Fußball trotz(t) Behinderung: 6. Handicap-Turnier des BV Weckhoven

Inklusion : Fußball trotz(t) Behinderung

Das internationale Handicap-Turnier des BV Weckhoven blieb sich auch in seiner sechsten Auflage seit der Premiere 2013 treu, brachte behinderte und nichtbehinderte Fußballer zusammen – ein kleiner Leuchtturm für geübte Sozialkompetenz.

Bereits seit 13 Jahren gibt es beim 1. SC Gröbenzell eine Inklusionsmannschaft für Jugendliche. Der Leitspruch des Klubs aus Oberbayern: Fußball trotz(t) Behinderung. Im Umgang mit dem runden Leder sind die Kicker aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck mittlerweile so versiert, dass sie die Konkurrenz aus dem europäischen Ausland nicht zu fürchten brauchen. Beim 6. Internationalen Handicap-Turnier in Weckhoven blieb Gröbenzell ohne Niederlage, sicherte sich nach elf Partien à zehn Minuten in souveräner Manier Platz eins in der Altersklasse Ü16.

Sicher, „im Mittelpunkt des Turniers steht nicht nur der sportliche Wettkampf“, betonte Katja Thinius, Vorsitzende der Inklusionsabteilung des BV Weckhoven, der mit Stolz darauf verweist, im März 2013 die erste integrative Fußballmannschaft in der Stadt Neuss gegründet zu haben. „Aber man kann es auch keinem vorwerfen, dass er gewinnen will“, sagt Frank Meyer. Der für die SRG Ammersee/Fürstenfeldbruck tätige Schiedsrichter ist mit Gröbenzell längst Stammgast in Weckhoven – und hatte gut zu tun. Denn vor allem der AFC Bournemouth, der im jüngeren Jahrgang (U16) einen Doppelsieg feierte, ging mit gesunder englischer Härte zu Werke. Was für die Jungs von der Insel normal war, machte den eher die feine Klinge bevorzugenden „Handicaps“ des BV Weckhoben Angst. „Das kennen sie so nicht“, erklärte Thinius: „Wenn bei uns jemand im Zweikampf hinfällt, helfen unsere Fußballer ihm auf und entschuldigen sich.“ Obgleich eine Partie sogar vorzeitig beendet werden musste, stehe der Fair-Play-Gedanke über allem, versichert Meyer: „Gscherd oder gar hinterfotzig ist niemand. Da passiert nichts hinter dem Rücken des Schiedsrichters.“

Ohnehin gilt: Wenn Menschen mit Autismus, Asperger-Syndrom, implantierten Hörgeräten, Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder angeborenen Fehlbildungen gemeinsam mit Fußballern ohne Behinderung ein funktionierendes Team bilden, zählt das mehr als jedes Tor. Das haben in Deutschland inzwischen auch die Profivereine gemerkt. Gerade erst fand auf der großzügigen Anlage von Borussia Mönchengladbach der „FußballFreunde-Cup“ statt, Teil einer unter anderem von der DFL-Stiftung organisierten inklusiven Turnierserie, in die sich zuvor schon der SC Freiburg, Hannover 96, RB Leipzig und der SV Darmstadt 98 eingebracht hatten. Auch Fortuna Düsseldorf will sich beteiligen. „Dadurch werden wir massive Probleme bekommen“, befürchtet Turnierleiter Ralf Simons und sieht durchaus Parallelen zum Frauenfußball: „Die Pioniere, Wald- und Wiesenvereine wie wir können da nicht mithalten und sterben.“

Noch aber blüht das immerhin unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Gesundheitsministers Hermann Gröhe stehende Handicap-Turnier in Weckhoven, adelt Bürgermeister Reiner Breuer das Engagement der ehrenamtlichen Trainer und Helfer durch sein Erscheinen. Simons weiß um die Kraft kleiner Gesten, kündigte darum vor der Siegerehrung schmunzelnd an: „Jeder Spieler bekommt ein Eis.“

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