vlieger zur Auktion in Iffezheim angemeldet und Axel Kleinkorres ahnte es schon vorher: „Der Preis wird so hoch werden, dafür habe ich keine Besitzer im Stall.“ Bei 34.000 Euro fiel der Hammer und der talentierte Hengst ging an einen Besitzer aus dem Klug-Stall im Gestüt Röttgen in Köln-Rath.

Damit endete für den Trainer aus Neuss dieses Kapitel. Einmal ist Simon de Vlieger bisher für den neuen Eigner gelaufen und wurde in München Zweiter. Nun soll er in Neuss mit einem Sieg zur Sicherung des vierten Trainer-Championates für Markus Klug beitragen. Der führt mit 66 Siegen vor Peter Schiergen mit 56 Erfolgen und keinem Starter am Dienstag in Neuss.

Für Axel Kleinkorres bleibt der Trost: „Ich habe vier Zweijährige aus Görlsdorf, die alle noch nicht gelaufen sind. Wenn sie gesund bleiben, sollten 2019 damit einige Siege möglich werden.“ Der Kontakt von Görlsdorf nach Neuss kam durch die Erfolge mit dem Hengst Matchwinner zustande, den Kleinkorres allein 2017 zu zwei Europa-Gruppe-Siegen führte. Er wurde vor der Saison 2018 hochpreisig an das Adelresort in Kevelaer verkauft. Nach einem letzten Platz beim vierten Jahresstart im Dallmayr-Preis am 29.Juli in München ist er nicht mehr gelaufen und von den Trainingslisten verschwunden.

Ob das Gewinnen auch mit dem bereits fünfjährigen Wallach Luccianas Beat machbar ist, steht in den Sternen. Das Pferd gehört Katharina Daniela Werning und ihrem Ehemann, dem Krombacher Brauereimanger Stephan Maubach. Der Wallach könnte sich aktuell um den Titel „Deutschlands schlechtestes aktives Rennpferd“ bewerben. Da ist Axel Kleinkorres als Experte für schwere Fälle genau die richtige Lösung. Kathi Werning hat einige Jahre lang die Turfszene vielfältig belebt. Mit  ihrer Attraktivität, aber auch mit spektakulären Stürzen. Der Unfall im Januar 2008 in Neuss kam sogar für 21 Sekunden im preisgekrönten Film „Soul Kitchen“ von Fatim Akin vor.

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