Fußball : Fußballkreis beugt Gewalt vor

Auch im Jugendfußball wird Gewalt immer mehr zum Thema. Mit kreativen Workshops will der Fußballkreis Grevenbroich/Neuss auf das Problem aufmerksam machen und es bekämpfen.

Nicht erst die jüngsten Übergriffe in der Fußball-Leistungsklasse der A-Junioren und in der Kreisliga C (die NGZ berichtete) zeigten ein Problem auf, das gerne verschwiegen wird: Das Aggressionspotenzial auf Fußballplätzen — gerade im Jugendbereich — ist so hoch wie vielleicht nie zuvor.

Das hat auch der heimische Fußballkreis erkannt und mit Unterstützung der VR-Bank Dormagen erstmals einen Workshop zur Gewaltprävention veranstaltet. Dazu wurden am Wochenende die B-Jugend-Teams der DJK Gnadental und SG Neukirchen/Hülchrath sowie die Mädchen der Türkischen Jugend Dormagen in die Gesamtschule Nievenheim eingeladen. Die Mannschaften wurden bunt durchgemischt, in fünf Stationen standen neben Kooperationsübungen auch Rollenspiele und theoretische Schulungen. Zwei weitere Workshops werden demnächst folgen.

"Wir wollen uns vor dem Thema nicht verschließen, sondern es entschlossen bekämpfen", sagt Dirk Gärtner, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, der den Workshop gemeinsam mit Werner Küppers vom Jugendausschuss und dem Fußballkreisvorsitzenden Hermann-Josef Koch ins Leben berief. "Aktionen wie heute helfen den Jugendlichen dabei, offener aufeinander zuzugehen. Wir wollen die Berührungsängste nehmen und ihnen beibringen, respektvoll miteinander umzugehen", sagt Gärtner. In der Tat sieht man bei Stationen wie dem "Säureteich", wie schnell aus kühler Distanz ein freundliches Miteinander werden kann: Dort waren Vertrauen, Kooperation und Körperkontakt nötig, um mit Hilfe von Seilen einen Schatz zu bergen.

Auf der emotionalen Ebene versuchten es derweil Sozialarbeiter Thorsten Isack und Frank Peters aus dem DFB-Theorielehrstab. Sie sprachen die Gefühle der Jugendlichen an und vermittelten richtige Verhaltensweisen. "Die beiden sind der Hammer. Die haben die Jungs und Mädels sofort im Griff, die erkennen dann ihre Ansätze und setzen sie in die Tat um", sagt Gärtner. Das bestätigt auch Aykut, der als Gnadentaler Spieler teilnahm: "In unserer Liga gibt es fast keinen, der nicht aggressiv ist. Da kommt es oft zu Beleidigungen oder Tätlichkeiten. Mit erfahrenen Leuten darüber zu reden und Gegner mal privat kennenzulernen, hilft auf jeden Fall."

Hermann-Josef Koch weiß jedoch, dass er mit den kostspieligen Workshops nur einen Bruchteil der Jugendteams erreicht: "Wir wollen die Masse erreichen. Gewaltprävention muss zu einem wichtigen Thema der Lokalpolitik werden." Zur Veranstaltung lud er auch den allgemeinen Vertreter des Landrats, Jürgen Steinmetz, sowie den ersten stellvertretenden Landrat Dr. Hans-Ulrich Klose ein. Der will sich im Kreistag für das Thema stark machen. Koch: "Wenn wir uns damit durchsetzen, haben wir gewonnen."

(NGZ/rl)