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Galopp-Trainerin Katja Gernreich kämpft um ihre Existenz

Galopp : Katja Gernreich kämpft um ihre Existenz

Galopp-Trainerin Katja Gernreich harrt noch auf der verwaisten Neusser Rennbahn aus, die Suche nach einem neuen Stall gestaltet sich schwierig.

Am Pfingst-Montag beim Geister-Renntag in Köln ohne Zuschauer, aber wieder mit Besitzern auf der Bahn sind zwei Pferde aus dem Stall der Neusser Galopp-Trainerin Katja Gernreich gelaufen. Alaris endete auf Rang sieben, Jamie`s Venture wurde Letzter und am Tag danach von der Trainerin und Besitzerin als Reitpferd verkauft. Am Renntag zuvor in Dortmund lief es besser: Magic Mission belegte Platz vier und die Stute Quanita wurde sogar gute Zweite. Diese beiden Pferde hat die Trainerin gepachtet, sie gehören ihr nicht und sollen wieder an die Besitzer zurück.

Die Starts in Dortmund und Köln könnten die letzten Auftritte von Gernreich-Pferden aus dem Stall am Obertorweg gewesen sein. Es gibt allerdings noch drei Nennungen für den 14. Juni in Köln, am 20. Juni in Dortmund und einen Tag später in Düsseldorf. Eigentlich sollte Katja Gernreich schon bis zum 31.März die Anlage verlassen, doch im Zuge der Corona-Krise blieb sie, obwohl das Training auf dem Geläuf nicht mehr möglich war und sie dafür auf den Düsseldorfer Grafenberg ausweichen musste.

„Ich bin weiter auf der Suche nach einem neuen Quartier,“ erklärte die 45-jährige gebürtige Dresdnerin gegenüber unserer Redaktion. Über ihre geringen Zukunftschancen (trotz ihrer bisher besten Saison im Jahre 2019 mit 13 Siegen) ist sich die Perlenketten-Gewinnerin von 1999 sehr wohl im Klaren. Die Probleme dieser Zeit erschweren die Suche nach Varianten. Auf ihrer Trainingsliste stehen neben den beiden Pachtpferden noch Alaris und Past Sina.

Der Überlebenskampf von Katja Gernreich geht in eine neue Runde. Ein Wechsel als Angestellte mit sicherem Einkommen in einem großen Stall (wie es ihre ehemalige Kollegin Marion Weber als Futtermeisterin von Markus Klug im Gestüt Röttgen gelang), ist für sie schwierig, da sie nicht mehr das erforderliche Gewicht für das tägliche Training schafft. Zudem ist es nach vielen Jahren der Selbstständigkeit nicht einfach, in die Rolle der Abhängigkeit zu wechseln. Sie weiß  aber auch: „In den großen Ställen haben sie derzeit doch auch alle Probleme.“ Bei den Geister-Rennen gibt es seit dem 7. Mai trotz beachtlicher Wettumsätze (bislang über 5 Millionen Euro) nur die halben Rennpreise. Es blieb ihr der schon lange gehegte Wunsch einer Umschulung zur Pferde-Physio-Therapeutin. Das kostet Zeit und vor allem auch Geld.

Aktuelle finanzielle Nöte wurden durch einen Untermieter gelindert, der im Gernreich-Stall neun Pferde unterstellte. Sechs der Vollblüter des Besitzers Rainer Hirschfeld sind (ausweislich der Trainingsliste des Dachverbandes) allerdings zwischen zehn und vierzehn Jahre alt. Hirschfeld hat sich mittlerweile selbst mit der Neuss Marketing-Gesellschaft in Verbindung gesetzt. Eine erhoffte und geplante Zusammenarbeit zwischen Katja Gernreich und ihm scheint illusorisch. Hirschfeld ist in der Szene kein Unbekannter, beim Dachverband in Köln lagert eine umfängliche Akte.