Galopp : Vom Obertorweg geht’s direkt nach Australien

Mit der Stute Attention Run verliert der Neusser Galopptrainer Axel Kleinkorres das zweite gute Pferd innerhalb eines Jahres.

Wenn man in Deutschland ein Rennpferd mit einem einigermaßen vorzeigbaren Können besitzt, dann kann das eine interessante Kapitalanlage sein. Es ist nicht einmal ein absolutes Spitzenpferd der Grand-Prix-Kategorie nötig.

Das zeigt das Beispiel der Stute Attention Run aus dem Stall von Trainer Axel Kleinkorres in Neuss. Das Zauberwort für hochpreisige Verkäufe heißt Australien. Downunder verfügt über 367 Rennbahnen (in Deutschland mit allen kleineren und derzeit ruhenden Bahnen sind es um die 30) und Pferde aus deutschen Rennställen sind extrem begehrt. Vor allem, nach dem Sieg des von Andreas Wöhler in Gütersloh-Spexard  trainierten Hengstes Protectionist im Melbourne-Cup 2014 mit einer Gewinnsumme von über 2,3 Millionen Euro. Am Tag dieses Rennens auf dem Flemington Racecoruse ruht im Lande die Arbeit, es ist eine Art Nationalfeiertag. Diesmal am Dienstag des 6.November.

Auch 2018 sind zahlreiche deutsche Pferde über pfiffige Agenten nach dort transferiert worden – jetzt hat es auch eine Stute aus dem Stall des Neusser Trainers Axel Kleinkorres „erwischt.“ Für die Dreijährige  Attention Run gab es bereits Anfragen aus den USA, doch nun hat der Vollblutexperte und Pferdehändler Ronald Rauscher sie nach Australien vermittelt. Für die Besitzerin und Züchterin Jeanette Stadler aus dem bayerischen Neuching war es eine schwere Entscheidung, aber letztlich war die sechsstellige Summe (im unteren Bereich) mehr als das, was Attention Run noch jemals hätte in Deutschland verdienen können. Bei zwei Siegen beträgt ihre Einnahme hierzulande rund 15.000 Euro. Die Stute ist ein gutes, aber sicher kein herausragendes Pferd-. Auch mit einer vorzeigbaren, aber keineswegs zum Niederknien gehaltvollen Abstammung. All das reichte für den Transfer. Pferde aus Deutschland sind für die Australier immer noch preiswerter als solche aus England und Frankreich und deshalb hat die deutsche Auktionsmanagerin Carola Ortlieb auch verstärkt und erfolgreich Kontakte nach Australien geknüpft.

Axel Kleinkorres hat damit nach dem Hengst Machwinner zwei seiner besten Pferde in einer Saison verloren. Er sieht das pragmatisch: „Es ist ja auch ein Kompliment für unsere Arbeit.“ Der im Vorjahr in zwei Europa-Gruppe-Rennen in Hamburg und Hoppegarten erfolgreiche, aber bereits siebenjährige Hengst wurde zu Saisonbeginn vom Betreiber des Adel Resort in Kevelaer erworben. Mit dem Ziel eines Starts am 7.Oktober im Prix de l` Arc de Triomphe in Paris-Longhamp, dem größten Rennen der Welt. Dazu wird es nicht kommen. Das Pferd ist nach vier erfolglosen Starts (zweimal Fünfter, einmal Sechster und  einmal Letzter) für den neuen Besitzer und Trainer von der offiziellen Trainingsliste verschwunden. Heute läuft in Hoppegarten der Preis der Deutschen Einheit. Matchwinner war der Sieger. Es war auch die Erfüllung eines Traumes für Axel Kleinkorrres. Zugeben wird es das nie.

Ein anderes hoffnungsvolles Pferd steht noch in den Stallungen am Obertorweg. Es ist der vierjährige Hengst Simon de Vlieger. Er soll beim Herbst-Meeting vom 18. bis 20.Oktober in Baden-Baden/Iffetzheim antreten. Zuletzt scheiterte das endspurtstarke Pferd  zweimal an den Jockeys. Wenn dem aus den Niederlanden stammende Namensgeber des Pferdes so häufig der Pinsel entglitten wäre wie den Reitern das Gefühl für die Taktik, dann wäre nie ein Bild des Marinemalers mit den Stürmen und Seeschlachten fertig geworden und auch nicht im Rijksmuseum von Amsterdam gelandet.

Kleinkorres möchte in Iffezheim gerne den ihm vertrauten Belgier Stephen Hellyn im Sattel haben, die Besitzer des Pferdes plädierten zuletzt für zwei andere, namhaftere Sattelkünstler. Immerhin gestanden beide Herren nach den Rennen reumütig ihr Versagen ein.