Lokalsport : Gäste brauchen ein Wunder

Stabilität sieht anders aus. Derzeit ist es nun wirklich keine Überraschung mehr, wenn einer der Fußball-Verbandsligisten, die sich anschicken, den Sprung in die Oberliga zu schaffen, gegen einen vermeintlichen Außenseiter verliert. Jüngstes und herausstechendes Beispiel ist der SV Straelen.

Schwebte die Truppe von Mäzen und Interimstrainer Hermann Tecklenburg nach dem Sieg im Nachholspiel beim SC Kapellen noch auf Wolke sieben, erfolgte am Ostermontag der brutale Absturz auf den Boden der Realität. Die 0:2-Niederlage beim abgeschlagenen Kellerkind SV Hilden-Nord bedeutete einen herben Rückschlag im Aufstiegsrennen. Warnung genug also für Tabellenführer Kapellen, der schon morgen Abend (Anpfiff 19 Uhr) eben diese Hildener im Erftstadion empfängt.

"Eine Warnung haben wir aber gar nicht gebraucht", meint SCK-Coach Horst Steffen in zweierlei Hinsicht. Zum einen haben sich auch die Erftstädter in jüngster Vergangenheit gegen Teams aus hinteren Gefilden des Tableaus sehr schwer getan, zum anderen hält Steffen die Hildener für wesentlich stärker, als es ihre aktuelle Situation glauben macht.

Dafür führt er den äußerst knappen 3:2-Hinspielsieg an, aber auch seine Beobachtungen aus dem Heimspiel des SVH gegen den TuS Grevenbroich. "Da waren beide Mannschaften nicht so schlecht, haben nicht ihre Ordnung verloren, wie man es von stark abstiegsbedrohten Teams erwarten könnte", erklärt Steffen, "und überhaupt wissen meine Spieler nach der bisherigen Rückrunde, dass wir kein Spiel leicht gewinnen können."

Das Erstaunliche: Glaubt man neutralen Beobachtern der Partie gegen Straelen, müssen die Hildener nicht nur ihre Kampfkraft in die Waagschale geworfen haben, vor allem in der zweiten Hälfte waren sie auch spielerisch besser und verließen verdient als Sieger den Platz.

Ein leichter Aufwärtstrend unter dem neuen Trainer Frank Zilles, der Ende vergangenen Jahres Jochen Glubisz beerbt hatte, war schon länger zu erkennen gewesen (etwa beim 4:1 gegen den TuS Grevenbroich), doch in weitere Punkte konnte das erst in den letzten beiden Spielen umgemünzt werden.

Einem 1:1 im Derby gegen den VfB Hilden folgte die faustdicke Überraschung gegen Straelen. "Schade, dass sich der Erfolg so spät eingestellt hat, das war wohl zu spät. Da bräuchten wir schon ein Wunder", hat sich SVH-Pressewart Wolfgang Becker bei zehn Punkten Rückstand auf den rettenden 13. Tabellenplatz mehr oder weniger mit Abstieg abgefunden. Doch eins verspricht er: "Wir haben gezeigt, dass wir uns nicht aufgeben und werden weiter alles geben."

Dass es bei den Gästen derzeit gut läuft, mag auch daran liegen, dass sie seit einiger Zeit keine personellen Sorgen mehr haben. Beim SC Kapellen hat sich hingegen die Hoffnung zerschlagen, dass Ex-Profi Sven Schuchardt in die Startformation zurückkehren könnte.

Nach seinem Kurzeinsatz gegen Materborn schwoll ein Knie wieder an. So wird der SCK wohl mit derselben Formation und demselben System (Dreierkette) wie am Ostermontag auflaufen. Steffen: "Wir müssen das System zwar noch besser spielen. Aber grundsätzlich herrscht in der Mannschaft das Gefühl, dass es mit der Umstellung vorangeht."

(NGZ)