Galopp : Galopprennbahn statt Kneipe

Zwischenzeitlich hatte sich Karl Demme als früherer Jockey und Trainer mehr auf seinen Job als Kneipier konzentriert als auf den Galopprennsport. Mittlerweile trainiert er wieder Pferde, morgen in Neuss ist er mit Kronerbe am Start.

Zehn Jahre lang hat Karl Demme in Langenhagen bei Hannover hinter dem Tresen gestanden und in seiner Kneipe namens "Klönschnack" Pils gezapft und sich mit den Gästen unterhalten. Darunter waren viele aus dem Galopprennsport, denn Demme war eigentlich Jockey und Trainer. Morgen kommt der 56-Jährige nach Neuss. Die Kneipe ist längst geschlossen: "Sie war nach der Einführung des Rauchverbotes unrentabel." Und Demme ist jetzt wieder Trainer von Rennpferden.

Das bereits seit 2008, als er einen Freund zu einer Auktion nach Newmarket beratend begleitete. Demme: "Wir kamen mit zwei Pferden zurück und ich musste sie trainieren." Derzeit arbeitet er mit nur vier Pferden auf einem ehemaligen Vielseitigkeitsgelände (sogar mit einem See) in Twenge, vier Kilometer von der Rennbahn Neue Bult in Langenhagen entfernt. Zu dem Quartett gehört auch der fünfjährige Wallach Kronerbe. Ihm gelangen während der Wintersaison 2011/2012 fünf Siege und dazu noch ein zweiter und ein dritter Platz. Vier Siege wurden in Dortmund erzielt, einer in Neuss. Geschehen am 31. Dezember 2011 mit dem damals noch amtierenden Jockey-Champion Eduardo Pedroza. Schon bei diesem Rennen imponierte Kronerbe mit seinem mächtigen Spurtvermögen.

Morgen sitzt der 21-jährige Maxim Pecheur im Sattel, mit seinen neun Siegen an der Spitze der Jockey-Bestenliste. Allerdings: So ganz einfach wird es für Kronerbe nicht, den sechsten Sieg für Demme zu schaffen. Kronerbe stammt aus der Zucht des Spitzengestüts Fährhof der Familie Jacobs, und Gestütschef Andreas Jacobs hüllte sich bei der Frage nach dem Kaufpreis in Schweigen: "Wir haben vereinbart, ihn nicht bekanntzugeben." Der Grund wird keine schwindelerregend hohe Summe sein, eher das Gegenteil. Spekuliert wird mit rund 5000 Euro. Etwas mehr als 20 000 Euro hat er bislang für den Besitzer Klaus-Peter Benne gewonnen.

Die Sandbahnsaison neigt sich dem Ende zu, doch Kronerbe kann auch auf der Grasbahn in kleinsten Rennen anfangen. Demme über sein Paradepferd: "Der hat einfach Charakter." Für den ehemaligen Kneipier, der als Hindernisreiter am Stall des längst verstorbenen Trainers Toni Pohlkötter arbeitete, hat sich nach den Erfolgen mit Kronerbe eine bedeutende Veränderung ergeben. Er wird seinen Arbeitsplatz auf die Rennbahn nach Frankfurt am Main verlegen und dort für ein noch junges Gestüts dessen Pferde trainieren. Morgen aber steht erst der Termin in Neuss auf dem Programm.

(NGZ)