Galopp: Außenseiter-Sieg beim Perlenketten-Auftakt in Neuss

Galopp : Außenseiter-Sieg beim Perlenketten-Auftakt

Aufregung auf der Neusser Galopprennbahn am Hessentor schon vor dem ersten Rennen: Wetthalle wird für Stunksitzung gebraucht.

Ein Außenseiter-Sieg durch Lunar Prospect mit Rebecca Danz im Perlenketten-Auftakt. Dazu ein Neusser Sieg mit dem Wallach Rich Roofer für Axel Kleinkorres sowie  Doppelsiege für Rebecca Danz und Gijs Snijders. Das waren die sportlichen Höhepunkte des Samstag-Renntages, der im Gegensatz zu mancherlei Befürchtungen von Wetter-Experten trocken über die Bühne ging. Der Besuch war allerdings deutlich geringer als am letzten Sonntag.

Aufregung gab es schon vor dem ersten Rennen, weil die beliebte Wetthalle nicht zur Verfügung stand. Rennvereins-Vorstandsmitglied Friedhelm Thissen räumte ein: „Wir sind davon vorher verständigt worden, weil dort am Abend eine der Stunk-Sitzungen stattfand.“ Der Rennveranstalter wiederum hatte keinen Einfluss auf die Termingestaltung. Sie wird vom französischen Mehrheitspartner bestimmt. Alle Rennvereine sind auf die Einnahmen aus den Provisionen der Wetterlöse der  Live-Sendungen nach Frankreich angewiesen.       

Der aus den Niederlanden angereiste, bereits zehnjährige 28,3:1 Außenseiter Lunar Prospect bescherte mit dem neunten Sieg seiner Laufbahn der 29-jährigen Rebecca Danz die Führungsposition in diesem seit 1961 ausgetragenen Traditionswettbewerb. Für Gedächtniskünstler:  Lunar Prospect hatte das gleiche Rennen am 30. Januar 2016 schon einmal gewonnen, damals mit Cindy Klinkenberg. Auf dem zweiten Platz landete der 2,9:1-Favorit Burma King mit Olga Laznovska, die weiteren Plätze belegten  Marientaler mit Maike Riehl, Praeux mit Sibylle Vogt und Picadally mit Anna van den Troost.  Die kürzlich noch als Profi-Weltmeisterin nach  dem Finale in Abu Dhabi geehrte Rebecca Danz hat den Neusser Wettbewerb noch nie gewonnen. Sie zeigte mit  Lunar Prospect  einen besonnen Ritt, während Laznovska auf Burma King zu früh in Front erschien und deshalb noch überspurtet wurde.Laznovska ist am nächsten Renntag (10. Februar) wegen zweier Fouls im Endkampf mit Burma King am 20. Januar in Neuss gesperrt.

Danz gewann mit der Außenseiterin Ivor’s Fantasy ein weiteres Rennen. Doppelsieger war auch der 21 Jahre alte niederländische Nachwuchsreiter Gijs Snijders mit All Dynamite und dem zehnjährigen Dutch Master bei dessen 15. Sieg  im Leben. Dutch Master gewann eines der seltenen Verkaufsrennen, doch die vom Besitzer Lucien van er Meulen verlangten 10.000 Euro wollte für den Veteranen niemand bezahlen.

Mit einer Flasche edlen Rotweins verließ Axel Kleinkorres den Absattelring nach dem zweiten Rennen. Sein Schützling Rich Roofer hatte mit Michael Caddedu das Biathlon-Rennen gewonnen. Den Renntitel hatte nicht (wie NGZ berichtete) der Dachverband bestimmt, sondern Eva-Maria Amdohr vom Rennverein. Für den sportlich sehr vielseitig interessierten Kleinkorres war es der zweite Saisonsieg, den er gewohnt ironisch kommentierte: „Wir haben vom Gegner profitiert. Lacato war als Speedpferd zu früh in Front. Deshalb konnte unser Jockey mit Rich Roofer seinen eigenen Speed viel gut einsetzen. Obwohl er eigentlich kein Siegertyp ist.“ Die Besitzer um Andreas Scheulen störte das alles überhaupt nicht. Im Gegensatz zum letzten Renntag wurde die Garantieauszahlung von 10.000 Euro in der Viererwette des letzten Rennens diesmal nicht nur von einem Wetter kassiert. Beim Zieleinlauf von Stanley Dailey (Nummer 11) mit Maxim Pecheur vor Another For Joe (1), Hippocrene (5) und Goldie Doll (9) kamen zwar erneut Außenseiter unter die ersten Vier, doch die Wette wurde mehrfach getroffen. Für einen Euro Einsatz gab es steuerfreie 2857,10 Euro zurück.

Der Wettumsatz direkt auf der Bahn ist unverändert ein existenzieller Problemfall für den Rennverein. Daran hat auch die Popularität des Streetfood-Marktes zu wenig verändert. Ein Info-Stand ist dabei nur ein Mosaikstein für den dringend notwendigen, höheren Umsatz. Der Vorstand des Vereins muss sich diesem Thema zeitnah stellen.

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